Donnerstag, 11. Februar 2016

Newsflash zu “Winds of Winter”

Zugegebenermaßen, keine bahnbrechende Neuigkeit, aber ich dachte mir: statt mir vorzunehmen ab sofort monatlich lange, tiefgründige Blogposts zu schreiben, nur um dann bei den guten Vorsätzen zu bleiben – lieber mal ein kleiner Anfang.

Dass George R. R. Martin The Winds of Winter nicht mehr rechtzeitig fertig bekommen hat, um es vor der nächsten Staffel der TV-Adaption herauszubringen, dürfte wohl hinlänglich bekannt sein. Immerhin, die Fertigstellung des Manuskripts sei nun “months away” – schonmal besser als years away.

Nun soll GRRM ehrenhalber einen akademischen Grad (vermutlich einen Ehrendoktor, aber das geht aus “honorary degree” nicht direkt hervor) von der Texas A&M University verliehen bekommen. GRRMs Kommentar dazu: Er werde die Ehrung erst entgegennehmen, wenn Winds fertig sei. Entgegennehmen hier im physischen Sinne einer Zeremonie an der Texas A&M Uni.

Offenbar lehnt GRRM nun also auch kleinere Unterbrechungen seiner Schreibarbeit ab. Das ist an sich schon erfreulich für alle, die auf sein nächstes Buch gierig sind. Für mich klingt dies auch so, als könne er eine halbwegs zeitnahe Fertigstellung absehen, und konzentriert sich nun auf einen Endspurt. Die Zeremonie, bei der Ehrentitel verliehen werden, findet als nächstes Mitte Mai statt. Da GRRM ankündigt, vorläufig nicht verfügbar zu sein, glaube ich nicht dass er diesen Termin für machbar hält. Danach wären Mitte August und Mitte Dezember möglich. Ist das also der Zeitrahmen, in dem GRRM momentan denkt, mit Winds of Winter fertig werden zu können?

Bei A Dance with Dragons lagen auch noch Monate zwischen dem näherrückenden und dem letztendlichen Abschluss des Manuskripts, entsprechend könnte es mit Winds auch noch dauern. Soll mir recht sein, solange sich etwas tut.

Freitag, 5. Februar 2016

David Hartwell (1941–2016)

Vor zwei Wochen ist der SFF-Kritiker und -Herausgeber David Geddes Hartwell im Alter von 74 Jahren gestorben. Ich komme mir ein wenig schäbig vor, erst jetzt an Hartwell zu erinnern, aber es ist mir ein Anliegen, auf seinen Essay »The Making of the American Fantasy Genre« hinzuweisen (abgedruckt in dem von Peter S. Beagle herausgegebenen Band The Secret History of Fantasy). Denen möchte ich allen ans Herz legen, die Genre-Gelehrsamkeit zu schätzen wissen.

Montag, 21. September 2015

Puppies im Radio, auch zum Downloaden

Gestern abend gab es ein wenig Konfusion um die Radiosendung, für die ich interviewt wurde. Die Sendezeit war doch nicht 18–20 Uhr, sondern 19–21 Uhr. Das lag wohl daran, dass gestern auf Radio F.R.E.I. eine Sondersendung über Häuserkämpfe in Freiburg lief. Jedenfalls gibt es das Interview weiterhin zu hören, und zwar hier. Wer möchte, kann das Interview auch per CC-Lizenz weiterverwenden.

Vielen Dank noch mal an Juliane, die das möglich gemacht hat!

Sonntag, 20. September 2015

Kulturkampf – nicht nur um imaginäre Länder

Juliane von Radio F.R.E.I. hat mich zum Puppygate befragt. Das Interview wird heute abend in der Kultursendung F.R.E.I.stil (18–20 Uhr) per Livestream zu hören sein. Radio F.R.E.I. ist – der Name sagt es – ein freier, nichtkommerzieller Sender aus Erfurt (F.R.E.I. = Freies Radio Erfurt International) und 1990 als eines der ersten freien Radios der DDR entstanden. Juliane schreibt auf ihrem Blog Spinner*innen, was sie dazu bewogen hat, sich kritisch mit der Welpenplage in unserem Genre auseinanderzusetzen.

