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Freitag, 21. Juli 2017

Phantastik vs. Fantasy: Erste Runde

Auf Twitter entspann sich ein Gespräch über Alessandra Reß’ amüsantes Glossar »Die Fee ist immer da: Genres der Phantastik«. Dabei stellte jemand die Frage, was denn eigentlich mit der old school supernatural fiction sei – also jenem Genre, das in der deutschsprachigen Literaturwissenschaft als Phantastik bezeichnet wird, und zwar meist in einem exklusiven Sinn.

Man weiß ja, was gemeint ist: Die Erzählungen von Le Fanu, Poe, Blackwood, Machen, Lovecraft und anderen, neben einigen Werken der französischen Literatur wie Gautiers »Clarimonde« und Maupassants »Horla«. Das Problem ist nur, dass diese Literatur unter einem halben Dutzend verschiedener Bezeichnungen kursiert: In Frankreich nennt man sie conte fantastique (wovon sich das deutsche Wort Phantastik herleitet), auf Englisch waren mal Bezeichnungen wie weird story oder strange story gebräuchlich. Lovecraft schlug supernatural horror vor, verbreitet hat sich aber eher supernatural fiction (zumindest bei denen, die sich nicht für eine der anderen Bezeichnungen entschieden haben). Aber keiner dieser Begriffe ist wirklich in die deutsche Alltagssprache eingegangen.

Ist hierzulande außerhalb von literaturwissenschaftlichen Kreisen von Phantastik die Rede, dann wird dieses trügerische Wort meistens als eine Art Oberbegriff verwendet: Unter Phantastik fasst man verschiedene Genres wie Fantasy, Science Fiction und Horror zusammen. So wird es ja auch in Alessandra Reß’ Text gemacht. (In den USA ist es üblich, als Oberbegriff für Fantasy, SF und Horror von Speculative Fiction zu sprechen. Das ist aber höchst irreführend, denn ›spekulativ‹ ist eigentlich nur die SF.) Auch mit der Verwendung von Phantastik als zusammenfassende Bezeichnung für die Trias Fantasy, SF und Horror gibt es ein Problem: Während Fantasy und SF Genres sind, trifft das auf Horror nicht wirklich zu. Horror ist ein Begriff der Ästhetik, nicht der Poetik. Ästhetisch gesehen sind Terence Fishers Dracula, Roman Polanskis Rosemary’s Baby und William Friedkins The Exorcist Horror, genremäßig sind sie Fantasy. Ganz ähnlich ist Ridley Scotts Alien ästhetisch Horror und genremäßig SF, oder Jonathan Demmes Silence of the Lambs ästhetisch Horror, aber genremäßig ein Thriller. Fantasy, SF und Horror auf eine Ebene zu stellen, ist, als würde man Aprikosen, Erdbeeren und Obstkerne auf eine Ebene stellen.

Nun tritt die Literaturwissenschaft auf und verkündet, die Alltagssprache sei ohnehin verworren und untauglich, klare Definitionen zu treffen. Notwendig sei eine präzise Bestimmung der Phantastik in Abgrenzung zu anderen Genres. Ziemlich lange hat es in Frankreich nämlich niemand für nötig gehalten, eine wünschenswert präzise Definition von fantastique abzugeben. Den ersten wirklich folgenreichen Versuch dieser Art unternahm der Literaturwissenschaftler, Herausgeber und Übersetzer Roger Caillois 1966 in seinem Buch Images, Images. Darin findet sich ein Kapitel, das in der deutschen Übersetzung »Das Bild des Phantastischen« heißt.*

Caillois bestimmt kategorisch: »Es ist notwendig, die Eigenheiten des Phantastischen aus einer Konfrontation mit denen des Märchens zu bestimmen.« Er operiert also mit zwei Kategorien, dem Phantastischen und dem Märchen, die in Opposition zueinander stehen. Wie sieht diese Opposition aus?
Das Märchen ist ein Reich des Wunderbaren, das eine Zugabe zu unserer Alltagswelt ist, ohne sie zu berühren oder ihren Zusammenhang zu zerstören. Das Phantastische dagegen offenbart ein Ärgernis, einen Riß, einen befremdenden, fast unerträglichen Einbruch in die wirkliche Welt.
Wenn wir ein Märchen lesen, meint Caillois, dann wissen wir, dass wir uns in einer fiktiven Welt bewegen, in der alles wunderbar und mithin nichts real ist. In einem gewissem Sinn hat Caillois recht. Im Märchen kann alles passieren: Menschen verwandeln sich in Tiere und wieder zurück, ohne dass dies große Überraschungen auslöst. Aber zugleich irrt sich Caillois total. Im Märchen ist keineswegs alles wunderbar. Ich skizziere kurz eine typische Märchenhandlung: Ein Kind lebt in einer Holzfällerhütte und wird von seiner Stiefmutter misshandelt. Die Hütte liegt am Rand eines tiefen Waldes. Das Kind flieht in den Wald, wo es auf sprechende Tiere und Hexenhäuser trifft. Am Ende könnte das Kind feststellen, dass im Herz des Waldes die Elben leben und dass es ein lang vermisster Sprössling des Elblands ist. Nun lesen wir das Märchen in einem deutlichen Abstand zur Zeit seiner Entstehung. Wir sind an industrielle Holzverarbeitung gewöhnt und ein Vater, der bemerkt, dass sein Kind von der Stiefmutter misshandelt wird, würde sich im Normalfall schleunigst scheiden lassen. Deshalb kommen uns die Holzfällerhütte und die böse Stiefmütter fast ebenso wunderbar vor wie die Hexen und sprechenden Tiere. In der Zeit, in der das Märchen vermutlich entstanden ist, gehörten Holzfällerhütten und böse Stiefmütter jedoch zum Alltag, die Hexen und sprechenden Tiere dagegen nicht. C. S. Lewis hat das klar erkannt. Im Vorwort zu seinem Roman That Hideous Strength schreibt er:
Ich habe dieses Buch ein Märchen genannt, in der Hoffnung, daß der Verächter phantastischer Erzählungen [...] nicht zum Weiterlesen verführt werde, um hinterher zu klagen, wie sehr er enttäuscht sei. Wenn Sie mich fragen, warum ich – wenn ich über Magier, Teufel, pantomimische Tiere und planetarische Engel schreiben will – dennoch mit so faden Szenen und Personen beginne, dann antworte ich, daß ich damit nur der Form des herkömmlichen Märchens folge. Wir erkennen diese Form nicht immer, weil die Hütten, Schlösser, Holzhacker und Kleinkönige für uns ebenso fernliegend geworden sind wie die Hexen und Ungeheuer, zu denen das Märchen hinführt. Doch den Menschen, die sie ersannen und die sich zuerst daran erfreuten, erschienen diese Geschichten ganz und gar nicht fernliegend.
Caillois würde That Hideous Strength wohl dem Phantastischen zuordnen, aber Lewis (der Caillois wahrscheinlich nicht kannte) führt die strikte Unterscheidung von Phantastischem und Märchen auf listige Weise ad absurdum. Einen Unterschied zwischem dem, was Caillois das Phantastische nennt, und dem klassischen Märchen gibt es meines Erachtens durchaus. Nur ist es eben kein kategorischer Unterschied, sondern ein dem Einsatz verschiedener narrativer Techniken geschuldeter. Zur Illustration führe ich eine Geschichte von Joseph Sheridan Le Fanu an: »Das Kind, das mit den Feen ging«.**

Die Geschichte spielt in Le Fanus Gegenwart, im ländlichen Irland des 19. Jahrhunderts. Die Kinder der Witwe Ryan spielen auf der Landstraße. Abends kehren die Kinder zum Haus zurück, aber der kleine Billy fehlt. Die Witwe und ihre älteste Tochter Nell machen sich sofort auf die Suche, ohne Erfolg. Schließlich erhalten sie von den Kindern folgenden Bericht über das Geschehene: Über die Landstraße sei eine prächtige Kutsche gekommen, mit Dienern, die »scharfe Gesichtszüge, kleine, ruhelose, wild dreinblickende Augen« und »ein schlaues boshaftes Lächeln« haben. In der Kutsche sitzen zwei schöne, unheimliche Damen, die den kleinen Billy zu sich locken und mit ihm davonfahren. Für die Witwe Ryan ist der Fall auf schreckliche Weise klar: Billy ist von Feen entführt worden. In der Nähe der Landstraße befindet sich ein Hügel, der nach dem Glauben des Landvolks der Wohnsitz der Feen ist. Sie sieht ihren kleinen Sohn nie wieder.

Diese Geschichte entspricht Caillois’ Definition des Phantastischen: Ein Kind verschwindet spurlos, auf einer Landstraße taucht plötzlich ein Wagen auf, der von übernatürlichen Wesen gefahren wird. Das stellt zweifellos einen »befremdenden, fast unerträglichen Einbruch in die wirkliche Welt« dar. Und doch erzählt Le Fanus Geschichte letztlich nichts anderes als mein hypothetisches Märchen: Ein Kind verlässt sein Zuhause und geht zu den Feen oder Elben. Der Unterschied ist, wie erzählt wird. Im Märchen tritt das Kind schrittweise, mit fast unmerklichen Übergängen in eine andere Welt, das Land der Elben, ein. In Le Fanus Erzählung wird Billy dagegen völlig unversehen aus seinem Alltag gerissen und in eine andere Welt entführt. Die Geschichte wird nicht aus seiner Perspektive erzählt, seine Angehörigen wissen nicht, wie es ihm bei den Feen ergeht. Was im Märchen bezaubernd ist, wirkt bei Le Fanu erschreckend.

Der Eindruck des Risses (um Caillois’ Metapher aufzugreifen), des abrupten Einbruchs des Übernatürlichen entsteht dadurch, dass Le Fanu den Leser_innen vieles vorenthält. Wir bekommen den Feenhügel gar nicht zu sehen. Unser einziger Eindruck von den Feen ist die unheimliche Kutsche mit ihren schönen und schrecklichen Passagierinnen. Das Märchen könnte uns dagegen problemlos einen Einblick ins Land der Elben gewähren (wie etwa The Lord of the Rings einen Eindruck von Lothlórien gewährt). In Le Fanus Geschichte erscheint Billy den anderen Kindern hin und wieder auf geisterhafte Weise. Dabei lächelt er stets. Heißt das, dass es ihm im Feenhügel womöglich sehr gut geht? Wir wissen es nicht, denn zu viel Wissen würde den Eindruck des Abrupten, des Erschreckenden auflösen und ins Märchenhafte hinüberführen. Das Märchen hat keine Schwierigkeiten mit zu viel Wissen. Es lässt sich problemlos zum tausendseitigen Roman mit vielfältigen Beschreibungen des Wunderbaren erweitern. Damit wird es zur typischen High Fantasy. Die Erzählweise Le Fanus dagegen lässt sich kaum über Romanlänge aufrecht erhalten. Sie lebt zu sehr von der Knappheit, die den Eindruck des Mysteriösen erweckt. Nicht umsonst sind Le Fanu, Poe, Blackwood, Machen und Lovecraft, deren Namen ich oben exemplarisch genannt habe, allesamt Meister der kurzen bis mittellangen Erzählung.

Damit könnte man es gut sein lassen und erklären: Caillois hat sich geirrt. Phantastik und Märchen sind keine Oppositionen, sondern zwei Varianten ein und desselben Genres. Leider verlief die Rezeption Caillois’ eher so, dass seine Einsichten ignoriert und seine Irrtümer zugespitzt wurden. Das zeigt sich insbesondere an Tzvetan Todorovs Einführung in die fantastische Literatur (Todorovs Theorie habe ich hier ausführlicher dargestellt). Todorov hat gemerkt, dass zwischen dem, was Caillois als Phantastik bezeichnet, und dem Märchen keineswegs eine klare Opposition besteht. Er stellt deshalb eine andere Opposition auf: Auf der einen Seite steht das Unheimliche, auf der anderen das Wunderbare. Ein Beispiel: Unter einer Brücke wird eine verstümmelte Leiche gefunden. Das wäre unheimlich. Unter der Brücke lebt ein Troll. Das wäre wunderbar. Jetzt tun sich jede Menge Fragen auf: Gibt es den Troll wirklich, oder ist er nur ein Produkt des Aberglaubens? Hat der Troll einen ahnungslosen Passanten unter die Brücke geschleppt und zerrissen? Hat sich ein perfider, aber menschlicher Mörder die abergläubische Vorstellung vom Troll zunutze gemacht, um die Untat zu begehen? Wir wissen nicht, ob etwas Wunderbares (wie im Märchen: ein Troll frisst Menschen) oder etwas nur Unheimliches (ein gewöhnlicher Mord) passiert ist. Dieses Element der Unschlüssigkeit, des Schwankens zwischen zwei möglichen Erklärungen, ist Todorovs zentrales Konzept.

Todorov hätte an dieser Stelle erklären können, das Unheimliche, das Wunderbare und die Unschlüssigkeit (die sich aus dem Wechselspiel von unheimlichen und wunderbaren Erklärungen ergibt) seien allesamt notwendige Kategorien zum Verständnis des Phantastischen. Damit begnügt er sich aber nicht. Vielmehr erklärt Todorov, die Unschlüssigkeit sei das eigentliche Phantastische. Das ist eine verblüffende terminologische Verdoppelung. Wenn Todorov doch schon von Unschlüssigkeit spricht, warum ist es dann notwendig, diese Unschlüssigkeit auch noch als »das Phantastische« (schlechthin) zu bezeichnen? Zumal in der Alltagssprache in einem sehr viel weiteren Bedeutungsumfang von Phantastik gesprochen wird? Todorov meint daraufhin, das reine Phantastische sei eine seltene und flüchtige Form, die meisten Erzählungen, die landläufig phantastisch genannt werden, seien eigentlich Mischformen. Er muss das so sehen, weil er zuvor selbst den Bedeutungsumfang des Phantastischen aufs Äußerste eingeengt hat. Einen Grund für diese Einengung nennt er nirgendwo.

