Ich bin noch da, aber wann ich hier wieder mal etwas schreiben werde, weiß ich nicht. Vielleicht bald. Vielleicht nie. Wer mag, kann unterdessen mein Western-Blog ¿Quién sabe? besuchen.
Donnerstag, 8. Januar 2026
Dienstag, 18. Mai 2021
Graf Dracula (beißt jetzt) in Oberbayern (1979)
Regie: Carl Schenkel · Drehbuch: Grünbach & Rosenthal · Musik: Gerhard Heinz · Kamera: Heinz Hölscher · Schnitt: Jutta Hering · Produktion: Barthonia Film.
Der Münchner Erotikfotograf Stani (Gianni Garko) kehrt in sein Heimatdorf zurück. Im alten Stammschloss seiner Familie will er eine Disco und ein Hotel eröffnen. Als Publikumsmagnet bringt er vier Fotomodelle aus München mit: Mausi (Bea Fiedler), Lilo (Linda Grondier), Laurie (Laurence Kaesermann) und Georgia (Georgina Steer), die fortan in Stanis Disco strippen.
Stanis Mutter, die Gräfin (Herta Worell), ist von den Geschäftsideen ihres Sohnemanns nicht sehr angetan. Sie befürchtet, seine Pläne für das Schloss könnten »die Toten wecken«. Und in der Tat: Tief unten in den Gewölben des Schlosses regen sich Stanis untote Urgroßeltern, Graf Stanislaus (ebenfalls Gianni Garko) und Gräfin Olivia (Betty Vergès), sobald die Disco-Beats an ihre Ohren dringen.
Stanislaus und Olivia hatten eigentlich versprochen, ihre Gruft nicht mehr zu verlassen. Im Gegenzug wurden sie von Schlossverwalter Boris (Ralf Wolter) mit geklauten Blutkonserven versorgt. Aber Boris wird bei seinem letzten Beutezug auf frischer Tat ertappt, und dem gräflichen Paar knurrt der Magen.
Graf Stanislaus stellt fest, dass die Disco-Mädels die ekstatischen Gefühle, die sein Biss auslöst, sehr zu schätzen wissen. Ungehemmt knabbert er sich durch die Partyszene, die durch Stanis Aktivitäten ins beschauliche Oberbayern gelockt wurde. (Gattin Olivia tut sich etwas schwerer damit, sich in den siebziger Jahren zurechtzufinden.)
In der nahegelegenen Dorfschule unterrichtet Ellen van Helsing (Ellen Umlauf), Tochter eines prominenten Vampirjägers. Stanis Disco ist ihr ein Dorn im Auge, denn sie befürchtet, dass sie die Moral der Jugend verdirbt. Aber nie hätte sie gedacht, dass sie noch einmal den alten Familienberuf werde ausüben müssen ...
Das Subgenre der westdeutschen Vampirklamotte mit Softsex-Anteil, das mit Beiß mich Liebling! (1970) und Gebissen wird nur nachts (1971) seinen Anfang nahm, war ganz für sich schon eine etwas merkwürdige Angelegenheit. Ende der siebziger Jahre meinte irgendwer offenbar, dem noch einen draufsetzen und es mit dem Lederhosen-Sexfilm kombinieren zu müssen. Und die (Doppel-)Hauptrolle mit Italowestern-Veteran Gianni Garko zu besetzen.
Das eigentlich Bizarre ist aber, dass Regisseur Schenkel zwischendurch immer mal wieder die Lust verließ, stets nur Intimbehaarung und Discokugeln ins Bild zu nehmen. Sein Film verirrt sich hier und da in Szenen, die an echten Horror erinnern – zum Beispiel eine, die als Hommage an Hitchcocks Duschszene gesehen werden muss. Angst vor der Inkongruenz kann man Schenkel nicht vorwerfen, obwohl sich nach wenigen Minuten unweigerlich alles wieder in Klamauk auflöst.
Am Ende wird es Olivia und Stanislaus zu viel, ständig als Touri-Attraktion herhalten zu müssen, und sie flüchten entnervt in die Urheimat Transsilvanien. Folgerichtig war dieser Ausflug nach Oberbayern das letzte Mal, dass sich ein Filmstudio an diese Stilblüte von einem Subgenre heranwagte.
Die VAMPYRS: Graf Stanislaus und Gräfin Olivia.
Samstag, 17. April 2021
Dracula Reborn (2012)
Montag, 5. April 2021
La cripta e l’incubo (1964)
Freitag, 26. März 2021
L’ultima preda del vampiro (1960)
Dienstag, 23. März 2021
La strage dei vampiri (1962)
Deutscher Titel: Die Rache des Vampirs · Regie: Roberto Mauri · Drehbuch: Roberto Mauri · Musik: Aldo Piga · Kamera: Ugo Brunelli · Schnitt: Jenner Menghi · Produktion: Mercurfilm.
Österreich im 19. Jahrhundert. Das junge adelige Paar Louise (Graziella Granata) und Wolfgang (Walter Brandi) lässt ein altes Schloss wieder herrichten, um sich auf dem Land niederzulassen. Zum Einzug geben sie einen Ball. Dort erscheint ein mysteriöser Fremder (Dieter Eppler) und tanzt mit Louise. Der Fremde, der den ganzen Film über namenlos bleibt, ist ein Vampir, und Louise nach der Begegnung mit ihm nicht mehr dieselbe. So scheint es jedenfalls Wolfgang. In Wien konsultiert er einen Arzt (Luigi Batzella), der im Ruf steht, Experte für solche Angelegenheiten zu sein.
Ein Wiener Arzt, der zur Lösung sexueller Konflikte angerufen wird? Die Anspielung ist überdeutlich, zumal Dr. Nietzsche sich die meiste Zeit an einer Zigarre festklammert. Aber wie der Name schon sagt, liegt hier kein Porträt Freuds vor. Dr. Nietzsche ist vielmehr ein verhinderter Übermann; die perfekte Verkörperung des »Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht«. Er eröffnet Wolfgang, seine Frau sei »kontaminiert« und müsse ebenso wie der Fremde getötet werden. Mit dem gehörnten Ehemann im Schlepptau macht Dr. Nietzsche sich unverzüglich auf die Jagd.
An den Verhältnissen des Gothic Horror der sechziger Jahre gemessen, zeichnet La strage dei vampiri sich durch eine erstaunliche Ambivalenz aus. Das beginnt schon beim Titel, der »Das Gemetzel der Vampire« bedeutet. Aber wer wird gemetzelt? Sind es die Vampire, die ein Gemetzel anrichten, oder werden sie gemetzelt? Am Anfang wird gezeigt, wie eine Vampirin vom sprichwörtlichen Mob mit Mistgabeln und Fackeln förmlich geschlachtet wird. Und am Ende inszeniert der Film nicht den Vampir, sondern Dr. Nietzsche als denjenigen, der in den Schatten lauert, um aus dem Hinterhalt heraus anzugreifen.
Natürlich verletzt La strage die Konventionen seines Genres nicht allzusehr. Am Ende muss die Ordnung wiederhergestellt sein, und so kommt es auch. Aber dafür, dass Dr. Nietzsche als Vampirjäger eine Heldenfigur sein soll, erscheint er doch sehr als einer, der lustvoll-aggressive weibliche Sexualität fürchtet wie eine Krankheit. Hinzu kommen verstörende Anspielungen, dass Wolfgang einen Hang zur Pädophilie haben könnte. Auch wird die österreichische Adelsgesellschaft nicht als heile Welt dargestellt, sondern als von Klatsch und Neid geprägt.