Mir hat die Sache großen Spaß gemacht. Ich war noch nie im Radio zu hören und bin gespannt auf die Sendung. Übrigens: Wer wissen möchte, warum ich in den letzten Monaten wenig bis gar nicht gebloggt habe, muss das Interview bis ganz zum Schluss anhören!

Mittwoch, 17. Juni 2015

3000 Jahre Riesenschnauzer

Dass Günther Jauch, der Idealschwiegersohn aller Eva-Herman-Muttitypen, ein Idiot ist, wussten wir schon. Was aber normalerweise keiner Erwähung wert ist, wird für mich zur Herausforderung, wenn Jauch seine Ahnungslosigkeit in Sachen Mythologie zur Schau stellt. Der verlinkte Kommentar präsentiert schon eine beachtliche Anzahl von schnauzertragenden Riesen der Gegenwart und jüngsten Vergangenheit, von Magnum über Moses Hightower bis hin zu Borat (wenn es sich dabei auch nur um Riesen im übertragenen Sinne handelt, was sie für meine Zwecke weniger interessant macht). Tatsache ist aber: Die Vorliebe der Riesen für (Schnauz)bartmode ist jahrtausendelang bemerkenswert konstant geblieben. Das lässt sich bis zu den Anfängen der mythographischen Aufzeichnungen zurückverfolgen.

Riesen gibt es in allen möglichen Weltgegenden, vom hohen Norden bis zum Mittelmeer. In Deutschland gab es z.B. im Odenwald eine vielköpfige Riesenpopulation, bis der letzte Odenwaldriese zu Beginn des 16. Jahrhunderts von Kaiser Maximilian I. erschlagen wurde. Vielfältige Zeugnisse gibt es für die levantinischen Riesen. Das Alte Testament erwähnt zwei Völker von Riesen, die Nefilim und die Refaim. Meist erscheinen sie als Gegner Israels. Ein riesenhaftes Geschlecht waren die Söhne Anaks, die vom israelitischen Feldherrn Josua in die Küstenstädte Gaza, Gat und Aschdod zurückgedrängt wurden. Ein Riese war auch der König Og von Baschan, dessen Bett (anderen Überlieferungen zufolge sein Sarg) vier Meter lang war. Doch auch auf hebräischer Seite kämpfte ein berühmter Riese: Samson, der Held Israels, dem ein erstaunliches Nachleben in italienischen Sandalenfilmen beschieden war. Marcello Baldis Gideon und Samson (1966) etwa stellt ihn vollbärtig (und mit Vokuhila) dar:


Man beachte jedoch folgenden Kupferstich, auf dem Delila dem schlafenden Samson die Haare schert und ihn damit seiner Riesenkräfte beraubt:


Hier ist Samson eindeutig mit einem Menjou-Bärtchen zu sehen. Doch damit nicht genug. Im Örtchen Tamsweg in der Steiermark wird eine Samsonfigur in der alljährlichen Fronleichnamsprozession getragen. Die Figur zeigt Samson in voller Rüstung und mit einem prächtigen Schnauzer:


»Make Love, not War« soll das Blumenbukett an Samsons Speer wohl bedeuten. Es bleibt aber kriegerisch. Der mit Abstand berühmteste Riese der Bibel ist der Philister Goliat. Wir alle kennen die Geschichte: Das philistäische und das israelitische Heer stehen sich gegenüber. Da tritt Goliat aus den Reihen hervor und brüllt Israel eine Herausforderung zum Zweikampf entgegen. Die israelitischen Krieger verlieren sämtlich ihren Mut beim Anblick Goliats, der einen Speer schwingt, dessen bronzene Spitze fast 15 Pfund wiegt. Allein der Hirtenjunge David, der eigentlich nur Proviant für seine älteren Brüder ins Feldlager bringen sollte, wagt es, dem Hünen entgegenzutreten. Er tötet ihn, indem er ihm einen Stein gegen die Stirn schleudert. Anschließend schneidet er ihm mit seinem eigenen Schwert den Kopf ab. Goliat stammt aus Gat, also aus einer der Städte, in die sich zuvor die Anakiter zurückgezogen haben. Ein Gemälde Orazio Borgiannis stellt die blutrünstigen Details dar:

 
Dem reichlich spritzenden Blut zum Trotz ist Goliats Schnauzer klar zu erkennen.