Tatsächlich gibt es nur sehr wenige Erzählungen, die die Unschlüssigkeit bis zum Ende aufrecht erhalten. Die meisten Geschichten lassen früher oder später erkennen, dass entweder ein gewöhnlicher oder ein übernatürlicher Mord stattgefunden hat. Zufälligerweise lässt sich Le Fanus Geschichte als Paradebeispiel für Unschlüssigkeit lesen: Es gibt nur den Bericht der Kinder darüber, was mit Billy geschehen ist. Diesen Bericht interpretiert die Mutter so, dass Billy von den Feen entführt worden sei. Dabei könnte die Mutter aber schlicht ein Opfer des ländlichen irischen Aberglaubens sein. Die Kutsche, die Billy mitgenommen hat, gehört vielleicht einer dekadenten adeligen Dame, die zu irgendwelchen unaussprechlichen Zwecken kleine Kinder verschleppt. Nach seinem Verschwinden erscheint Billy nur den anderen Kindern, niemals der Mutter. Dabei könnte es sich also um kindliche Tagträumerei handeln, angefeuert von den Erklärungen der Mutter über die Feen. Die Geschichte lässt das offen.

Es ist ja wirklich oft so, dass auf den ersten Seiten einer Geschichte solche Fragen eine wesentliche Rolle spielen: Was passiert jetzt? Wohin führt mich die Handlung? Gibt es das Monster wirklich? Aber aus Leser_innenperspektive gibt es nicht wirklich einen Grund dafür, sich bis zum Schluss den Kopf darüber zu zerbrechen, welchen Realitätsstatus gewisse Ereignisse der Handlung haben. Für die allermeisten Leser_innen dürfte die Faszination von Le Fanus Geschichte in den verführerischen, gewissenlosen Feen liegen, in ihren ruhelosen, wild dreinblickenden Augen – und nicht in herablassenden Erörterungen darüber, ob Billys Mutter vielleicht abergläubisch ist.

Wenn in der deutschen Literaturwissenschaft von Phantastik die Rede ist, ist in der Regel das Verständnis dieses Begriffs mal mehr, mal weniger stark von Todorovs Theorie geprägt. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass diese Theorie oft mehr Probleme aufwirft, als sie zu lösen vermag. Todorovs Einengung des Phantastikbegriffs hat nämlich nicht nur Konsequenzen für die formale, sondern auch für die literaturgeschichtliche Einordnung phantastischer Texte. Die Autor_innen, auf die Todorov sich bezieht, stammen zum größten Teil aus dem 19. Jahrhundert. Auch auf die Reihe von Autoren, die ich eingangs aufgeführt habe, trifft das zu (Lovecraft ist in vieler Hinsicht ein zu spät geborener Vertreter des 19. Jahrhunderts). Diese Konzentration auf eine bestimmte Epoche rührt daher, dass Todorovs Definition des Phantastischen auf die meisten Werke, die im 20. Jahrhundert als phantastisch bezeichnet wurden kaum oder gar nicht mehr anwendbar ist. Die angloamerikanische Fantasy etwa ist nach Todorovs Terminologie überhaupt keine Phantastik, sondern gehört zur Kategorie des Wunderbaren.

Häufig wird Todorovs System benutzt, um insgeheim Vorurteile zu pflegen. Dass angloamerikanische Fantasy der MacDonald-Morris-Tolkien-Tradition nach Todorov keine ›richtige‹ Phantastik ist (von Sword & Sorcery ganz zu schweigen), vermischt sich dann mit der verbreiteten Auffassung, Fäntäsie sei ja ohnehin trivial und keiner ernsthaften Betrachtung wert. Schon vor Caillois und Todorov schrieb Louis Vax in seinem Buch L’art et la littérature fantastiques (1960):***
[Es] stammt die phantastische Erzählung oft von einem großen Autor, der sich an ein verfeinertes Publikum richtet. [...] Ein kultiviertes Publikum, obwohl weniger leichtgläubig, weiß aus der reinen Phantastik einen ästhetischen Genuß zu ziehen.
Phantastik wird damit zur Hochliteratur geadelt. Ein einfaches Publikum, weil zu leichtgläubig, ist höchstens in der Lage, aus den unreinen, märchenhaften oder abenteuerlichen Formen des Wunderbaren Genuss zu ziehen. Walter Benjamin entkräftete solche hochmütige Urteile mit dem Hinweis, dass die Literaturwissenschaft noch gar nicht verstanden habe, welchen Nährwert die Romane und Geschichten haben, die vom sogenannten einfachen Volk »verschlungen« werden. (Glücklicherweise hat die Literaturwissenschaft heute durch marxistische Ansätze, Cultural Studies und Rezeptionsforschung einiges dazugelernt.)

Damit genug zu Todorov. Im Vergleich zu Caillois ist er natürlich der systematischere, akademischere Denker. Entsprechend stärker ist der Einfluss seiner Theorie auf die Literaturwisenschaft. Caillois war dagegen der mit den Geistesblitzen, den interessanten Fragen und den brillanten Formulierungen. Seine Metapher vom Riss, der durch die Wirklichkeit geht, ist unübertroffen. Mit dieser Formulierung hat Caillois die Richtung bestimmt, die die kontinentaleuropäische Phantastikdiskussion genommen hat. Sein direkter Einfluss ist weniger in der akademischen Wissenschaft als in der essayistischen Variante der Phantastikdiskussion, wie sie von Rein A. Zondergeld, Kalju Kirde, Martin Roda Becher und anderen geführt wurde. Allen Interessierten, die das (letztlich aporetische) Buch von Todorov nicht lesen mögen, empfehle ich doch die Lektüre von Caillois’ »Bild des Phantastischen«. Es lohnt sich.

Ich rekapituliere: Es gibt so etwas wie eine Poe-Machen-Lovecraft-Tradition (so nenne ich sie jetzt einfach mal verkürzt), die unter verschiedenen Bezeichnungen wie Weird Fiction, Supernatural Fiction etc. bekannt ist oder war. Ausgehend von Frankreich, hat sich im 20. Jahrhundert eine literaturtheoretische Diskussion entsponnen, die diese Tradition mit »dem Phantastischen« oder »der Phantastik« schlechthin gleichsetzt. Dieses Phantastische hat man in Abgrenzung zu anderen Formen, die als märchenhaft oder wunderbar bezeichnet wurden, zu bestimmen versucht. Ich hoffe aber in diesem Text dargelegt zu haben, dass zwischen dem Phantastischen und dem Märchenhaften/Wunderbaren weniger ein Gegensatz als vielmehr ein Verwandtschafts- oder Abhängigkeitsverhältnis herrscht. Dieses halte ich für so stark, dass man m.E. von zwei Subgenres sprechen kann, die gleichermaßen zu einem größeren Genre gehören.

Es gibt aber noch ein weiteres Problem. Zum einen steht immer noch die Frage im Raum, wie man das Kind (also die Poe-Machen-Lovecraft-Tradition) denn nun nennen soll. Zum anderen habe ich oben bereits eine weitere Tradition erwähnt, die ich (wiederum verkürzt) die MacDonald-Morris-Tolkien-Tradition genannt habe. Aus Sicht der Phantastikdiskussion wäre sie wohl mit dem Märchenhaften oder Wunderbaren gleichzusetzen. Das Vertrackte ist nun, dass diese zweite Tradition im angloamerikanischen Sprachraum als High Fantasy oder schlicht Fantasy bezeichnet wird. Es gibt also zwei einander sehr ähnliche Genre-Namen (so ähnlich, dass sie leicht zu verwechseln sind), die jeweils eine der beiden Traditionen bezeichnen – und damit implizit deren jeweiligen Vorrang behaupten.

Wie lässt sich damit umgehen? Kein gangbarer Weg ist es, einfach zu behaupten, das Phantastische und die Fantasy hätten nichts miteinander zu tun und seien durch ihre Gegenstandsbereiche klar voneinander geschieden. Dazu kommt es viel zu häufig vor, dass beide Theoriestränge sich auf den gleichen literarischen Text berufen. Zudem behaupten beide, das Phantastische bzw. die Fantasy hätten ihren Ursprung in der deutschen Romantik, insbesondere bei Ludwig Tieck und E. T. A. Hoffmann. Zeit also für einen weiteren Klärungsversuch.

* Roger Caillois, Das Bild des Phantastischen. Vom Märchen bis zur Science Fiction, in: Rein A. Zondergeld (Hg.), Phaïcon I. Almanach der phantastischen Literatur (Insel Taschenbuch 69), Frankfurt am Main 1974, 44–83.
** Die Erzählung liegt mir leider nur in deutscher Übersetzung vor. Den Originaltitel und -erscheinungsort kenne ich nicht.
*** Vax war in vieler Hinsicht ein Vorläufer Caillois’. Da seine Wirksamkeit aber viel eingeschränkter war, habe ich mich hier auf Caillois konzentriert.

Dienstag, 7. April 2015

Hugogate

Frisch zurück aus dem Urlaub, habe ich ganz schön viel zu klicken und zu scrollen, um mich auf bezüglich der neuesten Fandom-Kontroverse auf den neuesten Stand zu bringen. Was ist da nur wieder los? Ich versuche mal, es aufzudröseln.

Anlass ist der diesjährige Nominierungsprozess für den Hugo Award. Dieser jährlich verliehene Preis gilt allgemein als eine der drei bedeutendsten Genreauszeichnungen – die beiden anderen sind der Nebula Award und der World Fantasy Award. Benannt ist er nach Hugo Gernsback, dem Erfinder der Science Fiction, und verliehen wird er auf der World Science Fiction Convention (Worldcon). Da der Hugo häufig mit dem Nebula verwechselt wird, ist es wichtig, die Unterschiede zwischen beiden Preisen herauszustellen: Der Nebula wird von den Science Fiction and Fantasy Writers of America (SFWA) verliehen. Der Hugo wird (wie gesagt) auf der Worldcon verliehen und ist ein Publikumspreis. Auch die Verwechslung mit einer anderen Kontroverse, die sich um einen Genrepreis rankte, ist zu vermeiden: Der World Fantasy Award ist als Büste H.P. Lovecrafts gestaltet, der Hugo hat dagegen die Form einer Raumrakete.

Die Ermittlung der Preisträger_innen erfolgt durch ein kompliziertes Procedere, das ich recht ausführlich beschreibe, weil sonst nicht recht verständlich sein wird, was genau passiert ist: Der Hugo wird in einer ganzen Reihe von Kategorien vergeben. In jeder Kategorie gibt es fünf Nominierungen, aus denen die Preisträger_innen ausgewählt werden. Nominierungsvorschläge können alle zahlenden Worldcon-Mitglieder einreichen (die Mitgliedschaft kostet 40 US-Dollar). Die fünf meistnominierten Werke, Personen oder Publikationsorgane (das ist je nach Kategorie unterschiedlich) kommen auf die endgültige Liste. Die Mitglieder können dann ein Ranking der Nominierungen vornehmen, wobei die Stimmen der auf der Worldcon tatsächlich anwesenden Mitglieder doppelt zählen,* und die in jeder Kategorie Höchstgerankten bekommen den Preis. Get it?

Das klingt nicht weiter aufregend. Aber es gibt ja die Sad Puppies, die nun schon im dritten Jahr zuverlässig dafür sorgen, dass die Hugo-Vergabe zu einem Popcorn-trächtigen Ereignis wird, und damit der Grund für diesen Blogpost sind. Die Sad Puppies sind eine Gruppe von Autor_innen aus dem rechtskonservativen bis -radikalen Spektrum, die irgendein Problem mit dem Hugo haben. Was für ein Problem, ist nicht ganz klar. Mal verkünden die Puppies, dass der Hugo auschließlich von Klimawandel-Kommies und genderqueeren Emanzen mit ihrer politisch-korrekten message fiction gewonnen werde, sei ein Skandal, denn dadurch werde das Ansehen des gesamten Fandoms beschädigt. Dann wieder heißt es, die Worldcon mitsamt ihrer Preisverleihung sei eine unbedeutende, versnobte Veranstaltung, die lediglich einen kleinen Teil des Fandoms repräsentiere und jedem aufrechten SFF-Fan egal sein könne. Nun ja. Vom Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen abgesehen, erschließt sich einfach nicht, warum die Sad Puppies so ein Gewese um den Hugo machen, wenn sie ihn a) scheiße und b) unbedeutend finden. Wenn a) zutrifft, dann gewinnen die aus Sicht der Puppies falschen Leute den Preis. Aber wenn auch b) zutrifft, dann müsste es den Puppies im Grunde schnurz sein, dass der Hugo überhaupt an irgendwen verliehen wird. Entsprechend unklar sind ihre Ziele: Behaupten sie heute, dafür sorgen zu wollen, dass der Hugo endlich wieder den populären Geschmack repräsentiert (der nach Puppy-Überzeugung natürlich konservativ ist), erklären sie morgen, lediglich daran interessiert zu sein, das Wahlprocedere zu sabotieren, um der Worldcon und ihren Fans eins auszuwischen. Man merkt, es gibt gewisse Parallelen zwischen Puppies und Gamergatern. Letztere sind sich ja auch nicht ganz einig, ob sie lieber feministische Spielekritikerinnen trollen oder sich hehren Zielen (ethische Standards im Gaming-Journalismus!) verschreiben wollen.