Dieter Eppler geriet durch Zufall an die Rolle des Vampirs. Er war nach Italien gekommen, um einen Inspektor in einem Krimi zu spielen. Dieser Film wurde nie realisiert, und Eppler war frei für La strage. Ein Glücksfall, denn er spielt den Vampir auf eine Weise, die entschieden campy ist, es aber nie zu weit treibt.
Sehr zum Gelingen des Films tragen auch die Musik Aldo Pigas und der Drehort bei. Gefilmt wurde nämlich in dem mittelalterlichen Dorf Monte San Giovanni Campano, dessen Burganlage der Familie Thomas von Aquins gehörte. Die Außenaufnahmen und die Musik sorgen für eine traumartige Atmosphäre.
An La strage dei vampiri zeigt sich, dass der italienische Gothic Horror, der mit Mario Bava begann, entgegen anderslautender Behauptungen nicht auch gleich wieder mit Bava aufhörte. Warum ist dieser Film nicht schon längst ein Geheimtipp?
Donnerstag, 18. März 2021
Gebissen wird nur nachts (1971)
Donnerstag, 25. Februar 2021
El buque maldito (1974)
Donnerstag, 11. Februar 2021
The Devil Bat (1940)
Alternativtitel: Killer Bats · Regie: Jean Yarborough · Drehbuch: John Thomas Neville · Musik: David Chudnow · Kamera: Arthur Martinelli · Schnitt: Holbrook N. Todd · Produktion: PRC.
Kosmetik-Mogul Martin Heath (Edward Mortimer) und sein Partner Henry Morton (Guy Usher) haben mit den Kreationen des Chemikers Dr. Paul Carruthers (Bela Lugosi) ein Vermögen gemacht. Carruthers hingegen wurde mit lumpigen 10.000 Dollar abgespeist.
Carruthers tut in dieser Situation das, was wir wohl alle tun würden. Er stimuliert die Hormondrüsen einer Fledermaus mit Stromstößen, bis das Tier auf eine furchteinflößende Größe herangewachsen ist. Zugleich entwickelt er ein neues Aftershave, das eine geheime Zutat enthält: eine Substanz aus Tibet, die bei Fledermäusen einen Angriffsimpuls auslöst.
Unter dem Vorwand, sein neues Produkt testen zu wollen, verteilt Carruthers Gratisproben des Aftershaves an Heaths Söhne Tommy (Alan Baldwin) und Roy (John Ellis) sowie an Mortons Sohn Don (Gene O’Donnell). Allen dreien schlägt die Riesenfledermaus unverzüglich die Fangzähne in den Hals, nachdem sie sich diesen mit dem Aftershave eingerieben haben. Und natürlich hofft Carruthers, seine alten Partner Heath und Morton auf die gleiche Weise zu erwischen ...
The Devil Bat ist eines jener B-Movies, bei denen man sich sehnlich wünscht, der Schurke möge am Ende den Sieg davontragen. Es ist einfach zu schön anzusehen, wie Lugosi seine überdimensionierte Fledermaus auf die selbstgefälligen Geschäftsmänner und ihre geschniegelte Brut ansetzt. Aber natürlich wäre das nach damaligen Hollywood-Gesetzen ganz und gar unmöglich. Gut und Böse mussten klar getrennt sein und am Ende der Bösewicht zur Strecke gebracht werden.
Dabei lässt The Devil Bat sich geradezu als Parabel auf Lugosis Hollywood-Karriere ansehen. Trotz seiner ikonischen Rolle als Dracula wurde Lugosi von den Universal-Bossen immer wieder auf seinen Platz verwiesen. Das Studio sah nämlich Boris Karloff als seinen eigentlichen Horror-Star an. Selbst bei Filmen wie The Black Cat (1934), in dem Lugosis Rolle ebenso wichtig ist wie Karloffs, wurde stets Karloff als Hauptdarsteller präsentiert. Mit der Zeit relegierte man Lugosi sogar auf Nebenrollen, in denen er mitunter nicht einmal Dialogzeilen hatte.
Woran auch immer es lag – ob es Vorurteile wegen Lugosis ausländischer Herkunft waren oder seine zunehmende Abhängigkeit von Opiaten –, die Chefetage von Universal verhielt sich höchst unfair gegenüber Lugosi. Nichts zeigt das deutlicher als die Tatsache, dass das Studio sich weigerte, ihm nach Tod Brownings Dracula (1931) weiterhin seine Paraderolle zu überlassen. In den ersten Fortsetzungen zu Brownings Film tauchte Dracula als Person gar nicht auf. Später, in Universals infamer Trilogie von »monster rally«-Filmen, erhielt John Carradine die Rolle. Nur in der Komödie Abbott and Costello Meet Frankenstein (1948) durfte Lugosi noch einmal den Grafen geben.
Die Konsequenz war, dass Lugosi schon aus Geldnot Rollen in Produktionen der abschätzig so genannten »poverty row«-Studios wie Monogram und PRC annehmen musste. Die hatten sich darauf spezialisiert, Genre-Flicks im Akkord zu drehen, natürlich ohne die vergleichsweise üppigen Budgets, die bei Universal oder RKO üblich waren.
Nicht immer zeitigte die Zusammenarbeit zwischen Lugosi und den Filmschmieden der »poverty row« ein so glückliches Ergebnis wie hier. Die Rolle des Dr. Carruthers ist Lugosi auf den Leib geschrieben, und Lugosi trägt den Film. Es gibt auch, wie gesagt werden muss, nicht viel, was den Film sonst tragen könnte. Das Drehbuch strotzt vor plot holes. In der Nacht spielende Szenen mit der Fledermaus wurden sichtlich bei Tageslicht aufgenommen.
Bemerkenswerterweise macht The Devil Bat sich auch noch lustig über die naiven Spezialeffekte, die seit jeher in B-Movies verwendet werden. In einer Nebenhandlung versucht der Pressefotograf One-Shot McGuire (Donald Kerr) erfolglos, die Riesenfledermaus vor die Linse zu bekommen. Schließlich bestellt er sich beim Tierpräparator eine Fledermaus-Atrappe aus Filz, hängt sie an einem Draht auf und schießt das gewünschte Foto. Den Draht retuschiert er sorgfältig weg – nur um festzustellen, dass das fertige Bild einen am Filz angebrachten »Made in Japan«-Aufnäher zeigt.
The Devil Bat war PRCs erster Horrorfilm und so erfolgreich, dass das Studio nicht nur zahlreiche weitere folgen ließ, sondern den Streifen 1945 gleich noch mal im Kino laufen ließ. 1946 folgte dann die Fortsetzung Devil Bat’s Daughter, allerdings ohne Lugosi.
Ich weiß nicht, ob Lugosi über seine Rolle hinaus in die Entstehung des Films eingebunden war. Angesichts der Eile, in der Streifen dieser Art produziert wurden, ist das wohl eher unwahrscheinlich. Deshalb darf man sich The Devil Bat nicht unbedingt als bewussten Kommentar zu Lugosis Enttäuschung über Universal vorstellen. Aber in der »poverty row« arbeitete wahrscheinlich eine ganze Anzahl von Leuten, die ebenfalls Erfahrungen mit dem Snobismus gemacht hatten, der in den gediegeneren Häusern Hollywoods vorherrscht. Lugosi sieht jedenfalls so aus, als habe er einiges Vergnügen an dieser Rolle gehabt.
Der VAMPYR: Dr. Paul Carruthers.
Mittwoch, 3. Februar 2021
Drácula contra Frankenstein (1972)
Deutscher Titel: Die Nacht der offenen Särge · Regie: Jess Franco · Drehbuch: Paul d’Ales, Jess Franco · Musik: Bruno Nicolai · Kamera: José Climent · Schnitt: María Soriano · Produktion: Fénix Films.
