Montag, 24. Februar 2014

Macho McHackenslay, P.D. Kickassgrrl und andere Autor_innen

Juliet E. McKenna schreibt in ihrem Blog:
With the upcoming fourth season of A Game of Thrones about to hit TV screens, you will soon see ‘If you like reading GRR Martin, why not try these authors?’ displays going up in bookshops. I will give a book of mine, of their choice, to the first person who can send me a photo of such a display that isn’t entirely composed of male authors. Because I’ve yet to see one. I have challenged staff in bookshops about this, to be told ‘women don’t write epic fantasy’. Ahem, with 15 novels published, I beg to differ. And we read it too.
Die Erfindung immer stärker ausdifferenzierter Subgenres wird mitunter für ein probates Mittel gehalten, um das Buch ans lesende Publikum (bzw. an das Publikumssegment, das man sich heranzüchten will) zu bringen. Damit verbindet man wohl die Hoffnung, Erfolge wiederholbar zu machen. Naomi Noviks Temeraire-Bücher bewirkten z.B., dass von Napoleonic Fantasy gesprochen wurde. In gewisser Hinsicht ist so etwas Etikettenschwindel, denn ein einzelnes inhaltliches Merkmal (in diesem Fall ein von der Zeit der Napoleonischen Kriege ausgehendes Setting) rechtfertigt nicht, von einem (Sub-)Genre zu sprechen. Man könnte genauso gut behaupten, Alexandre Dumas’ im 17. Jahrhundert spielende Romane bildeten ein eigenes Genre namens Sun King Romance. Solche ›Subgenres‹ haben keinen heuristischen Wert, sondern funktionieren letztlich einfach nur wie Blurbs und andere Werbemaßnahmen.

Aber auch da, wo sich auf sinnvolle Weise von Subgenres reden lässt, nervt die nach Genre-Gender-Korrelaten erfolgende Vermarktung ganz gehörig – zumal Menschen wie mich, die die Southern Vampire Mysteries ebenso wie A Song of Ice and Fire mögen. Da nimmt es sich vielversprechend aus, dass McKennas Post einige Menschen veranlasst, sich gezielt mit epischer Fantasy von Frauen auseinanderzusetzen:
  • Foz Meadows hat sich die Mühe gemacht, eine in dieser Hinsicht recht aufschlussreiche Promo-Broschüre für Buchläden abzufotografieren. Ergebnis: Unter den 113 aufgelisteten SFF-Autor_innen (ausschließlich Weiße) finden sich ganze neun Frauen. In der Sektion »Heroic, epic and high fantasy fiction« werden 20 Werke genannt, darunter drei von Frauen (Trudi Canavan, Gail Z. Martin und Karen Miller).
  • Auf The Wertzone werden acht Autorinnen vorgestellt, deren Werk bedeutende Impulse in die epische Fantasy eingebracht hat, darunter J.K. Rowling. Jep, Werthead betrachtet (ganz nach meinem Geschmack) Harry Potter als epische Fantasy und begründet das hier. Viele weitere Empfehlungen gibt es in den Kommentaren.
  • McKenna erwähnt in ihrem Blogpost »articles in The Guardian which repeatedly discuss epic fantasy without ever once mentioning a female author«. Alison Flood versucht es im Guardian vom letzten Freitag besser zu machen, beschränkt sich in ihren Empfehlungen allerdings nicht auf epische Fantasy.
  • Markus Mäurer listet in seinem Blog Translate or Die die von Frauen geschriebene epische Fantasy aus seinem Buchregal auf und nimmt sich vor, in den nächsten Monaten einige relevante Werke zu lesen und vorzustellen. Es geht los mit C.S. Friedmans Festung der Nacht.
Für Hinweise auf weitere Links zur Sache bin ich dankbar!

Kommentare:

Djamena hat gesagt…

Es gibt viele gute Fantasy- und SF-Autorinnen, leider fallen sie häufig unter den Tisch.

Ich lese seit Jahrzehnten epische Fantasy und darunter waren etliche Autorinnen.

Lynn Flewellings Nightrunner Series startete 1996 mit Luck in the Shadows und hat alle Elemente epischer Fantasy, ist gut geschrieben, spannend, eine gut ausgearbeitete Welt, aber die Bücher weichen ab von der Norm, weil die Protas zwei schwule Männer sind. Kaum jemand kennt die Bücher von ihr. Ebenso Tamir Triad, auch von Flewelling, eine großartige Trilogie.

Mir fallen auf Anhieb etliche großartige Autorinnen ein.

Ursula K. LeGuin, Marion Zimmer-Bradley, Patricia McKillip, Tanith Lee, Joan D. Vinge, C.J. Cherry, Robin Hobb und Joanne Bertin.

Patricia Briggs schreibt nicht nur Urban Fantasy sondern hat auch epische Fantasy verfasst. Drachenzauber hieß das auf deutsch, wenn ich mich richtig erinnere.

N.K. Jemisin ist eine tolle, moderne Autorin.

Ach ja, und Uschi Zietsch schreibt seit den Achtzigern auch im Bereich epische Fantasy und nicht nur als Perry Rhodan Autorin.

Hier noch ein link zu dem Thema, den ich gefunden habe:

http://www.fantasybookcafe.com/2013/04/women-in-sff-month-patricia-a-mckillip/

Ach, und Evangeline Waltons Vier Zweige des Mabinogi hat mich damals ziemlich geprägt.

Anubis hat gesagt…

Schöner Artikel von McKillip. Danke!

Foto-Disclaimer

Das Foto im Blog-Header wurde freundlicherweise von Sandra Rugina zur Verfügung gestellt. Es zeigt den Bâlea-See in den rumänischen Karpaten. Alle Rechte liegen bei der Autorin.