Eines lässt sich meiner Auffassung nach aus all dem wirren Gerede herausfiltern: Die Puppies glauben, die Tendenz der Hugos sei zu ›literary‹ und nicht ›entertaining‹ genug. Sie geben sich populistisch und behaupten, die Mehrheit der SFF-Fans interessiere sich nicht für formale Experimente oder politische Subtexte in ihrem bevorzugten Lesestoff, sondern wolle actionkrachende Geschichten, in denen Helden mit dicken Laserwaffen die Erde vor schleimigen Aliens retten (dass auch solche Geschichten einen politischen Subtext haben, weisen die Puppies natürlich entrüstet von sich – ihnen gehe es einfach nur um gute, altmodische Unterhaltung). Der gegenwärtige Wortführer der Puppies ist Brad R. Torgersen, der sich »explosions! And kick-ass laser battles!« wünscht, in der gegenwärtigen SFF aber nichts als »tedious ›message‹ fiction, depressing talk-talk stories about amoral people with severe ennui« zu erblicken vermag. Die Lösung für dieses Problem liegt auf der Hand: Torgersen und die anderen Puppies müssten die Art von SFF schreiben, die sie selbst gern lesen würden, und vielleicht einen Puppy Award ausschreiben, der ausschließlich an explosions- und laserlastige Werke vergeben wird. Wenn die Puppies recht haben und ihr Geschmack wirklich mit dem der Fan-Mehrheit identisch ist, dann müsste der Puppy Award innerhalb kürzester Zeit hohes Ansehen genießen und der Hugo Award in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Allerdings gibt es einen Umstand, den die Puppies in ihrem Weltbild nicht unterbringen können: Der Hugo ist nun einmal definitiv ein Publikumspreis. Wer ihn erhält, wird nicht von linksliberalen Akademiker_innen in irgendeinem Hinterhimmer ausgeklüngelt. Es liegt in den Händen von Fans. Selbstverständlich repräsentiert Worldcon nicht das gesamte Fandom (da sind all die SFF-Leser_innen davor, die sich weder für diese noch eine andere Con interessieren), aber ein Blick auf die Liste der vergangenen Preisträger_innen in der Kategorie »Best Novel« zeigt, dass das Worldcon-Publikum keineswegs eine Vorliebe für Abgehobenes hegt. Die überwiegende Mehrheit der Preisträger_innen besteht aus Genre-Größen wie Asimov, Bester, Bradbury, Bujold, Clarke, Leiber, Herbert und Pohl. Es sind zwar auch einige Namen darunter, deren Werk man als experimentell oder ›literary‹ bezeichnen könnte, wie Philip K. Dick, Ursula K. Le Guin, China Miéville oder Michael Chabon, aber stärker noch finden sich konservative Lieblinge wie Robert A. Heinlein, Larry Niven, Vernor Vinge und Orson Scott Card vertreten. Deutlich gestiegen ist im Laufe der Zeit der Anteil an Fantasy. Unter den Preisträger_innen der letzten beiden Jahrzehnte sind Neil Gaiman, Joanne K. Rowling, Susanna Clarke und Jo Walton. Da es keine Vorgaben gibt, welche Werke für den Hugo nominiert werden, liegt es im Ermessen der Fans, ob sie nur SF gelten lassen wollen oder auch Fantasy für preiswürdig halten. Anscheinend ist seit der Jahrtausendwende zunehmend letzteres der Fall.** Alles in allem würde ich sagen: Wenn man eine größere Zahl von zufällig ausgewählten Genre-Fans in einen Raum setzte und sie fragte, welche die bedeutendsten SFF-Romane der letzten 60 Jahre seien, würde wahrscheinlich eine Liste dabei herauskommen, die sich in weiten Teilen mit der »Best Novel«-Kategorie des Hugo deckt. Die Behauptung, der Hugo sei abgehoben und repräsentiere nur eine elitäre Minderheit des Fangeschmacks, ist definitiv heiße Luft.

Vielleicht lohnt es sich, einen Blick auf die Autor_innen zu werfen, die hinter den Sad Puppies stecken. Es handelt sich neben Torgersen hauptsächlich um Larry Correia, John C. Wright, Vox Day, Michael Z. Williamson, Sarah Hoyt, L. Jagi Lamplighter und Tom Kratman – eine verdächtig Hugo-freie Zone.*** Die Sad Puppies mögen außerordentlich überzeugt sein, dass sie (und sie allein) den Geschmack des SFF-Publikums repräsentieren, aber die Worldcon-Mitglieder sehen das anscheinend nicht so. Ich halte das für nicht weiter verwunderlich: Die Puppies schreiben hauptsächlich in den Bereichen Space Opera, Military SF und waffen-/actionlastige Urban Fantasy. Das sind Subgenres, die auf jeden Fall ein Publikum haben, aber wenn es nicht gerade um Kinofilme geht, ist der gegenwärtige Schwerpunkt des Genres (bzw. der beiden Genres Fantasy und SF) doch deutlich anders gelagert. In der Tat ließe sich die Frage stellen, ob es angesichts der stark diversifizierten und im Fall der Fantasy immer mehr mit dem Mainstream verschwimmenden SFF-Produktion überhaupt noch angebracht ist, von dem einen Schwerpunkt des Genres zu sprechen.

Die Sad Puppies wiederum haben nicht den geringsten Zweifel, wo der Schwerpunkt des Genres liegen sollte, nämlich bei ihnen. Da sich dieser reichlich verstiegene Anspruch aber nicht mit der Realität des Publikumspreises Hugo deckt, nehmen sie zu einer Verschwörungstheorie Zuflucht: Puppies wie Torgersen, Wright und Correia sind zwar außerordentlich erfolgreiche und universell beliebte Autoren, aber liberale Weichlinge und verbitterte Feministinnen ziehen bei den Hugo-Wahlen im Hintergrund die Strippen und sorgen dafür, dass die Puppies bei der Preisverleihung leer ausgehen. Das ist eine weitaus zufriedenstellendere Erklärung als etwa die, dass Torgersens Vorstellung, einzig und allein »explosions! And kick-ass laser battles!« machten unterhaltsame Geschichten aus, doch ein klitzeklein wenig pubertär ist (und um so peinlicher, da sie nicht von einem Vierzehnjährigen kommt). Was machen nun traurige Hündchen, die durch die Machenschaften des snobistischen SFF-Establishments um die Früchte ihres Erfolgs gebracht werden? Sie organisieren eine Kampagne.

In den letzten drei Jahren haben die Puppies jeweils eine Empfehlungsliste aufgestellt und bei ihren Fans massiv dafür geworben, diese Liste en bloc zu nominieren. 2013 erregte das noch wenig Aufsehen. 2014 nahm dann Larry Correia, mit Abstand der kommerziell erfolgreichste Puppy-Autor, die Sache in die Hand und sorgte für reichlich Kontroverse, indem er empfahl, ein Opera Vita Aeterna (sic!) betiteltes Machwerk von Vox Day in der Kategorie »Best Novelette« zu nominieren. Diese auf Konfrontation setzende Strategie sorgte dafür, dass die Sad-Puppies-Kampagne von größeren Teilen des Fandoms wahrgenommen wurde. Zu irgendwelchen Hugo-Gewinnen der Puppies führte sie nicht, aber angeblich geht das Interesse von Correia, Torgersen & Co. ja allein dahin, die Hugos zu sabotieren, weshalb sie zwar ununterbrochen von den Hugos reden, aber stets beteuern, dass sie gar kein Interesse daran haben, tatsächlich einen Hugo zu gewinnen. Offen bleibt, wie die Erklärungen der Puppies lauten werden, sollten sie sich dann doch mal durchsetzen und einen Preis erhalten.

Das könnte dieses Jahr passieren, denn die penetrante Vorgehensweise der Puppies hat dazu geführt, dass die Liste der endgültigen Nominierungen, die vor ein paar Tagen bekannt gegeben wurde, mit Puppy-Empfehlungen geradezu überflutet ist. 60 von 85 Plätzen sind von den Puppies erobert worden, was zu teils absurden Ergebnissen führt: Drei der fünf Nominierungsplätze in der Kategorie »Best Novelette« sind mit Werken John C. Wrights besetzt. Anscheinend spielt bei den Puppies nicht nur die Liebe zu Explosionen und Laserwaffen eine Rolle, sondern auch ein gerüttelt Maß an Egozentrik. Natürlich bedeutet das noch nicht, dass die Puppies am Ende wirklich abräumen werden. Einzelne Werke können aus formalen Gründen ausgeschlossen werden (nominierbar sind nur englischsprachige Veröffentlichungen aus dem letzten Jahr), die Worldcon-Mitglieder können beim Ranking der Nominierungen in jeder Kategorie angeben, dass sie lieber keinen Award vergeben wollen – oder die Organisator_innen könnten entscheiden, dass dieses Jahr kein Preis verliehen wird. In meinen Augen wäre das sogar der allein würdige Weg, der jetzt zu gehen wäre.

Zur Genüge bewiesen, dass es ihnen nicht um literarische Qualität geht (nicht mal dann, wenn man Action als hauptsächlichen Qualitätsindikator ansieht), haben die Puppies letztes Jahr, als sie die Nominierung von Vox Day durchsetzten. Theo Beale alias Vox Day ist durch sein Blog Vox Popoli (sic!) und die Newssite WorldNetDaily.com eher als rechtsradikaler Provokateur denn als Autor bekannt. Da er aber nun einmal nominiert war, lasen viele Leute sein Opera Vita Aeterna und konnten sich selbst überzeugen, dass es mit Beales schriftstellerischem Talent nicht weiter her ist als mit seinen Lateinkenntnissen. Dennoch war den Puppies durch seine Person maximale Aufmerksamkeit garantiert. Beale gehörte einige Zeit zum Team von Black Gate, bis er dort einen Artikel veröffentlichte, in dem er behauptete, von einer feministischen Verschwörung (gar schröcklich!) in der SFWA, der Berufsorganisation der SFF-Autor_innen in den USA, Kenntnis erlangt zu haben. Die angekündigten Beweise für diese Kabale lieferte er nie, und seine Karriere bei Black Gate nahm ein abruptes Ende. Als nächstes machte er von sich reden, als er einen offiziellen Twitter-Account dazu missbrauchte, die schwarze Autorin N.K. Jemisin als »educated, but ignorant savage« zu bezeichnen. Nach einigem Hin und her beschloss SFWA Beales Rauswurf. Mittlerweile betreibt er einen Kleinverlag namens Castalia House, in dem neben seinen eigenen Werken auch solche von weiteren Puppy-Autoren wie Wright und Kratman erscheinen.

Auf der diesjährigen Empfehlungsliste der Puppies glänzt Vox Day durch Abwesenheit. Das scheint mir nur folgerichtig, denn nach der letztes Jahr generierten Aufmerksamkeit gibt es für die Puppies keine Notwendigkeit, erneut den Skandal zu suchen. Entsprechend hat Torgersen, der sich deutlich gemäßigter gibt, das Ruder von Correia übernommen. An der Sache ändert das nichts. Je nachdem, welcher der Absichtserklärungen der Puppies man Glauben schenkt, geht es ihnen darum, den Hugo zu sabotieren, was ein Schlag ins Gesicht für die Worldcon-Leute ist, deren Herzblut in diesem Preis steckt. Oder es geht ihnen darum, möglichst viele Preise einzusacken und damit andere Werke, die womöglich der Auszeichnung würdiger sind, von der Nominierungsliste zu verdrängen. Beale, der selbst nach Puppy-Standards kein sonderlich empfehlenswerter Autor sein dürfte, hat zur Entschädigung dieses Jahr gewissermaßen seine eigene Fraktion gründen dürfen. Die hat er Rabid Puppies getauft und unter ihrem Namen eine eigene Empfehlungsliste zusammengestellt, die größtenteils mit der Liste der Sad Puppies identisch ist – mit einer wenig überraschenden Ausnahme: Beale hat 67 Empfehlungen ausgesprochen. Etwa ein Fünftel davon ist in seinem eigenen Kleinverlag erschienen. In zwei Kategorien hat er der Einfachheit halber gleich sich selbst empfohlen.

Das vorläufige Ergebnis der Sad-Puppy-Kampagne ist, dass der diesjährige Hugo Award unheilbar kompromittiert ist. Jede Autorin, die nicht über die Kampagne auf die Nominierungsliste gelangt ist, müsste sich im Falle eines Sieges fragen, ob sie nur deshalb ausgezeichnet worden ist, weil die Worldcon-Mitglieder dem Puppy-Unsinn eine Absage erteilen wollen. Auf der anderen Seite haben sich einige Personen zu Wort gemeldet, die ohne ihr Wissen oder Einverständnis auf der Puppy-Empfehlungsliste gelandet sind, und wenig Lust verspüren, sich vor diesen Karren spannen zu lassen. Ich verweise auf Matthew David Surridge und Dave Creek. Andere Personen, die ohne ihr Einverständnis von den Puppies rekrutiert wurden, freuen sich über die Nominierung, haben aber durchaus gemischte Gefühle, wie etwa John O’Neill sie für Black Gate äußert. In meinen Augen hätte Black Gate einen Hugo verdient, aber ich finde O’Neills Position vorbildlich, wenn er schreibt:
I won’t be attending [Worldcon]. But if I were, I would vote “No Award” — including for Best Fanzine, the slot Black Gate is in. I would do the same regardless of who made this dubious “accomplishment.”
Wenn die Worldcon-Organisator_innen nicht beschließen, die Preisverleihung für dieses Jahr abzusagen, wird den Besucher_innen, die an der Integrität des Hugo interessiert sind, nichts anderes übrig bleiben, als O’Neills und Deirdre Saoirse Moens Vorschlag zu folgen und sämtliche durch die Sad Puppies erfolgten Nominierungen mit Missachtung zu strafen – auch wenn dann kaum noch etwas übrig bleibt.

* An dieser Stelle bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich das Regularium richtig verstanden habe. Etwaige Fehler gehen auf meine Kappe. Anscheinend habe ich mich hier tatsächlich getäuscht.

** Bis Anfang der Achtziger wurde ebenfalls auf der Worldcon der auf Fantasy fokussierte Gandalf Award verliehen, der aber zunehmend im Schatten des World Fantasy Award stand.
*** Eine gewisse Rolle bei den Puppies spielen außerdem Toni Weisskopf, die Verlegerin von Baen Books, und das Blog Mad Genius Club. Auch die konservative Website Breitbart.com unterstützt die Kampagne.

Dienstag, 11. November 2014

Mobbing und Rezensionen

Triggerwarnung: Ableistische und sexistische Beschimpfungen in Links und Zitaten.

Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht durchs Fandom, dass Benjanun Sriduangkaew mit der berühmt-berüchtigten Bloggerin Requires Hate identisch ist. Sriduangkaew war zuvor eine Nachwuchs-Autorin mit steil ansteigender Beliebtheitskurve. Bevor sie als Requires Hate zu bloggen begann, hatte sie bereits eine lange Karriere als Foren-Trollin hinter sich. Unter dem Nickname Winterfox* zerstörte sie quasi im Alleingang mehrere Online-Communities. Ihr Requires-Hate-Rezensionsblog erfreute sich eine Zeit lang einiger Beliebtheit im Fandom, und zwar gerade weil sie dort in ihren Buchbesprechungen extrem scharfe Rhetorik mit Ad-hominem-Verbalangriffen auf diverse Autor_innen vermischte.

Die Identität der Trollin Winterfox und der Bloggerin Requires Hate war mehr oder weniger bekannt. Dass Sriduangkaew hinter den beiden Nicknames steckt, war dagegen für viele ein ziemlicher Schock. Ein noch größerer Schock ist, dass sie nicht nur öffentlich Verbalinjurien aussprach, sondern hinter den Kulissen systematisch Mobbing, Stalking und Rufschädigung betrieb. Betroffen waren vor allem jüngere Autor_innen, darunter überproportional viele Frauen und People of Colour. Sriduangkaew war bei diesen Aktivitäten nicht allein, sondern hatte Helfer_innen, unter denen an erster Stelle Alex Dally MacFarlane und Nick Mamatas zu nennen sind. Ich möchte zwei Erfahrungsberichte verlinken, die schildern, wie es Menschen mit Requires Hate und ihrem Umfeld erging, und in meinen Augen als beispielhaft gelten können: einmal Athena Andreadis und einmal, ganz anders, Kameron Hurley.

Nun hat sich Laura J. Mixon die Mühe gemacht, eine umfassende Zusammenstellung von Sriduangkaews Mobbing-Aktiväten zu erarbeiten, mit zahlreichen Beleglinks und Statistiken und der Möglichkeit zu kommentieren. Ihr erklärtes Ziel ist dabei, einen sicheren Raum für Sriduangkaews Opfer zur Verfügung zu stellen. Auf der einen Seite finde ich, dass das die genau richtige Vorgehensweise ist. An erster Stelle steht jetzt, dem Mobbing und Stalking einen Riegel vorzuschieben und denjenigen zuzuhören, die vorher vielleicht nicht zu sprechen gewagt haben. Auf der anderen Seite ist es so, dass ich keinerlei Triumphgefühle verspüre und mich eher frage: Was wird jetzt passieren? Welchen Weg wird das Fandom nehmen?

Schon jetzt zeichnen sich zwei Tendenzen ab: Es gibt diejenigen, deren Augenmerk darauf liegt, wie solche abscheulichen Vorfälle in Zukunft verhindert werden können. Sie scheinen glücklicherweise die Mehrheit zu sein. Es gibt aber auch diejenigen, die sich jetzt einfach nur bestätigt sehen. Für einige im Forum of Ice and Fire steht fest: Sriduangkaew ist eine »unausstehliche Fotze«, und »Leute wie sie gehören entweder ins Gefängnis oder in die Psychiatrie«. Es gilt aufzupassen, dass solchen Bestrafungswünschen und Pathologisierungen nicht noch mehr Raum gegeben wird. Kari Sperring, die vielleicht am stärksten unter Requires Hate gelitten hat (und immer noch leidet: »What is left behind [...] is the voice in my head that tells me over and over to be silent, not to speak up, to double-guess my words and my work.«), sagt dazu in einem Kommentar zu Mixons Bericht:
I hate that this debate — not here on this post, but elsewhere on the web — is tending towards the language of war, with ‘sides’ and attacks and divisions and crashing-and-burning. I hate that I still see many men — who still have more of the power in this genre — sitting on fences tutting and whistling and uttering reproofs to those who speak from whatever position. I do not feel safe. I know I’m not alone in this here. I know there are people whose views on this are completely different to mine who are scared and distressed and feeling rejected. Those who have been injured — and I include B[enjanun] and her circle in this as well as all those named in Laura’s report and all the others who are coming forward, here and elsewehere — are being asked to account for themselves by people for whom this is a spectacle, or who are in a position to continue unaffected.
Ich möchte nicht Teil eines solchen Spektakels sein. Ich möchte nicht, dass eine wichtige und schmerzhafte Auseinandersetzung mit Mobbing sich in ein solches Spektakel verwandelt. Es erinnert mich an die Affäre John Asht. Asht ist ein rechtsextremer Autor, der 2012 ganz unverhohlene Drohungen gegen ihm unliebsame Rezensent_innen ausstieß. Trotzdem glaubten damals viele, in Asht einen harmlosen Irren sehen zu können, über den man sich lustig machen könne – nicht, um sein Verhalten und seine Weltanschauung berechtigtem Spott auszusetzen, sondern einfach wegen des Unterhaltungswerts. Auch damals wurde pathologisiert. Einem Überzeugungstäter wurde geistige Unzurechenbarkeit unterstellt, um eine wichtige Auseinandersetzung in ein reines Spektakel zu verwandeln.** Heute wird allerorten darüber diskutiert, ob Sriduangkaew eine Psychopathin oder eher eine Soziopathin ist, als ob es dabei etwas zu gewinnen gäbe.

Laura J. Mixon hat mit ihrem Bericht eine unersetzliche Ressource geschaffen. Und doch hat sie in meinen Augen durch die Kriterien, die sie selbst zur Analyse des von Requires Hate angerichteten Schadens aufgestellt hat, dazu beigetragen, dass der Fokus nicht allein auf dem Kernproblem des Mobbings/Stalkings liegt. Am Ende ihres Berichts steht eine Liste von Autor_innen und Fans, die von Sriduangkaew angegriffen wurden. In diese Liste aufgenommen hat sie Fälle, auf die einer von drei Punkten zutrifft:
Attacks include primarily:
  • Cyber-stalking (following the target around to different social media or blogs and deriding, insulting, or threatening them).
  • Implicit or explicit death, rape, and/or maiming threats in email, on Twitter, on Facebook, LiveJournal, or other sites.
  • Multiple, vituperative reviews of their books or stories (one review didn’t count).
Ich finde es ausgesprochen problematisch, gehässige Reviews (und seien sie noch so vituperative oder vitriolic) mit Cyberstalking, Todes- und Vergewaltigungsdrohungen gleichzusetzen. Nun hat Sriduangkaew in zahlreichen Rezensionen Drohungen ausgestoßen, die von vielen (auch von mir) für reine Performance gehalten wurden. Dass sie Leute stalkte und mobbte, beweist, dass es nicht so war, und es gibt keinen Grund, ihre Reviews für sakrosankt zu erklären. Trotzdem frage ich mich: Warum führt Mixon die Reviews als eigenen Punkt auf, wenn doch Reviews mit Drohungen darin bereits vom zweiten Punkt abgedeckt werden? An erster Stelle von Mixons Liste steht Saladin Ahmed, der aufgenommen wurde, weil Sriduangkaew ein Buch von ihm als »dampfenden, frauenfeindlichen Kackhaufen« bezeichnet hat. Das mag falsch, übertrieben oder schlicht unappetitliche Fäkalsprache sein, aber es ist weder Mobbing noch eine Drohung gegen den Autor. Jim C. Hines hat diesem Problem zwei lesenswerte, auch selbstkritische Blogposts gewidmet (»Online Bullying« und »Only a Sith Deals in Absolutes«), in denen er auf die Gefahr hinweist, die darin liegt, dass eine Debatte über Mobbing sich in eine Debatte darüber verwandelt, welche Reviews akzeptabel sind und welche nicht – Gamergate lässt grüßen.

Schon vor Mixon gab es einen Versuch, möglichst viele Informationen über Rquires Hate zusammenzustellen. Lobenswert ist insbesondere dass dort einige Gerüchte und Behauptungen, die überall herumschwirren, auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Aber auf dieser Seite gibt es auch einen Abschnitt mit der Überschrift »Who’s siding with whom«, in dem verschiedene Blogposts über Requires Hate gesammelt wurden – jeweils mit dem Label »Defending abuse« oder »Defending the victims« versehen. Kameron Hurleys Text, den ich oben verlinkt habe, steht unter »Defending abuse«. Wiederum gewinne ich den Eindruck, dass hier das Spektakel gesucht wird.

Ist es überhaupt angebracht, jetzt die Arbeit von Mixon und anderen zu kritisieren? Ich weiß es nicht. Kari Sperrings Bild, dass es in dieser Auseinandersetzung Leute gibt, die feixend am Rand stehen, »tutting and whistling and uttering reproofs«, hat sich mir ins Gedächtnis gebrannt. Unter Sriduangkaews Cronies hat sich besonders Nick Mamatas auf diese Weise hervorgetan. Mein Eindruck ist: Den sicheren Raum, den es jetzt braucht, gibt es noch nicht.

Eine umfangreiche Linkliste zur Sache stammt von Ann Somerville.

* Sie gebrauchte daneben noch eine Reihe von weiteren Nicks, darunter valse de la lune und acrackedmoon.
** Es gibt allerdings einen auffälligen Unterschied: Die Pathologisierung Ashts verlief eher so, dass seine Motive verharmlost und heruntergespielt wurden. Sriduangkaew wird jetzt mitunter so dargestellt, als ob sie eine Art Superschurkin sei, die das gesamte Fandom hypnotisiert habe. 

Samstag, 13. September 2014

Kulturkrieg, Kommerz und Sad Puppies

Am sogenannten Kulturkrieg in der SFF fällt mir immer wieder auf, wie wenig literaturtheoretische Fragen darin eine Rolle spielen. Auf den ersten Blick ist das für eine Auseinandersetzung, die sich vor allem zwischen Autor_innen und ihren Fans abspielt, ein verwunderlicher Befund. Aber der erste Blick täuscht, denn es handelt sich nicht um einen auf das SFF-Fandom begrenzten Konflikt. Gamergate und andere Ereignisse zeigen, dass es hier um eine Auseinandersetzung geht, die sich durch die gesamte Populärkultur zieht. Es mag allenfalls sein, dass die Bruchlinie des Konflikts in der SF so deutlich ist, weil es in diesem Genre eine gewisse Neigung dazu gibt, die gute, alte Zeit zu beschwören. Aber es gibt noch einen schwerwiegenderen Grund dafür, warum der Konflikt nur am Rande anhand der Frage, was gute Literatur ausmacht, ausgetragen wird: Es geht schlichtweg um existentiellere Dinge. Die Versuchung besteht darin, den culture war als eine Auseinandersetzung zu sehen, die zwischen einer Riege von reaktionären Großsprecher_innen auf der einen Seite und milden, aufgeklärten Liberalen wie Jim C. Hines und John Scalzi auf der anderen Seite ausgetragen wird. Doch das ist nicht das eigentliche Kampffeld. Die Situation ist nicht so ausgeglichen und exklusiv, und sie ist kein bloßer Kampf um Meinungen. Frauen, Queers und People of Colour, die gleiche Rechte und Anerkennung auf dem kulturellen Feld einfordern, haben sich diesen Kampf nicht ausgesucht. Es geht um »years of harassment and abuse«, wie Laurie Penny schreibt:
This [is] a song we know by now. It starts and ends, almost always, with attacks on our sexuality, on our bodies as meat and function [...] The routine, the arguments, have become far too familiar. A woman or a handful of women are selected for destruction; our ‘credibility’ and ‘professionalism’ are attacked in the same breath as we are called ugly, slut-shamed for dismissed either as stupid little girls or bitter old women or, in some cases, both. The medium is modern, but the logic is Victorian, and make no mistake, the problem is not what we do and say and build and create. The problem is that women are doing it. That’s why the naked selfies, the slut-shaming, is not just incidental to the argument – it is the argument. Underneath it all, you’re just a woman, just a body. You can be reduced to flesh. You are less. You are an object. You are other.
Das Wagnis von Pennys Artikel liegt in der Behauptung, dass zwar die Verletzungen und das Leid auf der Seite derer liegen, die um Gleichberechtigung kämpfen, es aber dennoch die andere Seite ist, die den Kampf verliert. Angesichts der Omnipräsenz von heterosexistischen Online-Mobs mit ihrem hasserfüllten Toben ist das keine Folgerung, die sich von selbst versteht – und noch viel weniger, man sich die von keinem Zweifel getrübte Überzeugung eines rassistischen Wortführers wie Vox Day, auf der Siegerseite der Geschichte zu stehen, vor Augen führt. Dennoch, Penny hat recht. Es sind die Reaktionäre, denen die Felle davonschwimmen. In der Epoche des Spätkapitalismus, in der wir leben, sind es zunehmend weniger die Eliten, die Rassismus und Heterosexismus predigen. Es ist nicht die Bundesbank, die Thilo Sarrazins Ansichten propagiert. Im Gegenteil, man zeigte sich in der Frankfurter Chefetage empfindlich gestört von Sarrazins unflätigen Bemerkungen über Arme und Migrant_innen. Ganz zu recht nahm man in der Notenbank an, die migrantischen Mitarbeiter_innen des Hauses könnten sich persönlich getroffen fühlen, und versuchte deshalb, das Vorstandsmitglied S. so unauffällig wie möglich loszuwerden.