Kaum machte Paul Naschy mit seinen am alten Universal-Grusel orientierten Filmen von sich reden, dachte Jess Franco sich: Das kann ich auch. Und wieder einmal bekam das Kinopublikum die geballte Macht des Kamerazooms zu spüren. Gedreht wurde in Portugal.
Graf Dracula (Howard Vernon) wird von Dr. Seward (Alberto Dalbés) gepfählt. Doch der Doc hat nicht mit seinem Kollegen Dr. Frankenstein (Dennis Price) gerechnet. Der erweckt den Grafen wieder zum Leben, und der untote Untote muss ihm als henchman dienen.
Frankenstein lässt sich in Draculas Schloss häuslich nieder. Seinen buckligen Diener Morpho (Luis Balboo) und seine berühmte Kreatur (Fernando Bilbao) hat er ebenfalls dabei. Mit Draculas Hilfe will er ein »Heer von Vampiren« erschaffen, um sich die Welt zu unterwerfen.
Zum Glück für Dr. Seward ist da noch die Roma-Wahrsagerin Amira (Geneviève Robert). Die prophezeit, dass dem Doc bei seinem Endkampf gegen Frankenstein, Dracula und die Kreatur ein leibhaftiger Werwolf (Brandy) beistehen wird. Wenn das nichts ist!
Drácula contra Frankenstein hat nichts mit Francos Film Count Dracula von 1970 zu tun. Dieser orientierte sich an der Romanvorlage, jener ist eindeutig eine Imitation von Streifen wie Los monstruos del terror. Und, na ja, es ist ein Jess-Franco-Film. Ob man für die ein morbides Interesse empfindet oder sie einfach Fassungslosigkeit auslösen, ist letztlich Geschmackssache. (Bei mir hält sich beides in etwa die Waage.)
Den ersten Platz verdient hat Drácula contra Frankenstein, was die bizarren Fledermaus-Effekte angeht. Hier klatschen die Gummifledermäuse gegen Fensterscheiben und zucken an Drähten umher, was das Zeug hält. Den Höhepunkt bildet jedoch die Szene, in der Seward den Grafen in seinem Sarg pfählt. Da soll dargestellt werden, dass Dracula sich im Augenblick seines Todes in eine Fledermaus verwandelt: Es gibt einen Schnitt, und von oben erscheint eine Hand im Bild, die die Fledermaus in den leeren Sarg fallen lässt! Leider kamen in einigen Szenen auch echte Fledermäuse zum Einsatz, verbunden mit abstoßender Tierquälerei.
Beinahe ebenso speziell ist die deutsche Synchronisation des Films. Für sie wurde Graf Dracula in »Graf Satana« und Dr. Frankenstein in »Dr. Exorcio« umbenannt. Eine Stimme aus dem Off behauptet steif und fest, der Graf sei mit einem Silbernagel gepfählt worden, wo im Bild doch eindeutig ein Holzpflock zu sehen ist. Den treibt Seward dem Vampir übrigens mit Hilfe eines Reflexhämmerchens aus seiner Arzttasche durch den Brustkorb. Auch eine Leistung.
Der VAMPYR: Graf Dracula / Graf Satana.
Dienstag, 19. Januar 2021
Los monstruos del terror (1970)
Deutscher Titel: Dracula jagt Frankenstein · Regie: Tulio Demicheli · Drehbuch: Jacinto Molina · Musik: Franco Salina · Kamera: Godofredo Pacheco · Schnitt: Emilio Rodríguez · Produktion: Castilla Films.
»That’s our mission here: to study the manufacture of monsters who will destroy mankind.« — Dr. Odo Varnoff
Dr. Varnoff (Michael Rennie), ein Außerirdischer vom sterbenden Planeten Ummo, will sich die Erde unterwerfen. Er überlegt, was die Menschen am meisten fürchten, und kommt auf die Idee, dass die größte Furcht der Menschen Monster sind, die sie selbst geschaffen haben. Wie er darauf wohl gekommen ist? Durch das Anschauen alter Universal-Filme vielleicht? Mit seinen minions Maleva (Karin Dor) und Kerian (Angel del Pozo) richtet er in einem verlassenen Kloster ein Labor ein und geht auf Monstersuche.
Zuerst stößt er auf zwei Geschöpfe der Nacht, die bereits aus dem ersten Film der Reihe, La marca del hombre lobo, bekannt sind: Das Skelett des Vampirs Janos de Mialhoff (Manuel de Blas) wird in einem Gruselkabinett auf der Kirmes ausgestellt. Der hölzerne Pfahl, der den Blutsauger zur Strecke gebracht hat, steckt noch zwischen seinen Rippen. Die Aliens müssen den Pfahl nur herausziehen, und sofort beginnen sich um die nackten Knochen wieder Fleisch und Sehnen zu bilden. (Im ersten Teil wurde Mialhoff übrigens noch Mikhelov geschrieben. Ich vermute, hinter beidem verbirgt sich der Versuch, den russischen Namen Michailow wiederzugeben.)
Und dann ist da der Werwolf Waldemar Daninsky (Paul Naschy), um den sich die ganze Filmreihe ja dreht. Im ersten Teil erfuhren wir, dass Daninsky nur dann von seinem Fluch befreit wird, wenn eine ihn liebende Frau bereit ist, ihm eine Silberkugel ins Herz zu schießen. Folgerichtig endete Daninsky in La marca mit einer Silberkugel im Herz. Jetzt aber erläutert Dr. Varnoff, dass der Fluch endgültig nur loszuwerden sei, wenn eine liebende Frau dem Werwolf eine Silberkugel ins Herz schießt – und außerdem bereit ist, zusammen mit ihm in den Tod zu gehen. Sie muss sich quasi von dem Werwolf zerreißen lassen, während er in seinen letzten Zuckungen liegt. (Es ist natürlich ein altes, übles gothisches Motiv, dass Frauen sterben müssen, damit Männer ihre Erlösung finden können.) Letztere Bedingung war im ersten Film nicht gegeben, und so kann Dr. Varnoff die Kugel einfach operativ entfernen. Waldemar erwacht also wieder zum Leben.
Da beginnen die Dinge auch schon schiefzugehen. Vampir Janos wetzt sich die Fangzähne nach der schönen Maleva. Und Waldemar zerreißt seine Ketten und läuft im nahegelegenen Städtchen Amok. Aber Varnoff stöbert unbeirrt weiter Monster auf. In Ägypten lässt er die Mumie Tao-Tet (Gene Reyes) aus ihrem Grab auferstehen. Außerdem erweckt er (nach bewährtem Rezept mit Elektrizität) Farancksalans Monster (Ferdinando Murolo) zu neuem Leben – ja, richtig gelesen, aus unerfindlichen Gründen wurde Victor Frankenstein für diesen Film in »Ulrich von Farancksalan« umbenannt.
Dr. Varnoffs Monstermanufaktur bleibt natürlich nicht unentdeckt. Der Kriminalbeamte Inspektor Tobermann (Craig Hill) ist ihm auf der Spur. So lässt Dr. Varnoff den Inspektor und seine Freundin Ilsa Sternberg (Patty Shepard) kurzerhand kidnappen, um sie auf sadistische Weise zu Tode zu bringen ...
Wer meint, mit den buntesten Stilblüten des klassischen europäischen Trash-Kinos vertraut zu sein, wird merken, dass Monstruos del terror dem allen locker noch einen drauf setzt. Und wer glaubt, die aberwitzige Handlung sei entstanden, indem eilig ein paar Ideen zu Papier gebracht wurden, täuscht sich. Wie bei allen außer dem letzten Eintrag der Reihe schrieb Paul Naschy (unter seinem bürgerlichen Namen Jacinto Molina) das Drehbuch selbst. Für diesen Film wurde ihm sogar ein besonders üppiges Budget in Aussicht gestellt, weshalb Naschy in der Überzeugung schrieb, einen Film ganz nach seinen Vorstellungen realisieren zu können.