Die griechische Mythologie kennt mehrere Klassen riesenhafter Wesen, unter ihnen die Giganten, Zyklopen und Laistrygonen. Ein besonders beeindruckendes Exemplar ist der in Nordafrika beheimatete Riese Antaios, der fast 30 Meter maß. Er ernährte sich ausschließlich von Löwen und tötete alle vorbeikommenden Reisenden, um aus ihren Schädeln einen Tempel für seinen Vater, den Meeresgott Poseidon, zu bauen. Besiegt werden konnte er nur von Herakles. Und nun schaue man sich an, wie der Zweikampf zwischen Antaios und Herakles auf einem Mischgefäß des 6. vorchristlichen Jahrhunderts aussieht:


Muss ich extra erwähnen, welche der beiden Figuren der Riese Antaios ist? Das Gefäß wird heute im Louvre aufbewahrt.

Wer jetzt den Eindruck hat, Riesen hätten nur in der Antike Schnurrbärte getragen, irrt sich. Aus der kornischen Märchenwelt stammt der berühmte Riesentöter Jack, dessen menschenfressende Gegenspieler Namen wie Blunderbore, Cormoran und Thunderdel tragen. Eine viktorianische Illustration zeigt die Tötung Cormorans (Größe: 6 m), der einen gesträubten Schnauzbart trägt:

Aufgrund seiner Verdienste als Riesentöter wird Jack, ein einfacher Bauernsohn, in König Artus’ Tafelrunde aufgenommen.

Der bekannteste Riese der kontinentaleuropäischen Märchen- und Sagenwelt ist Rübezahl, der auf Tschechisch Krakonoš heißt. Rübezahls Markenzeichen ist sein wallender roter Bart. Gelegentlich erscheint er mit glattrasierter Oberlippe, so auf dem Friedrichshainer Märchenbrunnen:



Sehr viel häufiger sind jedoch Darstellungen, auf denen Rübezahl zum Rauschebart einen Schnauz trägt, wie hier links und rechts zu sehen ist.



Zu guter letzt sei ein Riese der Gegenwart erwähnt, dessen Schnurrbartform eindeutig die ungebrochene Kontinuität der Riesenbartmode von der Altvorderenzeit bis zum heutigen Tag belegt:


Die verblüffende Ähnlichkeit zu den Schnurrbärten Goliats und Antaios’ ist nicht zu übersehen.

Was ich mit dieser kulturgeschichtlichen Tour durch die Mythologie des Riesenschnauzers nun hoffentlich gezeigt habe: Günther Jauch und RTL, ihr seid geist- und witzlose Trottel. Sucht euch neue Jobs, in denen ihr nicht mehr mit Menschen interagieren müsst.

Bildquellen: Cinema.de, Wikimedia Commons.

Donnerstag, 28. Mai 2015

RoboCop 2014

Mark Bould hat eine sehr übersichtliche Rezension zu José Padilhas RoboCop geschrieben: “[T]he very best thing is that in the tagline at the top of the poster, very first word, they spelt ‘cinema’ wrong…” Die Tagline lautet:


Ich fasse mich noch kürzer: Schnitte man die Szenen mit Samuel L. Jackson als rechter Pundit zusammen, bekäme man eine nette Politsatire.

Foto-Disclaimer

Das Foto im Blog-Header wurde freundlicherweise von Sandra Rugina zur Verfügung gestellt. Es zeigt den Bâlea-See in den rumänischen Karpaten. Alle Rechte liegen bei der Autorin.