Das Kapital kann es sich heute nicht mehr leisten, Frauen, People of Colour und Queers nur im Reproduktionsbereich oder in der Sexindustrie auszubeuten. Um ihre Arbeitskraft verwertbar zu machen, sind Unternehmen mehr und mehr bereit, etwas dafür zu tun, dass marginalisierte Gruppen nicht mehr allen möglichen Formen von Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt sind. (Dass solche Bemühungen nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern aus Eigeninteresse erfolgen und häufig nicht über Schönfärberei hinausgehen, versteht sich von selbst.) Auch Penny sieht diesen Vorgang als einen Prozess kapitalistischer Modernisierung:
Everybody loses, in the long term, because everybody has to live in a culture where it’s normal to hound women out of their homes for daring to demand fairer treatment, normal to shame girls and queer people into silence for suggesting that there might be other interesting stories to tell. There is no way to win this game, except by not playing at all.
So they can’t understand why they’re losing.
They can’t understand why their arguments aren’t working. They can’t understand why game designers, industry leaders, writers, public figures are lining up to disown their ideas and pledge to do better by women and girls in the future. They can’t understand why, just for example, when my friend, the games critic and consultant Leigh Alexander, was abused and ‘called out’ as an unprofessional slut, a lying cunt, morally and personally corrupt, just for speaking truthfully and beautifully about all of this, it was Alexander who was invited to write her first piece for Time magazine, Alexander who got to define the agenda for the mainstream, who received praise and recognition, whilst her abusers’ words will be lost in a howling vortex of comment threads and subreddits and, eventually, forgotten.
Their rage is the rage of bewilderment.
Der ganze Vorgang, der Angehörige von zuvor marginalisierten Gruppen in immer mehr Branchen Fuß fassen lässt, ist im Kulturbetrieb stärker sichtbar als anderswo (weil es in diesem Bereich auf Sichtbarkeit ankommt), aber er geht weit über die Literatur- und Unterhaltungsindustrie hinaus. Donna Haraway bemerkte schon vor dreißig Jahren in ihrem berühmten Essay »Ein Manifest für Cyborgs«: »Die ›neue industrielle Revolution‹ bringt in weltweitem Maßstab eine neue ArbeiterInnenklasse hervor. Die extreme Mobilität des Kapitals und die sich herausbildende internationale Arbeitsteilung sind mit dem Auftreten neuer Kollektive und der Schwächung vertrauter Gruppen verknüpft.«* Diese Entwicklung beschränkt sich nicht darauf, dass sich die Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt verschieben. Die Welt der Arbeit selbst verändert sich:
Es geht aber nicht allein darum, daß die Frauen in den Ländern der Dritten Welt in den auf Wissenschaft basierenden multinationalen, exportorientierten Industrien, besonders im Bereich der Elektronik, die bevorzugten Arbeitskräfte sind. [...] Im wahrsten Sinne des Wortes wird Arbeit als weiblich oder feminisiert neu definiert, egal ob sie von Männern oder von Frauen verrichtet wird. Feminisiert zu werden bedeutet hier, eine extrem prekäre Position einzunehmen, zerlegt und neu zusammengesetzt werden zu können; als Reservearmee ausgebeutet werden zu können; eher als Bedienstete denn als ArbeiterInnen betrachtet zu werden; während und nach der Arbeit einem Zeittakt unterworfen zu sein, der einer geregelten Arbeitszeit Hohn spricht und ständig eine an der Grenze zum Obszönen, eine auf Sex reduzierbare Existenz zu führen, immer bedroht von Arbeitslosigkeit und Deplazierung.**
Haraways Momentaufnahme des Spätkapitalismus hat weitreichende Implikationen. Zum einen widerspricht sie der verbreiteten Annahme, es gebe kein Proletariat mehr, und wir lebten in einer postindustriellen Gesellschaft ohne Klassen. Das Gegenteil ist der Fall. Das Proletariat ist größer als je zuvor und global verbreitet; noch nie haben so viele Menschen ihre Arbeitskraft verkauft wie heute. Zum anderen bedeutet das, dass die Möglichkeit der Proletarisierung, des Abrutschens aus ökonomisch gesicherten Verhältnissen, größer ist als je zuvor. Haraway bemerkt: »Diese Entwicklungen sind weder gender- noch rassenneutral. Dem wachsenden Risiko von Dauerarbeitslosigkeit sind besonders weiße Männer in den entwickelten Industrienationen ausgesetzt. [...] Dequalifizierung ist eine altbekannte Strategie, die sich nun auf vormals privilegierte Erwerbstätige richtet.«***

Es geht nicht darum, diese Verhältnisse zu verherrlichen. Da ist die von Haraway so eindrücklich beschriebene Prekarität davor. Außerdem: So lange es so etwas wie die Gender Pay Gap gibt, so lange mit wenig Ansehen, niedrigem Lohn und Gesundheitsrisiken verbundene Berufe wie Krankenpflege und Putzjobs vor allem von Migrant_innen verrichtet werden, besteht nicht gerade ein Grund zum Jubeln, weil ein paar Unternehmen auf die Veränderungen in der Arbeitswelt mit Antidiskriminierungsrichtlinien reagieren. Die im Verhältnis gesehene schwächere Position von (weißen) Männern auf dem Arbeitsmarkt ist zudem nicht unbedingt ein Vorteil für Frauen. Oft bedeutet der Wegfall des männlichen Familieneinkommens den Schritt in die Armut. Auch das Phänomen der doppelten Vergesellschaftung von Frauen (Regina Becker-Schmidt) ist alles andere als passé: Frauen, die durch (prekäre) Arbeit in den Produktionsprozess eingebunden sind, haben meist zusätzlich den Großteil der Reproduktionsarbeit im Haushalt zu leisten. Auch ist das, was der Wirtschaft langsam dämmert, noch längst nicht bei der Politik angekommen, wie man täglich in den Nachrichten sehen kann: Die westlichen Staaten ermorden munter – und nicht nur in Ferguson, Missouri – People of Colour. Sie lassen die Angehörigen der industriellen Reservearmee von heute tausendfach im Mittelmeer ersaufen, nur um für ihre jeweiligen nationalen Kollektive die Illusion einer ethnisch homogenen Gemeinschaft zu wahren. Dennoch gilt es zu fragen, welche sozialen Errungenschaften für People of Colour, Queers und Frauen durch die Veränderung der Arbeit möglich sind, und wie genau sie mit den culture war genannten Verwerfungen zusammenhängen.

In der anglophonen SFF lässt sich derzeit beobachten, was passiert, wenn in einer bestimmten Branche ein neues Kollektiv auftritt und eine vertraute Gruppe sich dadurch geschwächt fühlt (um Haraways Formulierung aufzunehmen). SFF wurde jahrzehntelang vor allem von weißen, männlichen, heterosexuellen Nerds mit middle-class-Hintergrund produziert. Damit ist es endgültig vorbei. Während ein Teil der vertrauten Gruppe versucht, sich (nicht ohne Reibungen) der neuen Entwicklung anzupassen, versuchen andere zu verteidigen, was sie als ihre angestammte Domäne betrachten. Letztere sind mit den »they« in dem Zitat von Laurie Penny gemeint, die nicht verstehen, warum sie nur verlieren können: »angry, broken, lost young men convinced that women have robbed them of some fundamental win in life«.

Es stellt sich die Frage, wie diese Männer überhaupt zu der Überzeugung gelangt sind, dass speziell ihnen ein »fundamental win in life« zusteht? Die Antwort liegt, vermute ich, in einem Stück Gesellschaftsgeschichte der westlichen Industrieländer. Kulturell gesehen waren wir, die wir† in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in diesen Gesellschaften aufgewachsen sind und dort unsere familiären Wurzeln hatten, allesamt Kleinbürger_innen. Im Kontext des Wohlfahrtsstaats konnte von einer eigenständigen Kultur der Eliten wie des Proletariats kaum noch die Rede sein (letztere verschwand nicht völlig, verlagerte sich aber in den subkulturellen Bereich). Die klassenspezifischen Werte und Ressentiments des Kleinbürgertums schienen für die ganze Gesellschaft Geltung zu haben. Nach dem 2. Weltkrieg war das Kleinbürgertum zu einem gewissen Wohlstand gelangt, ohne wirklich an der sozialen Macht zu partizipieren, die weiterhin den Eliten vorbehalten blieb. Die kulturell hegemoniale Stellung, die die kleinbürgerliche Ideologie genoß, war gewissermaßen die Kompensation für diesen Ausschluss von der Macht. Als kleinbürgerlicher Mann war man weiß, mehr oder weniger christlich sozialisiert und stand als Alleinverdiener einer patriarchal strukturierten Kleinfamilie vor. Wenn man von der Arbeit nach Hause kam, konnte man seine Frau herumkommandieren und beim abendlichen Fernsehen seiner Verachtung für Perverse, proletarische Schmuddelkinder, Gastarbeiter und langhaarige Kommunisten freien Ausdruck verleihen, ohne irgendeinen folgenreichen Widerspruch befürchten zu müssen. Man wusste sich einig mit dem Mainstream der Gesellschaft.

So ungebrochen, so überschaubar gibt es diese kleinbürgerliche Welt heute nicht mehr. Zu weiten Teilen ist sie glücklicherweise Vergangenheit. Die scheinbare Unübersichtlichkeit, in der wir heute leben, hat aber bei denen, die sich in dieser Welt (oder ihren kläglichen Überresten) zuhause fühlten, eine grenzenlose Verunsicherung ausgelöst. Die Dequalifizierung der vormals privilegierten Erwerbstätigen greift um sich. Das Ergebnis dieser Verunsicherung ist die allenthalben zu beobachtende politische und ideologische Verrohung des Bürgertums, wie sie sich in rechtspopulistischen Parteien, im Maskulinismus, in Phänomenen wie PUAs und PUA-Hass, im Schimpfen auf die angeblich nach ’68 eingeführte Promiskuität und in der wohlfeilen Geste des Tabubruchs, wie sie von Akif Pirinçci und Websites im Stil von PI-News gepflegt wird, äußert. Die in diesem Stil Politisierten stehen zwar (noch) nicht wirklich im Gegensatz zum Mainstream der Gesellschaft, aber sie fühlen sich so. Für Menschen, die von struktureller Diskriminierung betroffen sind, stellt das sich neurechts gebärdende Kleinbürgertum eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Zwar neigt es bislang eher zu großen Worten als zu Taten, aber das hat einen John Ausonius, George Sodini, Anders Behring Breivik oder Elliot Rodger nicht aufgehalten. (Je größer das Krisenbewusstsein, desto höher die Bereitschaft zur Tat?)

Diese Stimmung – das Gefühl, natürliche Privilegien zu verlieren – existiert auch im rechten Flügel des SFF-Fandoms. Der gibt sich jedoch erhebliche Mühe, um nicht den Eindruck zu erwecken, auf dem absteigenden Ast zu sein. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein Larry Correia auf seinem Blog oder auf Twitter mit seinem Amazon-Verkaufsrang prahlt. Eric Raymond ist sich sicher: »The likes of Correia [...] churn out primitive prose, simplistic plotting, at best serviceable characterization – and vastly more ability to engage the average reader.« Dass ihre Beliebtheit bei der breiten Masse an den Verkaufszahlen ihrer Bücher abzulesen sei, ist das Lieblingsargument konservativer SFF-Autor_innen. Dabei schwingt immer auch mit, dass der Beliebtheit der Bücher beim »average reader« eine Beliebtheit der Ideologie entspreche. Auf mich wirkt die Penetranz, mit der Correia und andere diese Behauptung wiederholen, allerdings allzu beschwörend. Wer wie Correia ständig beteuern muss, ein erfolgreicher Autor zu sein, ist sich offenbar seines Erfolgs alles andere als sicher.

Aber warum? Correia ist ein Bestseller-Autor. Er könnte damit zufrieden sein, dass seine Bücher massenhaft gekauft und gelesen werden. Dass der Bestseller-Status allein es für Correia aber nicht macht, liegt meiner Vermutung nach darin, dass er kein Alleinstellungsmerkmal ist. Kommerziell erfolgreich kann auch ein stromlinienförmiger Liberaler wie John Scalzi sein. Correia möchte aber gern glauben, dass er erfolgreich ist, weil er ein bulliger White Web Warrior ist, der (wenn er nicht gerade an der Tastatur sitzt und darüber schimpft, dass Amerika vor die Hunde geht) seine Waffensammlung im Sports Utility Vehicle Gassi fährt und der Nachbarschaft damit zeigt, was ein gottesfürchtiges, patriotisches Alphamännchen so zu bieten hat. Natürlich ist diese Annahme – wie man so schön sagt im W.W.W.-Sprech – utterly delusional. Die Autor_innen, bei denen sich kommerzieller Erfolg mit einer ostentativ zur Schau getragenen rechtskonservativen Haltung verbindet, lässt sich mittlerweile an einer Hand abzählen. In ihrem Schatten steht das Heer der um die Wette trollenden Profilneurotiker_innen, der Vox Days und Tom Kratmans und wie sie alle heißen, die außerhalb ihres eigenen Milieus niemand ernst nimmt. Einen Vox Day duldet Correia an seiner Seite, weil sich mit ihm als Sockenpuppe das liberale SFF-Establishment provozieren lässt, wie sich im Vorfeld der diesjährigen Hugo Awards (Stichwort Sad Puppies) gezeigt hat. Dabei dürfte Correia sich der Tatsache überaus bewusst sein, dass der subliterarische Dreck, den Vox Day in seinem eigenen Kleinverlag veröffentlicht, niemals eine ernstzunehmende Konkurrenz für seine, Correias, Bücher darstellen wird. Ob Vox Day sich dieser Tatsache ebenso bewusst ist? Vermutlich nicht. Er ist glücklich über jede Gelegenheit, im Spotlight zu stehen, auch wenn er sich dafür von seinem ›Gönner‹ Correia mit heruntergelassenen Hosen durch die Manege führen lassen muss.

Leute wie Vox Day unterliegen einem naheliegenden Irrtum. Sie verteidigen das System, in dem es nur auf Erfolg ankommt, mit größter ideologischer Standfestigkeit und verwechseln deshalb den Erfolg mit der ideologischen Standfestigkeit. Sie glauben, letztere müsse sich automatisch in ersteres ummünzen lassen. Sie sehen nicht, dass alle Standfestigkeit ihnen nicht helfen kann, wenn der Erfolg ausbleibt, dass sie dann genauso ausgezählt liegen bleiben wie alle anderen auch. Jemand wie Larry Correia, bei dem es mit dem Erfolg ja geklappt hat, mag sich dieser Sache dagegen zumindest dumpf bewusst sein.