Daraus wurde natürlich nichts. Das versprochene Budget löste sich in nichts auf, und Los monstruos del terror wurde genau so hastig und schludrig produziert wie tausende andere Euro-Horrorstreifen auch. Naschy wollte als fünftes Monster einen Golem auftreten lassen und auch die UFOs der Aliens vom Ummo zeigen. Beides wurde aber aus Kostengründen gestrichen. Der eigentlich vorgesehene Regisseur, Hugo Fregonese, warf nach einiger Zeit das Handtuch und wurde durch Tulio Demicheli ersetzt. Die Meinungen gehen auseinander, ob zwischenzeitlich noch ein oder zwei weitere Regisseure daran beteiligt waren, den Brei zu verderben. Am Ende wurde der Film jedenfalls Demicheli zugeschrieben.*
So ist es nicht verwunderlich, dass Los monstruos del terror kaum einen vernünftigen Spannungsbogen hinbekommt. Ausführlich werden die Ermittlungen Inspektor Tobermanns gezeigt, obwohl das Publikum von der ersten Szene an über die Machenschaften der Aliens informiert ist. Über diesen Film zu schreiben macht definitiv mehr Spaß, als ihn sich anzusehen. Doch ich finde es einfach liebenswert, dass Naschy glaubte, mit Monstruos del terror seine Vorstellungen von einem guten Film verwirklichen zu können – und daraus die oben geschilderte Story wurde.
Ein Hinweis zum Schluss: Los monstruos del terror lief in Großbritannien und auf dem Videomarkt unter dem Titel Dracula vs. Frankenstein. Er ist nicht zu verwechseln mit Al Adamsons gleichnamiger US-Produktion aus dem Jahr 1971.
Der VAMPYR: Janos de Mialhoff.
* Fregonese und Demicheli kamen beide aus Argentinien, ebenso wie der wohl bekannteste Regisseur der Daninsky-Reihe, León Klimovsky. Das Filmstudium ist in der Republik am La Plata sehr beliebt, und in den sechziger Jahren strömten offenbar die Absolvent:innen nach Europa, um sich in der B-Movie-Industrie zu verdingen.
Samstag, 16. Januar 2021
Desert of Blood (2008)
Regie: Don Henry · Drehbuch: Don Henry · Musik: Dean Harada, Jason Moss · Kamera: Pablo Santiago · Schnitt: Matthew McArdle · Produktion: Encantado Films.
Ein Gringo-Tourist auf Schatzsuche (Josh Adamson) buddelt im mexikanischen Tecate versehentlich den Vampir Luis Diego (Justin Quinn) aus. Der war vor 35 Jahren von Hochwürden Hernández (Flint Esquerra) unter die Erde gebannt worden. Er macht sich unverzüglich auf den Weg zu seiner alten Liebe Sarita (Yvonne Rawn), die aber in der Zwischenzeit um dreieinhalb Jahrzehnte gealtert ist und siech darnieder liegt.
Doch zu Luis’ Entzücken ist Saritas Nichte Maricela (Brenda Romero) aus L.A. gekommen, um ihre Tante zu pflegen. Luis fackelt nicht lange und wanzt sich an Mari ran.
Was folgt, ist mit narratologischen Begriffen wie histoire und discours nur sehr unzulänglich zu beschreiben – jedenfalls mir will es nicht gelingen. Vage meine ich die Umrisse der typischen Geschichte »Vampir sucht Erlösung durch die Liebe einer sterblichen Frau« wahrzunehmen. Ansonsten verfügt dieser Film weder über eine Handlung noch über Figuren, die in irgendeiner Weise im Gedächtnis haften bleiben.
Desert of Blood, wiewohl eine US-Produktion, richtet sich klar an ein Latin@-Publikum. Jedenfalls besteht der Cast größtenteils aus Latin@s, die Dialoge sind stellenweise in Spanisch (mit Untertiteln) gehalten, und Drehort ist der Originalschauplatz (Tecate in Baja California).
Ich muss gestehen, dass ich keine Ahnung habe, ob es in den USA eine Industrie gibt, die speziell solche Filme produziert. Wenn ja, hoffe ich, dass sie nicht alle so läppisch ausfallen wie Desert of Blood.
Der VAMPYR: Luis Diego.
Donnerstag, 14. Januar 2021
The Return of Dracula (1958)
Alternativtitel: Curse of Dracula / The Fantastic Disappearing Man · Deutscher Titel: Draculas Blutnacht / Die Rückkehr des Dracula · Regie: Paul Landres · Drehbuch: Pat Fielder · Musik: Gerald Fried · Kamera: Jack McKenzie · Schnitt: Sherman Rose · Produktion: United Artists.
Nach The Vampire machte sich Paul Landres, als Regisseur eigentlich eher im Westerngenre beheimatet, unverzüglich an die Arbeit an einem zweiten Vampirfilm. Gedreht wurde mit dem gleichen Team und einem ähnlich mageren Budget wie beim Vorgänger. Aber diesmal sollte als untoter Protagonist der Prince of Cats persönlich auftreten.
Der Maler Bellac Gordal (Norbert Schiller) will aus seinem (ungenannten) osteuropäischen Land in die USA auswandern, um ein neues Leben zu beginnen. Zu Gordals Unglück wurde Dracula (Francis Lederer) soeben von einem Trupp Vampirjäger aus seiner Gruft vertrieben. Der Graf saugt Gordal aus und nimmt seine Identität an.
Angekommen im kalifornischen Städtchen Carleton, nistet Dracula sich bei Gordals Verwandten, der Familie Mayberry, ein. Gordals Cousine Rachel (Norma Eberhardt) freut sich besonders über den Besuch des vermeintlichen Malers. Sie hat selber eine künstlerische Ader, die sie jedoch nicht ausleben kann, da sie eine Ausbildung zur Krankenschwester macht.
Dracula ist indes an ganz anderen Adern interessiert. Rachels Patientin Jenny (Virginia Vincent) dient ihm als lebende Blutbank. Und natürlich hat er auch Rachel selbst als unfreiwillige Blutspenderin vorgemerkt.
Hauptdarsteller Francis (eigentlich Franz) Lederer begann seine Karriere als Bühnenschauspieler in der Tschechoslowakei. Den Grafen spielt er als zugleich öligen und boshaften Verführer mit old-world-Charme. Leider kann der restliche Cast ihm nicht das Wasser reichen.
Auch sonst verschenkt der Film einiges an Potential. Rachels Wunsch, mit Hilfe der Kunst dem Kleinstadtmuff zu entfliehen, wird vom Drehbuch nicht wirklich ernst genommen. Er dient nur als Aufhänger, um Rachel als willkommene Beute für Dracula darzustellen. So bleiben die Rollen leider sehr klar verteilt: Rachel ist das Opfer. Immerhin ist es am Ende so, dass sie sich mehr oder weniger selbst rettet; das sei festgehalten. Aber ihr Charakter bleibt eindimensional.
So ergibt die Performance Lederers einen ganz interessanten Film-Dracula abseits der ›großen‹ Darsteller wie Lugosi, Lee und Langella. Das allein vermag jedoch schwerlich den ganzen Film zu tragen, dem es dann, wenn Lederer nicht in der Szene ist, allzuoft an Atmosphäre und Spannung mangelt.
