Dienstag, 30. Dezember 2014

Was Herrn Frank zu sagen wäre

Es weihnachtete die letzten Tage so sehr, dass mir das diesjährige Scharmützel im allwährenden Feuilleton-Krieg »Eskapismus vs. Kultur« entgangen ist. Anlass ist der Kinostart von The Battle of the Five Armies; na klar. Arno Frank schreibt auf Spiegel Online:
Ist es vorbei? Noch mag man es kaum glauben. Nach dem Ende der »Herr der Ringe«-Trilogie gab es schon einmal eine trügerische Pause, in der das mediale Sperrfeuer aus kriegerischem Kitsch für eine Weile ruhte.
The Return of the King kam 2003 auf die große Leinwand. 2005 folgte The Lion, the Witch and the Wardrobe, die erste von bislang drei Narnia-Realverfilmungen. 2006 war Eragon dran, 2007 The Golden Compass und 2008 Inkheart. Die Verfilmung von Harry Potter startete 2001, parallel mit der LotR-Trilogie, und war 2011 abgeschlossen. Im Jahr darauf lief – Überraschung! – An Unexpected Journey in den Kinos an. Zwischendurch gab es eine Menge Fantasyfilme, die nicht auf Bestsellern beruhten, von El laberinto del fauno über ausgemachten Mist wie Lady in the Water (beide 2006) bis hin zu unterhaltsamem Quatsch wie Immortals (2011). Und nein, es ist noch lange nicht vorbei. Schließlich kommt nächstes Jahr der zweite Teil vom dritten Teil von Die Tribute von Panem.

Was ist einem Herrn Frank also zu sagen? Dass er ab und an das Programmheft des nächstgelegenen Cineplex konsultieren sollte, so zu Recherchezwecken? Das wäre kein Schaden, würde aber sein Problem nicht lösen. Das Problem ist: Herr Frank wünscht sich Ruhe, wie sie sich das Zipfelmützenbürgertum zu allen Zeiten gewünscht hat, und findet sie nicht. Er würde gerne in Deckung gehen, um sich mit der »immer grauer und ernsthafter erscheinenden Realität« zu befassen, und wird doch immer wieder aufgestört. Woran liegt das nur?

Das Bürgertum hat sowohl die Kultur als auch den Kapitalismus erfunden. In der einen Sphäre erholt es sich von den schweißtreibenden Zumutungen der anderen. Im 18. Jahrhundert war das Bürgertum in den meisten europäischen Staaten von der Betätigung in Politik, Bürokratie und Justiz ausgeschlossen, weshalb sich die Kultur als eigenständige gesellschaftliche Sphäre herausbildete, in der bürgerliche Herren nach Belieben schalten und walten konnten. Es entstanden Zeitungen, Verlage, Salons, literarische Zirkel. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass es vorher keine Kultur gab, sie war nur keine eigenständige gesellschaftliche Sphäre, sondern an bestimmte Institutionen gebunden, z.B. an Klöster oder an die Höfe. Dort war sie mehr oder weniger zweckgebunden, sie diente (im Fall der Klöster) der Weitergabe von Bildung oder (im Fall der Höfe) Repräsentationszwecken. Mit der Konstitution der nicht mehr geistlichen und nicht mehr höfischen, sondern bürgerlichen Kultur kam es zu einem merkwürdigem Paradox: Kultur sollte von nun an völlig zweckfrei sein, ganz und gar schöngeistig sozusagen, andererseits war sie ja der dringend benötigte Ausgleich zum geschäftigen Treiben in Produktion und Zirkulation. Ein Reich der Freiheit war die bürgerliche Kultur also von Anfang an nicht, sondern die Kehrseite der »dunklen Kraft«, wie Herr Frank sich ausdrückt – des Marktes.