Sucht man nach einer hiesigen Parallele zu dem Phänomen, dass kommerzieller Erfolg Narrenfreiheit mit sich bringt (und nicht etwa umgekehrt rechte Narrheiten sich zwangsläufig in klingende Münze umwandeln lassen), bietet sich wiederum Akif Pirinçci an. Der schwimmt wegen Felidae im Geld und kann sich vor allem deshalb jetzt seine rassistischen und sexistischen Ausfälligkeiten leisten. Hätte er es schon ganz zu Anfang seiner Karriere so getrieben, wäre er wahrscheinlich den Weg John Ashts gegangen und sang- und klanglos verschwunden. Nun haben nicht alle Autor_innen das Glück, frühzeitig Bestseller-Status zu erlangen. Je verbreiteter die Erkenntnis, dass man sich mit Stammtisch-Gepolter und sozialdarwinistischer Parolendrescherei die Karriere versauen kann, desto mehr werden sich zwar nicht die Einstellungen, aber der Ton und die Lautstärke mäßigen. Als warnendes Beispiel könnte John C. Wright dienen, der mal als vielversprechender Autor, sogar als Genie galt, es in der Folge aber geschafft hat, sich konsequent den Ruf eines Spinners mit pompöser Rhetorik und paranoider Weltanschauung zu erarbeiten – und höchstwahrscheinlich nie wieder aus der Nische herauskommen wird, in die er sich selbst begeben hat.

Sic transit gloria lupi.

* Donna Haraway, Ein Manifest für Cyborgs. Feminismus im Streit mit den Technowissenschaften, in: dies., Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen, Frankfurt/New York 1995, S. 33–72, hier S. 54.
** A.a.O., S. 54f.
*** Ebd.
† Das soll jetzt kein vereinnahmendes ›wir‹ sein, sondern einfach meine biographische Zugehörigkeit zu dieser Gruppe ausdrücken. 

Mittwoch, 10. September 2014

E-Books sind P.o.P.

... wobei P.o.P. außer für Pop vor allem für Piss on Pity steht.

Beim Lesen eines Gesprächs zwischen Zoë Beck, Leander Wattig (finden E-Books knorke) und Roland Reuß (findet E-Books doof) ist mir eine beiläufige Bemerkung Wattigs ins Auge gefallen. Er sagt da über E-Books: »Man muss auch bestimmte Nutzungssituationen einbeziehen, etwa die größenverstellbare Anzeige von E-Readern.«

Das ist eine Sache, die mir bei der ganzen Diskussion, ob E-Books den kulturellen Bankrott oder eine Öffnung auf interessante neue Formen hin bedeuten, viel zu oft außen vor bleibt. Es gibt Menschen, für die sind aus einer Reihe von Gründen gedruckte Bücher schwerer zugänglich – Menschen mit Sehschwäche zum Beispiel. Das hat nicht unbedingt etwas mit Krankheit zu tun oder mit der oft vertretenen Vorstellung, dass manche Menschen eben Behinderungen haben und andere nicht. Phänomene wie Presbyopie, die sogenannte Altersweitsichtigkeit, zeigen, dass wir alle in vieler Hinsicht nur temporär nicht behindert werden, während in bestimmten Situationen unser Angewiesensein auf das Menschenrecht Barrierefreiheit steigt.

In dieser Hinsicht bieten E-Reader einige Vorteile etwa gegenüber Großdruck-Ausgaben. Die sind meist unhandliche Ziegelsteine und zudem auf ein bestimmtes Lesepublikum zugeschnitten: In der Genreliteratur sucht man sie in der Regel vergeblich. Hinzu kommt, dass für Menschen mit Sehschwäche bestimmte Fonts besser zu erkennen sind als andere. Die Möglichkeit, auf dem Reader zwischen verschiedenen Schrifttypen zu wechseln, ist also ein weiterer Vorteil. Kurzum: Als technische Innovation bieten E-Books Möglichkeiten gesellschaftlicher Inklusion, die es vorher nicht gab.

Ansonsten verläuft die Diskussion zwischen Beck, Reuß und Wattig weitgehend in den üblichen Bahnen:
  • Wattig: E-Books ermöglichen neue literarische Formen. (Stimmt.)
  • Beck: E-Publishing ermöglicht die Veröffentlichung von Werken, die sonst nie jemand zu Gesicht bekommen hätte. (Stimmt auch.)
  • Reuß: E-Books bringen durch das verstärkte Feedback des Publikums die Gefahr mit sich, dass vermehrt stromlinienförmige, vor allem kommerziell interessante Bücher produziert werden. (Stimmt ebenfalls, gilt aber strukturell auch für den Printbereich.)
Am Ende lobt Wattig Amazon für seine »Wir veröffentlichen alles«-Politik, die die Verlage zur Innovation zwinge. Das mag zwar irgendwie zutreffen, aber insgesamt scheint mir der derzeitige Zustand mit DRM und Anbindung an bestimmte Shops und Formate ein klassisches Beispiel zu sein, wie Produktivkräfte (= Kreativität und Innovation) gehemmt werden durch Produktionsverhältnisse (= Konzerne entscheiden, was wir wie lesen dürfen). Zoë Beck meint, E-Publishing demokratisiere die Buchproduktion. Reuß antwortet, Demokratie sei allein in der Rezeption von Büchern angebracht. Aber ist das Problem nicht viel mehr, dass es auf beiden Seiten keine wirkliche Demokratie geben kann, solange an der Schnittstelle zwischen Produktion und Rezeption ein Akteur wie Amazon steht? Gerade deshalb sind technische Neuerungen à la E-Book interessant: Sie verändern die Beantwortungsmöglichkeiten der Frage, auf die alles ankommt: Wie können die Produktionsmittel in die Hände der Produzentinnen/Rezipienten gelangen?

Die Lösung liegt im Kommunismus, und P.o.P. ist ein Schritt auf dem Weg dorthin.

Sonntag, 13. Juli 2014

Bealedoggle

Inhaltswarnung: Sexueller Missbrauch, Homophobie.

Der Fall MZB weist eine bislang wenig beachtete Facette auf, die ich Bealedoggle getauft habe: Es geht darum, dass der rechtsradikale Flügel des US-Fandoms die Missbrauchsvorwürfe gegen Bradley instrumentalisiert. Federführend ist dabei Theo Beale alias Vox Day. Der ist bekanntlich im vergangenen Jahr recht schmählich bei SFWA, der Vereinigung der SFF-Autor_innen in den USA, rausgeflogen. Nun sieht er offenbar die Gelegenheit zur Rache gekommen. SFWA scheint für Beale schon seit längerem ein rotes Tuch zu sein. 2012 veröffentlichte er einen Artikel in Black Gate, in dem er mit großer Geste ankündigte, bald mit Beweisen über massive Korruption in der Schriftsteller_innenvereinigung an die Öffentlichkeit zu treten. Die Beweise kamen natürlich nie, und Beales Artikel erregte allgemeine Heiterkeit. Auch jetzt wittert Beale wieder eine ungeheure Verschwörung in den Reihen der Organisation, deren aktive Mitgliederzahl sich gerade mal im dreistelligen Bereich bewegt. Er schreibt im Akkord Blogposts, in denen er SFWA beschuldigt, eine Tarnorganisation für einen Kinderhandelring zu sein (wer sich jetzt fragt, wie man auf so etwas kommen kann, kennt Vox Day noch nicht). Bemerkenswerterweise finden sich unter diesen Blogposts hunderte von zustimmenden Kommentaren, bis hin zu Phantasien darüber, Samuel R. Delany zu erschießen. Das liest sich dann zum Beispiel so:
These pedophile rings tend to run through unaccountable organizations with flimsy stated outcomes but a seemingly decent cover story. I’m not saying they [SFWA] are necessarily a long-time front organization for child trafficking, just that they are doing a lousy job of not looking like they could be.
Einige entwerfen schon konkrete Aktionspläne gegen diese Berufsorganisation, die sich einfach nicht genug Mühe gibt, nicht wie eine »long-time front organization for child trafficking« auszusehen:
There are three or four investigators I could think of to put onto this thing and really blow it wide open, and create a set of research documents that really makes things uncomfortable at the SFWA. Especially if you have the private archives at your disposal.
Nun ja. Beale und seine Fans sind Alu-Hüte, wie sie im Buch stehen. Wären ihnen nicht die Enthüllungen über MZB in den Schoß gefallen, würden sie sich die Zeit mit Anti-Impf-Propaganda und Diskussionen über kreationistische ›Wissenschaft‹ vertreiben. Man könnte das als besonders bizarren Auswuchs des an Absonderlichkeiten wahrlich nicht armen ideologischen Treibhauses abtun, in dem Beale und Konsorten leben, ginge es dabei nicht auch um einen der bedeutendsten Intellektuellen des SFF-Felds: Samuel R. Delany. Der Stein des Anstoßes ist ein Zitat von Delany, das der englischen Wikipedia-Artikel über die Pädosexuellen-Organisation NAMBLA folgendermaßen wiedergibt:
In extended interviews about his novel Hogg in 2004 he stated he supported a group like NAMBLA because “abuse is fostered by the secrecy itself and lack of social policing”. He expounded that “for thousands of years, relations we assume are abusive by definition (child marriages, slavery, child labor, etc.) were the social and legal norm, institutional and ubiquitous [..] behavior that we [today] find wholly unacceptable—flogging slaves, wife beating, and child beating (in the family, in the school, and at the factory)—was recommended by experts and clergymen as the most efficient and least disruptive way to maintain [social] order. All of these institutions changed, nevertheless, only when they were no longer economically feasible or beneficial to the greater society.
Zeichensetzung, Auslassungen etc. habe ich unverändert von Wikipedia übernommen. Das Zitat steht seit September 2010 in dieser Form im Artikel. Für Beale und einige andere reichte das aus, um Delany mit Breens und Bradleys sexuellen Übergriffen zu assoziieren. Grund genug, sich Delanys Verhältnis zu NAMBLA einmal genauer anzusehen. Zunächst ist festzustellen, dass an seiner Unterstützung für NAMBLA wenig Zweifel bestehen kann. In einem Gespräch mit Will Shetterly äußert er sich ausführlich dazu. Es scheint, als seien Delanys Ansichten über sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen und Kindesmissbrauch vor allem von zwei Ausgangspunkten geprägt:
  1. Delany glaubt, dass konsensuelle sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen grundsätzlich möglich sind.
  2. Er glaubt, dass es in jedem Fall besser ist, wenn sexuelle Beziehungen (egal welcher Art) legal und öffentlich ausgelebt, weil auf diese Weise eine Sozialkontrolle möglich sei, die Gewalt und Missbrauch effektiver verhindern könne, als die Illegalisierung bestimmter Beziehungsformen (in diesem Fall: zwischen Kindern und Erwachsenen) dies tut. Insbesondere betont er seine Ansicht, dass gegenwärtige Sexualstrafrechtsnormen Kindern eher schadeten als sie zu schützen.
So weit ich sehen kann, sind Delanys Positionierungen in diesem Gespräch kein Versuch, seine früheren Statements zu NAMBLA zu verharmlosen oder zu relativieren. Seine früheren, vor den gegenwärtigen Enthüllungen über Marion Zimmer Bradley getätigten Äußerungen stammen (mit Ausnahme des Wiki-Zitats) aus den neunziger Jahren. Sie stehen nicht im Widerspruch zu dem, was Delany jetzt sagt: Er habe in den Neunzigern die Publikationen von NAMBLA über eine Mailingliste kennengelernt, diese Schriften sehr geschätzt, aber seither nichts mehr von der Gruppe gehört. Shetterly hat das Interview auf seinem Blog veröffentlicht: »a conversation with Samuel R. Delany about NAMBLA, sexuality, and consent« (Inhaltswarnung für diesen Link: Auf Shetterlys Blog werden rassistische Ausdrücke verwendet).

NAMBLA präsentiert auf der organisationseigenen Website ein Zitat Delanys:
I read the NAMBLA [Bulletin] fairly regularly and I think it is one of the most intelligent discussions of sexuality I’ve ever found. I think before you start judging what NAMBLA is about, expose yourself to it and see what it is really about. What the issues they are really talking about, and deal with what’s really there rather than this demonized notion of guys running about trying to screw little boys. I would have been so much happier as an adolescent if NAMBLA had been around when I was 9, 10, 11, 12, 13.
Kursivierungen, Ergänzungen etc. habe ich unverändert übernommen (verlinken will ich die Seite nicht). Allem Anschein nach handelt es sich um die Transkription einer mündlichen Aussage. Auffälligerweise ist das Akronym NAMBLA im Zitat nur bei der ersten Erwähnung kursiviert und damit eindeutig auf das Bulletin und nicht auf die Organisation insgesamt bezogen. Bei den weiteren Erwähnungen fehlt die Kursivierung, so dass der Eindruck entsteht, Delany spreche von der Organisation. Ich halte das für unwahrscheinlich. Der zweite Satz beginnt mit »I think before you start judging what NAMBLA is about ...«. Der dritte ist ein Neuansatz, der sich klar auf den zweiten Satz bezieht: »What the issues they are really talking about ...«. Das bedeutet, mit »NAMBLA« im zweiten Satz sind »the issues« gemeint, also die Ausgaben des Bulletins, und nicht die Organisation. Unklar ist, ob der letzte Satz auf die Gruppe oder auf ihre Publikationen referiert. Möglicherweise beides. NAMBLA gibt an, die Aussage stamme aus dem Jahr 1994. Delany bestätigt das im Interview mit Shetterly.