Ein etwas überraschendes Handlungselement bilden die zu Anfang eingeführten Vampirjäger, die Dracula natürlich bis nach Kalifornien verfolgen. Diese wirken im Fortgang der Handlung immer mehr wie eine weltweit agierende Geheimpolizei, die mit wenig Respekt für civil liberties auftritt. Angesichts der Tatsache, dass Landres’ Film sich mit seinem Einwanderungsthema große Mühe gibt, die USA als Land der Freiheiten hochleben zu lassen, kommt man mit dieser Darstellung (wohl unabsichtlich) den internationalen Machenschaften der CIA zu Zeiten des Kalten Krieges doch sehr nahe.
Eine interessante Anekdote zu Hauptdarsteller Lederer muss ich zum Schluss erwähnen: Franz Lederer war Jude. Während der Machtübernahme der Nazis hielt er sich anlässlich eines Theaterengagements in Los Angeles auf. Lederer beschloss kurzerhand, nicht nach Europa zurückzukehren. Diese Entscheidung rettete ihn vor den Nazis.
Nun schlüpfte Lederer nach The Return of Dracula 1971 noch einmal in die Rolle des transsylvanischen Grafen. In einer Episode von Rod Serlings Fernsehserie Night Gallery legen sich die Nazis mit dem von Lederer gespielten Dracula an – und ziehen natürlich den Kürzeren. Es war einer von Lederers letzten Auftritten.
Der VAMPYR: Graf Dracula / Bellac Gordal.
Mittwoch, 6. Januar 2021
The Vampire (1957)
Alternativtitel: Mark of the Vampire · Deutscher Titel: Immer bei Anbruch der Nacht · Regie: Paul Landres · Drehbuch: Pat Fielder · Musik: Gerald Fried · Kamera: Jack MacKenzie · Schnitt: John Faure · Produktion: United Artists.
Mit seinem letzten Atemzug drückt der Wissenschaftler Dr. Campbell (Wood Romoff) Paul Beecher (John Beal) ein Fläschchen mit Pillen in die Hand. Beecher ist ein gutmütiger Kleinstadtarzt und alleinerziehender Vater, der nur ein Problem hat: Er leidet an Migräne. Das Unheil beginnt, als Beecher Campbells Pillen mit seinen Kopfschmerztabletten verwechselt und eine davon schluckt.
Beecher merkt schnell, dass die mysteriösen Pillen süchtig machen. Er findet heraus, woran der verstorbene Dr. Campbell in seinem Labor arbeitete: an Mitteln und Wegen, wie sich im modernen Menschen tierische Instinkte wecken ließen. Und das Ergebnis dieser Bemühungen sind Beechers Pillen, die Campbell aus dem Blut von Vampirfledermäusen herstellte – kein Wunder, dass Beecher plötzlich Blackouts hat und Sheriff Donnelly (Kenneth Tobey) Leichen mit Bissspuren am Hals findet ...
Dafür, dass The Vampire nur ein Fünziger-Jahre-B-Movie unter vielen ist, gehen die Meinungen über diesen Film erstaunlich weit auseinander. Fangoria erklärte ihn zu einem der besten Horrorfilme der fünfziger Jahre. Halliwell’s Film Guide sah dagegen einen »dummen Versuch« darin, den Vampirmythos mit den Mitteln der Science Fiction zu erklären.
Ich würde nun nicht behaupten, dass The Vampire ein guter Film ist. Dazu enthalten die Dialoge zu viel langwieriges pseudowissenschaftliches Gerede. Und die Maske, die John Beal in den Vampirszenen trägt, sieht eher wie eine Fango-Schlammpackung als wie ein Filmaccessoire aus. Man merkt dem Streifen einfach an, dass er innerhalb weniger Wochen entstanden ist.
Und doch ist The Vampire ein ungewöhnliches Werk. Bis dahin war der Vampirmythos in den USA vor allem mit den ikonischen Filmmonstern von Universal Pictures verbunden. Aber Universal selbst hatte seine Figuren für allerlei Blödeleien missbraucht und so dafür gesorgt, dass niemand sie mehr ernst nehmen konnte.
Das Team hinter Paul Landres fragte sich ganz einfach, wie ein zeitgemäßer Vampirfilm der fünfziger Jahre aussehen konnte, und kam auf die naheliegende Antwort: Die Menschen der Nachkriegszeit hatten allen Grund, gegenüber Laboratorien skeptisch zu sein, denn aus ihnen kamen Massenvernichtungswaffen und bewusstseinsverändernde Drogen. Es war die Zeit nicht nur der Atombombentests, sondern auch von CIA-Programmen wie MKUltra, bei dem einer großen Menge (oft unfreiwilliger) Proband:innen LSD verabreicht wurde, um zu erforschen, ob Gehirnwäsche möglich ist.
Folgerichtig war im Horrorkino der Fünfziger (neben der durch nukleare Strahlung mutierten Bestie) der mad scientist die Angstfigur par excellence. Und anders als der alte Victor Frankenstein wollen diese Wissenschaftler nicht Leben schaffen, sondern Leben vernichten. The Vampire spielt dieses Thema konsequent aus, indem sie den Vampir als unwissendes Opfer eines skrupellosen Experiments darstellt. Passend dazu verzichtet der Film nahezu komplett auf gothische Elemente.
Das Pech dieses Films war, dass zur gleichen Zeit Terence Fisher und Hammer Film Productions mit einer ganz anderen Idee aufwarteten: klassische Horrorstoffe in leuchtenden Farben zu fotografieren. In Fishers Filmen wie The Curse of Frankenstein (1957) und Dracula (1958) kehrte der Gothic Horror mit Macht zurück. Landres’ immerhin beachtlicher Versuch, dem Vampirmythos eine neue Richtung zu geben, geriet dagegen in Vergessenheit.
Der VAMPYR: Dr. Paul Beecher.
Dienstag, 4. August 2020
7 Assassins (2013)
Kurz vor der Revolution von 1911: Tie Yun (Felix Wong) transportiert mit einigen Genossen eine Ladung Gold durch die Wüste. Damit sollen die Aktivitäten der revolutionär-republikanischen Bewegung finanziert werden. Ein militaristischer Qing-Prinz (Ray Lui) beauftragt die Banditin Man Tianhong (Ni Hongjie) und ihre Räuber, das Gold zu stehlen. Der Überfall gelingt, und Tie Yun entkommt nur knapp mit Hilfe des Gouverneurs Zhuo (Ti Lung), der mit den Revolutionär:innen sympathisiert.
Zhuo schickt Tie Yun ins Goldene Tal. Dort liegt ein Dorf, in dem zahlreiche Überlebende früherer Aufstände Zuflucht gefunden haben. Der Dorfvorsteher Meister Miao (Eric Tsang), selbst ein Veteran der Boxer-Rebellion, stellt Neuankömmlingen nur eine Bedingung: dass sie ihre revolutionäre Vergangenheit hinter sich lassen.
Durch Tie Yuns Ankunft wird die Brüchigkeit dieses Arrangements deutlich. Der Prinz will das Gold nämlich unterschlagen, um damit moderne Waffen und Uniformen für seine Soldaten zu bezahlen. Damit ihm niemand auf die Schliche kommt, sollen weder Tie Yun noch die anderen Bewohner:innen des Goldenen Tals mit dem Leben davonkommen.
7 Assassins ist als Ensemble-Film angelegt. So treten neben Ti Lung eine ganze Reihe weitere Legenden des Hongkong-Kinos als Charakterdarsteller:innen auf, u.a. Kara Hui, Chen Kuan-tai, Dick Wei und Bryan Leung. So etwas funktioniert natürlich nur, wenn man dem Cast entsprechend Raum zur Entfaltung lässt. Das geschieht hier leider nicht, da Eric Tsang sich auf geradezu penetrante Weise immer wieder in den Vordergrund drängt und den ganzen Ansatz des Films konterkariert.