In seinen Publikationen äußert Delany sich an mindestens zwei Stellen wohlwollend über die Gruppe. Da ist zunächst eine beiläufige Bemerkung in Shorter Views (1999), und zwar in einem Zusammenhang, in dem es um Michel Foucaults monumentales Spätwerk Sexualität und Wahrheit geht:
It was a work that promised insights, if not inspiration, for feminists, for gay activists, and even for much harassed groups like NAMBLA (the North American Man-Boy-Love Association).*
Die zweite Stelle ist die von Wikipedia zitierte, die aus Conversations with Samuel R. Delany (2009) stammt. Sie stammt aus einem Interview von 2004. Liest man sie im Zusammenhang, wird deutlich, dass Wikipedia die Stoßrichtung von Delanys Argumentation verfehlt.** Ich gebe das Zitat hier in voller Länge, ohne inhaltliche Auslassungen wieder, wobei ich die von Wikipedia ausgelassenen Stellen fette (Kursivierungen im Original):
It may seem paradoxical [...] that generally speaking I think sexual relations between children and adults are likely to go wrong and that most of them are likely to be, start off as, or quickly become, abusive, that I also support a group like NAMBLA—which I do. But that’s because I feel one of the largest factors in the abuse is fostered by the secrecy itself and lack of social policing of the relationships. A little history helps:
For thousands of years, relations that today we assume are abusive by definition (child marriages, slavery, child labor, etc.) were the social and legal norm. They were institutional and ubiquitous. As well, behavior that we would find wholly unacceptable—flogging for slaves, wife beating in marriage, and child beating (in the family, in the school, and at the factory)—was regularly recommended by experts and clergymen as the most efficient and least disruptive way to maintain order and the necessary disciplined hierarchy for these institutions to function efficiently. More lenient ways were to be avoided, ran the general wisdom, because, while they might be attractive in the short run (as novels and melodramas welcomed more and more social types into the circle of compassion), in the long run they produced only further troubles.***
Es folgt ein längerer Bericht Delanys über die Erziehungsmethoden seines Großvaters, der als Sklave geboren wurde. Der letzte von Wikipedia zitierte Satz kommt erst danach:
All of these institutions changed, nevertheless, only when they were no longer economically feasible or beneficial to the greater society.†
Das ist jedoch nicht, worauf Delany eigentlich hinaus will. Seine Argumentation, die er mit einem Beispiel aus seiner Familiengeschichte untermauert, zielt eher darauf, dass Beziehungspraktiken weniger traumatisierend wirken, wenn sie Gegenstand eines öffentlichen Diskurses und dadurch sozial eingebettet sind. Delanys Großvater bestrafte seine Kinder, indem er sie mit Ruten schlug. Diese Prügel seien körperlich schmerzhaft, aber nicht psychisch traumatisierend gewesen, schließt Delany aus den Erzählungen seines Vaters (und der Geschwister seines Vaters). Als diskursiv eingebundene Praxis – »recommended by experts and clergymen« – seien sie sozialer Kontrolle unterworfen gewesen. Viel angsteinflößender sei es für die Kinder des Großvaters gewesen, wenn dieser einen spontanen Wutausbruch bekam – was aber anscheinend nur ein einziges Mal passierte. Damit will Delany sich selbstverständlich nicht für die Prügelstrafe aussprechen. Was er meint (oder besser: was er meiner Interpretation nach meint), lässt sich vielleicht durch einen Vergleich mit Initiationsriten erhellen. Diese sind oft mit Schmerzen und Isolation verbunden, lösen aber in der Regel keine lebenslangen Traumata aus, sondern stärken im Gegenteil das Gefühl der Zugehörigkeit: »Kulturelle Elemente wie Riten können gar nicht traumatisieren. Die Kultur führt solche Riten nämlich nicht gewaltsam – und das heißt für mich immer: sprachlos – durch, sondern doch in einem Diskurs, der ihre Bedeutung einbettet.«†† Sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen, glaubt Delany, ließen sich in ähnlicher Weise – und damit (relativ) gewaltfrei – gestalten. Was im Fall kultureller Riten weitgehend zutrifft, gilt allerdings sehr viel weniger für asymmetrische, von einem Machtgefälle geprägte soziale Beziehungen wie die zwischen Vätern und ihren Kindern. Das Machtgefälle lässt sich durch diskursive Einbettung mildern, aber nicht abschaffen. Und ließe sich das extreme Machtgefälle, das in sexuellen Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen herrscht, überhaupt so weit mildern, dass es in irgendeiner Weise erträglich wäre? Wohl kaum.

Ein solches Vorhaben wäre auch abhängig davon, ob die Gesellschaft in der Lage ist, Diskurse zur Verfügung zu stellen, die die soziale Einbettung und Reglementierung ermöglichen. Beispiele, wie das aussehen könnte, sind immer schnell zur Hand: Das Modell der altgriechischen Päderastie ist bei der Pädophilenbewegung, die Organisationen wie NAMBLA hervorgebracht hat, besonders beliebt. Daran zeigt sich aber auch schon, dass solche Beispiele Augenwischerei sind. Päderastie, wie sie in der Antike zwischen Lehrern und Schülern herrschte, kennen wir aus dem Geschichtsunterricht. Es fehlt jeglicher Bezug zur Gegenwart. Die Vorstellung, dieses Modell könnte wieder zu einer gelebten gesellschaftlichen Realität werden, ist ziemlich grotesk. Angesichts dessen halte ich es bestenfalls für naiv, anzunehmen, pädophilen Lobbygruppen wie NAMBLA gehe es ernsthaft um das Wohl von Kindern und Jugendlichen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Delany hat sich in mindestens drei Fällen über NAMBLA geäußert, zweimal wohlwollend über die Organisation selbst und einmal recht begeistert über die Publikationen der Gruppe. Die letztere Äußerung erweckt den Eindruck, als sei sie mit Hilfe von typographischen Tricks so zurechtgebogen worden, dass sie sich wie eine Lobrede auf die Organisation selbst liest. Delany steht NAMBLA unstrittig positiv gegenüber, aber drei Erwähnungen sind angesichts seines umfangreichen Werks nicht viel. Es hat nicht den Anschein, als sei Delany ständig mit NAMBLA beschäftigt; ein hauptamtlicher Propagandist für die Gruppierung ist er definitiv nicht. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass eine genauere Untersuchung von Delanys Veröffentlichungen und Interview-Aussagen eine nennenswerte Anzahl weiterer Erwähnungen NAMBLAs zu Tage fördert. Das wäre aber wahrscheinlich schon längst geschehen, wenn es solche Stellen gäbe. Alles in allem sehe ich keinen Grund, Delanys Stellungnahme in dem Interview mit Shetterly anzuzweifeln: dass er NAMBLA in den neunziger Jahren über die Publikationen der Gruppe kennengelernt hat, diese eine Zeit lang regelmäßig gelesen hat, sich aber seit ca. zwanzig Jahren nicht mehr mit ihr beschäftigt.

Ende 2013 verlieh SFWA Delany den Damon Knight Memorial Grand Master Award für sein Lebenswerk. Zusammen mit den jüngsten Enthüllungen über Marion Zimmer Bradley war das für Theo Beale ein willkommener Anlass, SFWA als »organization that celebrates child molesters and champions of child molestation« zu zeichnen, in der Delany die Rolle eines Gurus einnehme. Andere, wie das rechtskonservative Gemeinschaftsblog Mad Genius Club, stoßen ins gleiche Horn, indem sie Homosexualität mit Pädophilie in Verbindung bringen. Mittlerweile haben Beale und seine Fans begonnen, Namens- und Adresskarteien zu durchforsten, in denen wegen Kindesmissbrauchs Vorbestrafte aufgeführt sind, und gleichen sie mit dem SFWA-Mitgliederverzeichnis ab. Wie nicht selten, wenn es um sexualisierte Gewalt gegen Kinder geht, ist mancherseits mehr moral panic als Interesse an Aufklärung und Prävention zu verspüren. Besonders übel ist, dass die moral panic in diesem Fall auch noch eine spezifisch homophobe Komponente aufweist.

Jedoch offenbart diese bizarre Nebenentwicklung einer an sich sehr ernsten Angelegenheit mehr über Beale als über die, die er bekämpft. Genauer gesagt: Sie offenbart etwas über die Intelligenz von Beale und seiner Clique. Beale war nach eigenen Angaben vierzehn Jahre lang Mitglied von SFWA. Er kandidierte sogar für das Präsident_innenamt der Organisation, die ihm und seinen Fans zufolge so etwas wie die Dutroux-Bande des Fandoms ist. Nun ja. Man erlebt nicht alle Tage, wie jemand sich ins eigene Knie schießt und triumphierend verkündet, einen Volltreffer gelandet zu haben.

* Samuel R. Delany, Shorter Views: Queer Thoughts & the Politics of the Paraliterary, Wesleyan University Press 1999, S. 173. Das Werk, von dem Delany sich Einsichten versprach, ist natürlich das erwähnte von Foucault.
** Den Hinweis, dass es sich lohnen könnte, das Zitat aus dem Wikipedia-Artikel zu überprüfen, verdanke ich James A. Sullivan.
*** Carl Freedman (Hg.), Conversations with Samuel R. Delany, University Press of Mississippi 2009, S. 143.
† A.a.O., S. 144.
†† Jan Assmann im Gespräch mit Hannes Stein, Ist eine »Spiegel«-Titelgeschichte massiv antisemitisch? In: Die Welt, 13. Januar 2007.

Mittwoch, 9. Juli 2014

MZB-Update

Triggerwarnung: Kindesmissbrauch, sexualisierte Gewalt.

Im Fall Marion Zimmer Bradley gibt es einige Neuigkeiten und klärende Hinweise sowie eine (wie ich finde) kontroverse Angelegenheit, der ich mich in einem weiteren Blogpost widmen will.

Da ist zunächst Deborah J. Ross, eine Autorin aus dem Kreis um MZB, die heute die Darkover-Reihe fortführt. Als die Nachricht von den Missbrauchsvorwürfen gegen Bradley einschlug, verschickte sie einen Tweet, den ich bereits in meinem ersten Blogpost zum Thema zitiert habe: »Only half the story is being told. Please be careful about believing sensationalist rumors online.« Vor zwei Wochen hat Ross sich nun dafür entschuldigt: »I was wrong about the story, and I was wrong to say what I did. I am deeply sorry for the pain I caused.« Das verstehe ich als Eingeständnis, dass das, was Ross in ihrem Tweet geschrieben hatte, schlicht falsch war.* Trotzdem hätte mich interessiert, was genau sie eigentlich meinte, als sie sagte, nur die Hälfte der Geschichte werde erzählt. Aber sei’s drum, vielleicht handelte es sich einfach nur um eine abwehrende Floskel.

In meinem ersten Post schrieb ich:
In den siebziger Jahren gründete MZB die Künstler_innenkommune Greyhaven. Sie sammelt eine Gruppe von Autor_innen um sich, mit denen sie in quasi-familiärer Weise zusammenlebte. Darunter sind Paul Edwin Zimmer (MZBs Bruder), Diana L. Paxson (die nach MZBs Tod den Avalon-Zyklus fortsetzte) und Elisabeth Waters (MZBs langjährige Lebensgefährtin und Sekretärin, die heute ihren Nachlass verwaltet).
Dabei habe ich mich von dem deutschsprachigen Wikipedia-Artikel über MZB leiten lassen, in dem es heißt: »Mit ihren Schwägerinnen Diana L. Paxson und Tracy Blackstone und ihrem Bruder Paul Edwin Zimmer wohnte sie in dem Schriftstellerhaushalt Greyhaven, später bis zu ihrem Tod in ihrem Haus Greenwalls, beides in Berkeley (Kalifornien).« Paxson hat nun darauf hingewiesen, dass diese Angabe nicht ganz zutrifft:
In 1971 I and my family bought a large house in Berkeley which we called Greyhaven. In addition to me, my husband and our son, the family included Marion’s mother and Marion’s younger brother and his wife and daughter. Since my husband had been unofficially adopted into the Zimmer family, I thought of Marion as my sister-in-law.
In 1973 Marion’s family moved into a house about a mile away which they called Greenwalls. Marion and her family never lived at Greyhaven. They did come here regularly for holidays and Sunday afternoon tea. The confusion between the two households arose because in 1983 Marion edited an anthology featuring stories by many of the people who used to come to discuss their writing around the tea table, and called it Greyhaven, since that was where the discussions took place.
Über ihr Verhältnis zu Bradleys und Walter Breens Kindern schreibt Paxson:
After living elsewhere for a number of years, both of Marion’s younger children have now returned to the Bay Area. Moira’s brother is currently living with us at Greyhaven. Moira herself lives in the area, joins us for family parties, and leaves her youngest son here for play-dates with his cousins. We at Greyhaven have done our best to provide a loving and supportive family. Moira has given me permission to quote the following:
“I would like to clarify for the sake of those who read the anthology Greyhaven that although our large, extended family often COLLECTED at Greyhaven in the Berkeley Hills, my mother’s house has always been called “Greenwalls.” … My brother and I often stayed at Greyhaven after school in the early grades, because it was a short walk from school, but we did not live there. The concept of Greyhaven as an extended family/writer’s colony exists to this day, as we meet for afternoon tea on Sundays as the decades roll past. Please do not assign any responsibility for my mother or father’s bad actions to those who lived at Greyhaven: if Diana had known what my mother or father was doing, it is likely she would have been on the phone with the police even faster than I was.”
Gut zu wissen, dass Moira Greyland und ihr Bruder in ihrer Kindheit wenigstens zeitweilig einen sicheren Ort hatten. Gut auch, dass mit Paxson wenigstens eine Person aus MZBs innerem Kreis nicht in den Chor der Anfeindungen und der Schuldabwehr einstimmt, wie sie bereits seit der Veröffentlichung von Bradleys und Elisabeth Waters’ eidesstattlichen Aussagen durch Stephen Goldin zu hören sind. Gewusst haben will Paxson aber auch nichts.

Der Marion Zimmer Bradley Literary Works Trust, der MZBs Nachlass verwaltet, hat sich mittlerweile zu Wort gemeldet. Und weiß natürlich ebenfalls von nichts. Gegenüber dem Guardian** sagte der Literaturagent Russell Galen, der den Trust vertritt:
Marion is deceased and we are not able to ask her about her side of the story, nor do we have any personal knowledge of the events that are being described. All we can say is that during the decades in which we worked with her, we found Marion to be a great friend and enormously kind person. She was much loved by many friends, especially in the literary community where she supported the careers of many writers at considerable personal expense. That’s just a statement of fact based on personal knowledge, and is not meant to be a response to these allegations ...
Das lasse ich mal kommentarlos so stehen. Gollancz, einer von MZBs Verlagen, kündigt an:
Allegations about Marion Zimmer Bradley have surfaced in the last couple of weeks, including a statement from her daughter, Moira Greyland, that she was sexually abused by her mother. Ms Bradley died in 1999 and therefore cannot answer these charges, nor are we in a position to comment on them; we are also mindful of the dangers of drawing a link between any writer’s personal life and their work. Further, we are aware that royalties from the sales of her work are mainly distributed between a range of charities, including Save the Children. We have considered carefully what response, if any, we – as publishers of her digital backlist – should make in this situation. We have decided that we will henceforth donate our income from sales of her Gateway e-books to Save the Children. We will be making no further comment on the matter.
* Oft genug bestehen Entschuldigungen von Personen des öffentlichen Lebens ja aus hirnerweichenden Formulierungen wie »Ich entschuldige mich, aber ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe«.
** Leider verschweigt der Guardian-Artikel, dass es vor allem Stephen Goldins, Deirdre Saoirsa Moens und Natalie Luhrs’ Bemühungen waren, durch die der ganze Fall überhaupt publik wurde.