Dienstag, 30. Juni 2020
One-Armed Against Nine Killers (1976)
Alternativtitel: One-Armed Swordsman vs. Nine Killers · (Rassistischer) deutscher Titel: Der Foltergarten der gelben Schlange · Regie: Hsu Tseng-hung · Drehbuch: Yao Ching-kang · Musik: Huang Mao-shan · Kamera: Chiang Hong-hin, Li Shih-chieh · Schnitt: Kwok Ting-hung.
Wenn das Einarmigen-Subgenre des Wuxia-Films in Form von The One-Armed Swordsmen mit einem Knall zu Ende ging, dann spielt sich der gleiche Vorgang in One-Armed Against Nine Killers mit einem Wimmern ab. Beide Filme erschienen im gleichen Jahr, in beiden spielt (natürlich) Jimmy Wang Yu mit. Bei beiden Filmen war Wang nicht nur als Hauptdarsteller in den kreativen Prozess involviert.* Aber während Swordsmen spannend und verrückt ist, ist Nine Killers ein durchsichtiger Versuch, noch ein paar Peseten mehr aus dem Einarmigen-Motiv herauszuschinden.
Der Film trägt seine gesamte Handlung im Titel: Der einarmige Liu (Jimmy Wang Yu) latscht durch die Gegend und eliminiert der Reihe nach die neun Mörder, die seine Familie umgebracht haben.
Sehr unangenehm ist, dass die meisten Kontrahent:innen Lius als in irgendeiner Weise effeminiert oder abjekt dargestellt werden, was der Film mit der robusten Männlichkeit seines Protagonisten kontrastiert. Eine unfreiwillig komische Ausnahme bildet der Typ, der mit einem zwei Meter langen Riesenschwert auf Liu losgeht. Dazu fällt mir allerdings auch nur ein: Manchmal ist ein Phallussymbol eben nur ein Phallussymbol.
Wang agiert den ganzen Film hindurch bemerkenswert lustlos. Lediglich in der klimaktischen Kampfszene kommt er etwas in Fahrt. Das wiederum bringt nicht viel, denn die Kampfszenen des Films sind (in der englisch synchronisierten Fassung jedenfalls) zu großen Teilen der Zensur zum Opfer gefallen. Gekürzt wurden sie auf eine so dilettantische Weise, wie ich es selten gesehen habe.
Was soll ich sagen? Es ist schade um das Zelluloid, das für diesen Film verschwendet wurde.
* Bei One-Armed Swordsmen führte er gemeinsam mit Co-Hauptdarsteller David Chiang Regie; bei Nine Killers war er Produzent.
Dienstag, 19. Mai 2020
Heroes Among Heroes (1993)
Wong Feihung (1847–1925) war ein legendärer kantonesischer Kampfkünstler. In den Geschichten, die über ihn erzählt werden, sind Sage und Historie untrennbar vermischt. Belegt ist aber dies: Schon sein Vater, Wong Keiying, war ein berühmter Kämpfer, der zu den Zehn Tigern von Kanton gehörte. Wong junior begleitete schon im Kindesalter seinen Vater, wenn dieser auf den Straßen und Plätzen seine Kampfkunst zur Schau stellte.
Als Erwachsener eröffnete Wong eine Klinik für traditionelle chinesische Medizin in einem Örtchen, das heute zur Stadt Guangzhou gehört. Zugleich unterrichtete er seine Kampfkunst. 1924 brannte Wongs Klinik nieder, als es zu Kämpfen zwischen der Händlervereinigung von Guangzhou und Guomindang-Truppen kam. Wong erholte sich nicht von diesem Schlag und starb im Jahr darauf.
Umfangreicher als diese dürren Fakten sind die zahlreichen Sagen, die sich um Wongs Person ranken. So soll er der Guerilla der Schwarzen Flaggen angehört haben, die in Vietnam gegen den französischen Kolonialismus kämpfte. Eine der beliebtesten Geschichten über Wong erzählt, dass er von Bettler So, einem Freund seines Vaters, einen legendären Kampfstil gelernt haben soll.
So Chan, genannt Bettler So, war wie Wong senior einer der Zehn Tiger von Kanton.* Er war ein Meister des trunkenen Faustkampfs (in Kung-Fu-Filmen meist Drunken Style genannt). In diesem Stil werden die Bewegungen Betrunkener imitiert und für den Kampf genutzt. Die Sage machte daraus, dass die Praktizierenden des trunkenen Faustkampfs unablässig Wein trinken müssen, da sie im nüchternen Zustand kampfunfähig seien. Es heißt, Bettler So habe Wong Feihung im trunkenen Faustkampf unterrichtet.
Yuen Woo-pings Filmographie ist eine Art Kompendium der Sagen und Legenden, die sich um die chinesischen Kampfkünste angesammelt haben. Die Figur des Bettler So fasziniert Yuen ganz besonders. Schon sein zweiter Film Sie nannten ihn Knochenbrecher (1978) widmete sich der Begegnung zwischen So und Wong.
Ganz wie Yuens weitere Frühwerke war Sie nannten ihn Knochenbrecher eine vom klassischen Slapstick-Humor beeinflusste Kung-Fu-Komödie. Darin ist Wong (Jackie Chan) ein jugendlicher Draufgänger, der von So (Simon Yuen, der Vater des Regisseurs) auf reichlich brutale Art diszipliniert wird.**
Fünfzehn Jahre später widmete sich Yuen in Heroes Among Heroes noch einmal dem gleichen Stoff, aber auf ganz andere Weise. Hier ist Meister Wong (Wang Jue) ein erwachsener Mann und So (Donnie Yen) ein Jugendlicher. Außerdem flicht Yuen die Handlung in einen historischen Hintergrund ein, nämlich die Ereignisse, die zum Ersten Opiumkrieg (1839–42) führten. Dabei schert Yuen sich nicht groß um die Chronologie, denn zu dieser Zeit war der historische Wong ja noch gar nicht geboren.
Die Handlung von Heroes Among Heroes setzt mit einer weiteren historischen Person ein: dem Beamten Lin Zexu (Pau Fong), der vom Daoguang-Kaiser beauftragt wird, gegen den illegalen Opiumhandel vorzugehen. Im 19. Jahrhundert verkaufte die British East India Company massenhaft Opium nach China. Dadurch flossen beträchtliche Mengen chinesisches Kapital in die Taschen der Company.
Im Film begibt sich Lin nach Guangzhou. Er bittet seinen Freund Wong, ihm im Kampf gegen das Opium beizustehen. Fortan unternehmen Wongs Schüler an der Seite von Lins Soldaten Razzien in Opiumhöhlen und durchsuchen westliche Handelsschiffe.
Es gibt aber einen, der mit ganz anderen Plänen in der Stadt eintrifft: Prinz Barac (Hung Yan-yan), der Bruder des Kaisers, will den Opiumhandel legalisieren und staatlich monopolisieren. Er verbündet sich ebenfalls mit einem Kampfkunst-Klan, dem Feuerlotus,*** um Lins Politik zu durchkreuzen.
So Chan als Protagonist ist ein junger Mann aus vermögender Familie. Er wächst bei seinem Vater (Ng Man-tat) und seiner Tante (Sheila Chan) auf. Heimlich gehört So der Bettlersekte an, deren Meister (Kwan Hoi-san) ein Ersatzvater für ihn ist.
Die Bettlersekte hält sich aus den Auseinandersetzungen ums Opium heraus, ist aber mit dem Feuerlotus verfeindet. Als So eine Schlägerei mit dem Feuerlotus provoziert, kommt es versehentlich zu einer Explosion. Zahlreiche Unbeteiligte werden verletzt, die Meister Wong in seiner Klinik behandeln lässt. Zornig fordert Wong von So, er möge die Verletzten um Entschuldigung bitten. So, der Inbegriff des hochmütigen jungen Kämpfers, verweigert das.