Dienstag, 24. Juni 2014

Mad Genius Club & Bealedoggle

Inhaltswarnung: Kindesmissbrauch, sexualisierte Gewalt, Homophobie.

Es hätte mich erstaunt, wären die jüngsten Enthüllungen über Marion Zimmer Bradley im rechten Flügel des US-amerikanischen Fandoms nicht auf eine ganz bestimmte Art von Resonanz gestoßen. Auf der von konservativen Genre-Autor_innen betriebenen Website Mad Genius Club etwa erschien am 14. Juni ein Artikel, der unverblümt verkündete, was Deirdre Saoirsa Moen aufgedeckt habe, sei »the truth behind Marion Zimmer Bradley’s sexual openness«. Die Wahrheit hinter MZBs sexueller Neugierde? In meinem letzten Blogpost habe ich die Hintergründe ausführlich geschildert: MZB war mit Walter Breen verheiratet, der jahrzehntelang Kinder sexuell missbrauchte. MZB deckte und unterstützte Breens Taten, wie sie selbst zugeben musste. Neu hinzu kam jetzt, dass Bradleys und Breens Tochter, Moira Greyland, sich mit einer E-Mail an die Öffentlichkeit wandte, in der sie ihre Mutter bezichtigte, nicht nur Mitwisserin Breens, sondern selbst Täterin gewesen zu sein. Diese E-Mail wurde von der Autorin Deirdre Saoirsa Moen auf ihrem Blog veröffentlicht. Nun fallen mir zur Beschreibung dieser Angelegenheit alle möglichen Ausdrücke ein – aber »sexual openness« gehört definitiv nicht dazu.

Um es kurz zu machen: Der Artikel des Mad Genius Club ist schlicht und einfach von Homophobie motiviert. Marion Zimmer Bradley hatte in den fünfziger Jahren anscheinend Kontakte zu den Daughters of Bilitis, einer Gruppe lesbischer Aktivistinnen. Später erfand sie die Freien Amazonen von Darkover und gab damit lesbischen Fans einen Platz im Fandom, wie er zuvor nicht bestanden hatte.* Was in dem Artikel verklausuliert als sexuelle Offenheit beschrieben wird, meint nichts anderes als Homosexualität, und die »Wahrheit« dahinter ist folgerichtig die Neigung zum Kindesmissbrauch. Wer schwul oder lesbisch ist, soll uns das sagen, vergreift sich auch an kleinen Kindern. Heuchlerisch beteuert Cedar Sanderson, die Verfasserin des Artikels: »I know quite well that not all who are homosexual are also child abusers.« Aber viele, wenn nicht die meisten, sind es ihrer Ansicht nach eben doch.

Als Beispiel dafür pickt sie sich Samuel R. Delany heraus, der sich aus Sicht des Mad Genius Club gleich in mehrfacher Hinsicht zum Feindbild eignet: Delany ist nicht nur einer der angesehensten Autoren von Fantasy und SF überhaupt, sondern auch schwarz, bekennend schwul, Marxist und queerer Denker. Das Thema Sexualität, und insbesondere der sogenannten ›abweichenden‹ Formen sexuellen Begehrens, zieht sich wie ein roter Faden durch Delanys Werk. Er weist auf, dass die ›Abweichungen‹ von einer Normalität abweichen, die bestenfalls ein fragwürdiges Konstrukt ist. In einem Interview über seinen Roman Hogg sagt er: »I want the narrator to move into a more stable social condition: that’s how, as perverts, we grow up and mature in this society—moving from a socially untenable fantasy, such as Hogg’s actions represent for most of us, to a more socially tenable reality [...] Although the criminal aspect of Hogg’s activities is what makes those acts socially available, the narrator is beginning to learn that it is the acts themselves, and not their criminal aspects, which he fetishizes.«** Hogg, die Titelfigur des Romans, ist ein brutaler Psychopath, der seine Perversionen unter Anwendung von Zwang und Gewalt auslebt. Der namenlose Erzähler, von dem Delany in dem Zitat spricht, ist dabei Betroffener und Komplize zugleich. Während eines Zeitraums, in dem er von Hogg getrennt ist, lernt der Erzähler jedoch (andeutungsweise) andere Möglichkeiten kennen, wie sich Perversionen leben lassen – Möglichkeiten, die in Delanys Worten »gesellschaftlich tragbar«, nicht verbrecherisch sind. Der Perversion ist keine sexuelle Norm aufzulegen, sondern eine Norm des Sozialverhaltens. Gleichzeitig muss die Gesellschaft permissiv genug sein, um Perversion grundsätzlich zuzulassen. Ist sie dazu nicht bereit, nimmt sie in Kauf, dass die Perversion im Geheimen ausgelebt wird, was die Gefahr mit sich bringt, dass die Perversion mit den kriminellen Mitteln verwechselt wird, die angewendet werden, um den Fetisch heimlich ausleben zu können.

Für den Artikel des Mad Genius Club ist gerade dieses Interview der Stein des Anstoßes, denn es hat den Anschein, als äußere sich Delany darin lobend über eine Organisation namens NAMBLA. Der englische Wikipedia-Artikel über NAMBLA bringt ein entsprechendes Zitat Delanys.*** NAMBLA steht für North American Man/Boy Love Association. Der Name sagt alles: Es handelt sich um eine Organisation, die sich dafür einsetzt, dass Pädophilie als legitime Variante menschlicher Sexualität akzeptiert wird (dem Anschein nach war Walter Breen, MZBs Ehemann, ein Mitglied). Delany hat mehr als einmal positive Worte für NAMBLA gefunden. In seinem Buch Shorter Views spricht er z.B. beiläufig davon, dass NAMBLA eine Gruppierung sei, die einen ungerechtfertigt schlechten Ruf genieße.† Ich weiß nicht, warum Delany meint, sich für NAMBLA einsetzen zu müssen. Möglicherweise hat er sich zu der Ansicht verstiegen, dass sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen auch gewaltfrei möglich seien. Vielleicht auch nicht. Ohne genauere Aussagen Delanys lässt sich darüber nur spekulieren. So oder so finde ich die Unterstützung einer Organisation wie NAMBLA inakzeptabel.

Noch inakzeptabler ist aber, was der Mad Genius Club daraus macht: Nicht nur, dass er Kindesmissbrauch als Folge von Homosexualität darstellt, der Artikel endet auch noch mit der Aufforderung »stop praising those who abuse and defile children«. Was im Falle Walter Breens ganz angebracht ist, ist bei Delany reine Diffamierung. Delany hat sich zustimmend über NAMBLA geäußert. Das ist verwerflich genug, lässt sich aber nur um den Preis einer grotesken Verharmlosung mit aktivem Kindesmissbrauch gleichsetzen. In die gleiche Kerbe schlägt Theo Beale alias Vox Day, der vor dem Aufstieg Larry Correias so etwas wie der Star unter den rechtsradikalen Großsprechern im US-Fandom war. Am 19. Juni veröffentlichte Beale einen (nicht allzu kohärenten) Text auf seinem Blog, in dem er sich darüber beklagt, dass das liberale Fandom »the deeds of perverts and molesters and rapists« bewusst ignoriere. Und warum ist das so? Na klar – »because they are evil. It is that simple.«

Es ist aber nicht so einfach. Bei dem, was der Mad Genius Club wie Beale da verkünden, handelt es sich um ein ebenso verbreitetes wie abgedroschenes Ideologem: It’s them queers and pinkos who want to have sex with our children. In den Diskursen der Rechten über Kindesmissbrauch bricht das Unheil stets von außen über die Gemeinschaft der braven Schäflein herein. Durch ihre Vorstellungswelt geistern effeminierte Männer, die Kinder im Auto mitnehmen, und finstere Vergewaltiger, die nachts im Gebüsch lauern. Mit der Realität hat das wenig zu tun. Fakt ist, dass die allermeisten Missbrauchsfälle sich innerhalb der Familie ereignen. Die Psychologin Monika Egli-Alge nennt für die Schweiz eine Rate von 84% Missbrauchsfällen im familiären Umfeld. Für Deutschland geht man davon aus, dass in 93% der Fälle die Täter_innen dem Kind bekannt sind. Mädchen sind zehn mal häufiger betroffen als Jungen, während es sich zu 90% um männliche Täter handelt. Das heißt: Die Täter_innen sind keine Fremden, und in den allermeisten Fällen sind sie nicht lesbisch oder schwul.

Die Fokussierung auf Organisationen wie NAMBLA, die Pädophilie als unproblematisch darstellen und sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen entkriminalisieren wollen, ist auch nicht gerade hilfreich. Ihr Aktivismus ist abstoßend, kein Zweifel, doch tragen mit Schaum vor dem Mund vorgebrachte Lynchphantasien gegen Pädosexuelle nichts zum Kinderschutz bei. Beale behauptet, sexueller Missbrauch von Kindern werde von »sexual deviant[s]« begangen, und hält damit die Frage nach der Motivation von Täter_innen für beantwortet. Ein weiterer Versuch, Kindesmissbrauch mit Homosexualität in Verbindung zu bringen, und wiederum einer, der an der Realität vorbeigeht. Der Sexualforscher Volkmar Sigusch nimmt zehn verschiedene Tätertypen an. Nur bei einem davon ist Pädophilie bzw. Pädosexualität das treibende Motiv. Egli-Alge zufolge werden ›nur‹ 25–40% der Sexualdelikte an Kindern von Pädophilen verübt. Deshalb lässt sich ein effektiver Schutz von Kindern gegen sexuelle Übergriffe nicht erreichen, indem man allein bei dem Phänomen der Pädophilie ansetzt.

Was von Leuten wie Beale konsequent ignoriert wird, ist der Gewaltcharakter des sexuellen Missbrauchs. Die Täter_innen sind überwiegend Heterosexuelle, die nicht mal das Problem haben, sich zu Kindern sexuell hingezogen zu fühlen (wie es bei Pädosexuellen der Fall ist). Mangelhaft ist nicht ihre sexuelle Orientierung, sondern ihr Empathievermögen. Dass Beale selbst jegliches Verständnis für sexualisierte Gewalt fehlt, ist daran erkennbar, dass er sich allen Ernstes dafür ausspricht, Vergewaltigung in der Ehe solle legal sein.††

Geht es um die Thematisierung von Kindesmissbrauch durch Rechtsradikale (ob im Fandom oder in der Gesellschaft insgesamt), sind meines Erachtens vor allem zwei Dinge von Bedeutung:
  1. Wenn Rechtsradikale sich das Thema Kindesmissbrauch aneignen, handelt es sich um eine Instrumentalisierung. Die entsprechenden Diskurse sind meist stark auf die Täter_innen fixiert, wobei diese als ›außenstehend‹, ›anders‹ oder ›fremd‹ imaginiert werden, oft auf homophobe Weise. Häufig werden brutale Bestrafungswünsche artikuliert, die zum Schutz von Kindern nichts beitragen, sondern eher dazu führen, dass der Blick von dem Ort, an dem Missbrauch überwiegend stattfindet (der Familie), abgelenkt wird. Missbrauch zu erkennen wird dadurch schwieriger. Aus diesem Grund ist das, was Rechtsradikale über sexuellen Missbrauch zu sagen haben, nicht nur verfehlt, sondern aus der Sicht von Betroffenen auch gefährlich.
  2. Daraus folgt, dass Rechtsradikale keine Verbündeten sein können, wenn es um die Auseinandersetzung mit Missbrauch und Kinderschutz bzw. Kinderrechten geht – wie wortreich sie sich auch immer empören mögen. Rechten Diskursen oder Versuchen, sich das Thema anzueignen, begegnet man im Alltag immer wieder. Sie beschränken sich nicht auf NPD-Plakate zu Wahlkampfzeiten, die »Todesstrafe für Kinderschänder!« fordern. Wer mehr erfahren möchte: Argumentationshilfen und andere Gegenstrategien finden sich in zwei lesenswerten Broschüren der Amadeu-Antonio-Stiftung, »Was Sie über sexuellen Missbrauch wissen sollten« und »Instrumentalisierung des Themas sexueller Missbrauch durch Neonazis«.
* MZB als Pionierin der LGBTI-Bewegung zu feiern, ist dennoch nicht unproblematisch. Ihre persönliche Haltung zur Homosexualität war alles andere als konsistent, und die (aus meiner Sicht ja sehr erfreuliche) Entwicklung, dass vor allem lesbische Frauen sich mit den Freien Amazonen idenifizierten, scheint nicht unbedingt in der Absicht der Autorin gelegen zu haben.
** Carl Freedman (Hg.), Conversations with Samuel R. Delany, University Press of Mississippi 2009, S. 136.
*** Ich kann leider im Moment nicht überprüfen, ob Wikipedia korrekt zitiert, da die entsprechende Seite in der Vorschau von Google Books nicht vorhanden ist.
† Samuel R. Delany, Shorter Views: Queer Thoughts & the Politics of the Paraliterary, Wesleyan University Press 1999, S. 173.
†† Auf Skalpell und Katzenklaue ist vor zwei Jahren ein Artikel erschienen, der diese und andere Ansichten Beales mit Hilfe von Originalzitaten dokumentiert, die vor Misogynie, Rassismus und religiöser Borniertheit nur so triefen.

Foto-Disclaimer

Das Foto im Blog-Header wurde freundlicherweise von Sandra Rugina zur Verfügung gestellt. Es zeigt den Bâlea-See in den rumänischen Karpaten. Alle Rechte liegen bei der Autorin.