Mehr Erfolg bei So hat Prinzessin Yiteh (Fennie Yuen), einer Nichte Prinz Baracs. Die Prinzessin wuchs in Großbritannien auf. Sie trägt westliche Männerkleidung, gibt eine Zeitung heraus, engagiert sich gegen den Opiumhandel und für Frauenbildung.
Prinz Barac will verhindern, dass So sich dem Anti-Opium-Lager anschließt. Er wanzt sich an den Jungen heran und packt ihn bei seiner Eitelkeit: Nur Schwächlinge seien gegen Opium. Charakterstarke Menschen könnten dagegen so viel rauchen, wie sie wollen, ohne süchtig zu werden. Und So lässt sich verlocken und verfällt dem Opium ...
Yuen stellt So Chan in diesem Film als übermäßig selbstsicheren »jungen Meister« dar, der sich erst einmal seiner Grenzen bewusst werden muss, bevor er zum wahrhaft rechtschaffenen Helden wird. Meister Wong und der Meister der Bettlersekte treten dabei als seine Mentoren auf.
Ich mag Yuen Woo-pings Filme aus der ersten Hälfte der neunziger Jahre (wie Tai Chi Master ‒ samt der losen Fortsetzung Tai Chi Boxer ‒ und Iron Monkey) sehr. Das trifft grundsätzlich auch auf Heroes Among Heroes zu. Allerdings hat dieser Film ein ziemliches Problem: Auch nachdem er sich Mitte der achtziger Jahre vom Genre der Kung-Fu-Komödie verabschiedete, baute Yuen gern komödiantische Elemente in seine Filme ein. Das ist mal mehr, mal weniger gelungen, in diesem Fall allerdings völlig misslungen.
Es sind Sos Vater und Tante, die als comic relief dienen sollen, aber mit jedem einzelnen Auftritt einfach nur an den Nerven kratzen. Leider sind sie auch kein bisschen in die restliche Handlung integriert, was die Irritation noch erhöht. Angesichts eines sonst sehenswerten Films ist das sehr schade.
Auf ganz andere Weise für Irritation mag ein Wendepunkt im Plot sorgen, den zu verraten sicherlich kein arger Spoiler ist: Natürlich schafft So es im Laufe des Films, seine Opiumsucht wieder los zu werden. Dies geschieht mit Hilfe des Meisters der Bettlersekte. Die eine oder der andere wird es reichlich problematisch finden, auf welche Weise der Meister seinen Zögling kuriert ‒ nämlich indem er ihm das Saufen beibringt.
Das wirkt auf den ersten Blick so, als würde eine Sucht durch die andere ersetzt. Im realen Leben wäre es natürlich auch so. Der Film übernimmt aber einfach nur die typische Darstellung von Alkoholkonsum, wie es im Genre üblich ist. Die sieht kurz gesagt so aus, dass es als heroisch gilt, möglichst große Mengen alkoholischer Getränke in sich hineinschütten zu können, ohne dadurch allzu betrunken zu werden. Wer viel verträgt, ist auch ein guter Kämpfer oder eine gute Kämpferin. Konsequenterweise kommen in Wuxia-Romanen und -Filmen (wie auch in Kung-Fu-Filmen) regelmäßig Figuren vor, die erst im Suff zur Höchstform auflaufen.
Anders als im Film ging es im tatsächlichen Verlauf der Geschichte für den Anti-Opium-Beauftragten Lin Zexu übrigens nicht gut aus. Großbritannien entfesselte den Ersten Opiumkrieg, der mit einer bitteren Niederlage für China endete. Das Reich der Mitte wurde gezwungen, fünf Häfen für den Opiumhandel zu öffnen und Hongkong an das Empire abzutreten. Das Geschäft mit dem Opium ging also unvermindert weiter. Der Daoguang-Kaiser machte Lin zum Sündenbock und gab ihm die Schuld an dem Fiasko: Sein harter Kurs gegen den Opiumhandel, den der Kaiser zuvor selbst gebilligt hatte, habe den Krieg erst provoziert.
* Er ist das historische Vorbild aller Wuxia-Helden, die im Bettlergewand durch die Lande streifen.
** Die schiere Anzahl der gewalttätigen und autoritären Vaterfiguren in Yuens Filmen, dazu noch manchmal von Yuens Vater selbst gespielt, ist besorgniserregend.
*** Der Feuerlotus-Klan steht hier für die historische Bewegung des Weißen Lotus.
Dienstag, 5. Mai 2020
Iceman (2014)
Iceman wurde im Westen als Captain-America-Rip-off wahrgenommen: Der Protagonist überlebt Jahrhunderte eingefroren im Eis, und als er aufwacht, hat er »Superkräfte«. Aber die Ähnlichkeit täuscht. Die vermeintlichen Superkräfte entpuppen sich als Schwertkampf-, Akupressur- und Qinggong-Fähigkeiten, wie sie für Wuxia-Held:innen ganz normal sind. Der genrehistorische Hintergrund ist auch ein ganz anderer: 1989 kam es in Hongkong zu einem schnelllebigen Trend von Filmen, in denen Krieger aus der Vergangenheit ins gegenwärtige China zeitreisen. Einer davon war Der Krieger des Kaisers. Ein anderer war The Iceman Cometh von Clarence Fok. Iceman ist ein Remake dieses letzeren Films.
Eine zu nahe Anlehnung an das Marvel Cinematic Universe ist (anders als bei League of Gods) nicht das Problem dieses Films. Das Problem ist, dass Iceman ein einziges Schlamassel darstellt.
Der Ming-Offizier He Ying (Donnie Yen) hat den Auftrag, eine Zeitmaschine von Indien nach China zu bringen. Sie ist ein Geschenk indischer Mönche an den Kaiser. An einem Gebirgspass stellen sich ihm Soldaten in den Weg, darunter He Yings Schwurbrüder Sao (Wang Baoqiang) und Niehu (Yu Kang). He Ying erfährt, dass er als Verräter verhaftet werden soll. Da er aber weiß, dass er verleumdet wurde, nimmt er den Kampf mit seinen Schwurbrüdern auf. Der Gefechtslärm löst eine Schneelawine aus und begräbt die drei Krieger unter sich.
Schnitt ins heutige Hongkong. Die drei Krieger haben tiefgefroren die Jahrhunderte überlebt. Ein Lastwagen, der sie heimlich außer Landes bringen soll, hat einen Unfall, und He Ying, Sao und Niehu erwachen aus ihrem eisigen Schlaf. He Ying verschlägt es zu der Sexarbeiterin Mei (Eva Huang) und ihrem gay best friend Slender (Mark Wu). May muss für die Kosten des Altersheims aufkommen, in dem ihre Mutter untergebracht ist. Da hilft es, dass He Ying die Taschen voller Gold hat.
Sao und Niehu schließen sich einer Straßengang an. Sie suchen fieberhaft nach He Ying, den sie immer noch für einen Verräter halten. Und dann ist da noch Cheung (Simon Yam), der stellvertretende Commissioner der Hongkonger Polizei, der aus ganz eigenen Motiven hinter den drei Eismännern her ist. Und wo ist eigentlich die Zeitmaschine geblieben?
Die Arbeit an Iceman litt an einem explodierenden Budget. Vorgesehen waren Produktionskosten in Höhe von 100 Millionen Hongkong-Dollar. Am Ende verschlang der Film die doppelte Summe. Die klimaktische Actionszene von Iceman spielt auf der Tsing-Ma-Brücke in Hongkong. Das Filmteam erhielt dort allerdings keine Dreherlaubnis. Statt auf einen anderen Drehort auszuweichen, entschloss man sich für einen gigantischen Studio-Nachbau der Brücke, der allein 50 Millionen Hongkong-Dollar verschlang.
Der Plot steckt so voller Löcher, dass man sich denken kann: Das Drehbuch wurde zig Mal umgeschrieben, um den stetig steigenden Kosten entgegen zu kommen. Auch die Kampfszenen, obwohl von Donnie Yen selber choreographiert, machen wenig Spaß. Sie leiden daran, dass 3D-Technik in denkbar einfallsloser Weise eingesetzt wird. Ich weiß halt auch nicht, wer permanent auf die Kamera zufliegende Gegenstände braucht.*
Schauspielerisch geben Donnie Yen und Eva Huang sich alle Mühe, den Film zu retten. Was soll ich sagen? Es ist vergebens.
Iceman und sein Sequel Iceman: The Time Traveler (lief 2018 an) wurden Rücken an Rücken gedreht. So kommt es, dass der erste Film zu allem Überdruss am Ende auch noch wie eine überlange Einleitung zur Handlung des zweiten Films wirkt.
* Wobei ich generell der Ansicht bin, dass 3D in Wuxia-Filmen nichts zu suchen hat.
Mittwoch, 15. April 2020
Exorcist Master (1992)
Irgendwo im republikanischen China: Im Turm einer katholischen Kirche schlägt der Blitz ein. Das Kreuz fällt vom Dachknauf und durchbohrt den Priester. Der, ein englischer Missionar, verwandelt sich darauf in einen (westlichen) Vampir.
Dem ortsansässigen Daoisten (Lam Ching-ying) ist es ganz recht, dass die Kirche zur Ruine zerfällt. Nicht nur argwöhnt er, dass es darin spukt. Er steht auch generell jeder Tendenz zur Verwestlichung mit unerbittlichem Groll gegenüber. Aber nach 20 Jahren will der Franziskanerpater Wu (Wu Ma) die Kirche wieder eröffnen.
Der Bürgermeister (Teddy Yip) redet den Anwohner:innen ein, mit dem Christentum werde der Fortschritt im Ort einziehen. Dabei haben er und sein aalglatter Sohnemann David (Yang Tzu-yu) etwas ganz anderes im Sinn: Sie wollen im großen Stil Opium schmuggeln und die Kirche heimlich als Depot benutzen.
Aber weder der naive Pater Wu noch das gerissene Vater-und-Sohn-Syndikat haben mit dem blutsaugenden Bewohner des alten Gemäuers gerechnet. Da muss der Daoist her, der allerdings in ziemliche Bedrängnis gerät. Keins der traditionellen Mittel gegen chinesische Vampire (Hundeblut, Amulette, Pfirsichholzschwert) hilft gegen den katholischen Untoten ...
Exorcist Master erschien zu einer Zeit, als die von Mr. Vampire (1985) etablierte Formel »Daoist schlägt sich mit Vampiren herum« längst abgenutzt war. Lam Ching-ying in seiner bekannten Rolle als Daoist mit zusammengewachsenen Augenbrauen muss für allerhand schlappe Witze herhalten. Nicht mal eindrucksvolle Kampfszenen gönnt man ihm. Die werden weitgehend Collin Chou überlassen, der den Schüler des Daoisten gibt.
Auch Wu Ma, hier als Regisseur wie als Darsteller vertreten, spielt den Franziskanerpater nicht gerade überzeugend. Allerdings, das muss bemerkt werden, steht er im Mittelpunkt der einzigen wirklich witzigen Szene des Films: Der würdige Pater wird vom Bürgermeister zu einem Abendessen mit den örtlichen Notabeln eingeladen und merkt partout nicht, dass es sich um die Bordellchefin, den Casinobesitzer und den Wirt der Opiumhöhle handelt.
Seinem Namen erweist der Film übrigens Ehre, indem er den Vampir einen Franziskanerbruder mit grüner Erbsensuppe vollkotzen lässt. Das war es dann aber auch schon wieder, was sehenswerte Momente betrifft.
Sonntag, 29. März 2020
The Eight Dragon Swords (1972)
»Doktor« Hua Lichun (Chiang Pin) ist ein Arzt ganz eigener Art. Der wandernde Kämpfer besiegt Schurken, wo er sie findet. Dann zwingt er sie, ihn so lange zu begleiten, bis er sie von ihrer Neigung zum Bösen »geheilt« hat.
Der Film beginnt damit, dass Lichun erst einen Vergewaltiger, dann einen notorischen Falschspieler bezwingt. Beide müssen sich ihm wohl oder übel anschließen. Und Lichun haut ihnen ordentlich auf die Finger, sobald sie versuchen, ihrem Hang zur sexuellen Gewalt bzw. zum Spielbetrug nachzugehen.
Lichun ahnt jedoch nicht, dass die beiden Schurken dem gleichen Kampfkunst-Klan angehören. Sie schaffen es, dem Meister ihres Klans heimlich ein Signal zu senden. Prompt taucht der schwarz maskierte Meister auf und fordert Lichun zum Duell. Der Verlierer muss dem Sieger einen Wunsch erfüllen, oder er ist des Todes.
Lichun verliert den Zweikampf. Der Meister fordert von ihm, die Magische Feuerdrachenperle zu stehlen. Dieses Kleinod ist ein Familienerbstück des alten Meisters Hua Shiyin (Yen Chung), das noch aus der Han-Dynastie stammt. Es vermag, die Wirkung von Gift zu neutralisieren.
Von diesem Moment an ändert sich die Erzählweise des Films auf drastische Weise. Von der geradlinigen Abenteuergeschichte verwandelt er sich in eine Art Krimi mit Anleihen beim Whodunit und bei Poes berühmten »Purloined Letter«.
Lichun begibt sich zum Haus Meister Huas. Dort befinden sich außerdem Hua Yumei (Violet Pan), die Tochter des Meisters, und ihr Cousin Feng (Chen Hung-lieh). Der Cousin stellt Yumei nach. Er hofft, sie heiraten zu können und zum Erben der Feuerdrachenperle zu werden. Darauf hat Yumei allerdings nicht die geringste Lust. Und der greise Meister Hua erklärt, es sei besser, die Perle verschwinde mit ihm im Grab, als dass sie einem Menschen von schlechtem Charakter in die Hände fiele.
Yumei traut auch Lichun nicht. Sie konfrontiert ihn immer wieder mit dem Verdacht, er wolle die Magische Feuerdrachenperle für sich selber haben. Und die Identität des mysteriösen Meisters mit der schwarzen Maske, der ebenfalls hinter der Perle her ist, ist noch immer ungeklärt. Am Ende sind alle Beteiligten im Haus der Huas versammelt ...
Eine Eigenheit von Eight Dragon Swords besteht darin, dass fast alle Figuren mit skurrilen Waffen kämpfen, die an Gadgets aus James-Bond-Filmen erinnern. Es treten auf, u.a.: Ein mit verborgenen Klingen ausgestatteter Regenschirm. Eine hölzerne Krücke, in der ein Stockdegen verborgen ist. Ein Speer, der zugleich ein Flammenwerfer ist. Lichun selbst ist mit Dolchen bewaffnet, deren Klingen (wie bei einem Springmesser) aus den drachenförmigen Griffen hervorschnellen.
Letztere Waffen sind natürlich die »Drachenschwerter« aus dem Titel des in Taiwan entstandenen Streifens. Darüber hinaus wartet der Film in den Kampfszenen mit phantasievollen Stunts auf.
Sehenswert, besonders die zweite Hälfte mit ihrem »Rätselhafte Verbrechen in der Villa«-Thema.