Doch damit hört das Paradox noch nicht auf. Dieselbe Kultur, die zweckfrei und schön sein soll, lässt sich auch selber vermarkten. Ich habe es oben schon erwähnt: Die Herausbildung der bürgerlichen Kultur ging so vonstatten, dass sich Zeitungen und Verlage etablierten, und deren Handeln ist alles andere als zweckfrei. Es folgt ganz eindeutig dem Zweck, das tägliche Blatt bzw. die jährliche Buchproduktion zu schnödem Geld zu machen, und es versteht sich, dass dieser Zweck nicht auf die vergleichsweise überschaubaren Kreise des gehobenen Bürgertums beschränkt ist. Das Buch war schon im 18. Jahrhundert, als nur ein geringer Teil der Bevölkerung lesen konnte, ein Massenprodukt. Mit jedem weiteren narrativen Medium, das erfunden wurde (Fortsetzungsgeschichten, Hörspiele, Filme, Fernsehserien, Computerspiele) nahm dieser Massen-Appeal weiter zu. Mit der Kultur verhält es sich auch nicht anders als mit anderen Institutionen des Bürgertums: Es mag die Unersetzlichkeit der Kleinfamilie noch so sehr beschworen, die Arbeit von Hausfrauen schier in den Himmel gelobt werden – wir wissen, dass das nicht stimmt, denn was die Kleinfamilie und die Hausfrau leisten, kann man auch ganz einfach kaufen, indem man Dienstpersonal einstellt. Ebenso ist es mit Kulturprodukten. Die sonntäglich gemeinsam musizierende Familie mag das Ideal sein, die Brandenburg Concertos als MP3 sind die Realität.

Da das Bürgertum sowohl die Kultur als auch den Kapitalismus geschaffen hat, dürfte es sich eigentlich nicht beklagen, wenn beide Sphären sich vermischen, wie es in besonders augenfälliger Weise in der sogenannten Massen- oder Populärkultur der Fall ist. Aber man hätte das Schöngeistige und das Geschäftliche lieber fein säuberlich getrennt und hat sich deshalb angewöhnt, mit Verachtung auf die Kommerzialisierung der Kultur zu blicken. Zumindest tut man gern so, als verachte man sie, denn eigentlich lebt ja niemand mehr völlig unberührt von der Populärkultur dahin. Zu sagen wäre einem Herrn Frank also nicht primär, dass er doch bitte differenzieren und sich informieren möge. Zu sagen wäre ihm, dass es ganz einfach ein wenig seltsam ist, was er da tut: Er verdient sein Geld damit, indem er dazu beiträgt, eine über 200 Jahre alte Illusion aufrecht zu erhalten, derzufolge Geld und Kultur nichts miteinander zu schaffen hätten. Er behauptet, man könne tagsüber ausbeuten und sich ausbeuten lassen und sich abends dem Wahren, Guten und Schönen widmen, ohne dass eins dem anderen dabei irgendeinen Schaden zufügt. Damit ist er weiter von der Realität entfernt, als »diese Leute«, die gern bereit sind, für drei Stunden ordentlichen Eskapismus an der Kinokasse zehn Euro auszugeben, es je sein könnten.

Andere haben dem Herrn Frank auch etwas zu sagen:
  • Ju Honisch meint, Phantastik schärfe den Realitätssinn: »Es sind gemeinhin die phantasielosen ›Realisten‹, die sich in religiös/weltanschaulichen Extremgruppierungen wiederfinden, weil sie das Aberwitzige für bare Münze nehmen und keine Erfahrung mit der Rezeption von Fiktion haben. [...] Mir sind Menschen, die mal am Wochenende mit Plastikschwertern Märchen spielen weitaus lieber als solche, die sich mit rechten Parolen und echten Baseballschlägern die Realität zurechtprügeln wollen.«
  • Für Stefan Holzhauer ist Franks Artikel »der ver­zwei­felte Ver­such ei­nes ster­ben­den Me­di­ums, mit dem Ver­riss ei­nes po­pu­lä­ren The­mas Traf­fic zu ge­ne­rie­ren.«
  • Diskutiert wird über den Artikel auch unter diesem Blogpost von Michael Blume.
Zum Schluss möchte ich noch einige missverständnisvermeidende Worte los werden. Zum einen: Ich habe nichts gegen Bücher oder Filme, die mit der Intention auftreten, reine Unterhaltung zu sein – zumal dies ein Versprechen ist, das sich ohnehin nicht einlösen lässt. Mein Problem mit Peter Jacksons Hobbit-Filmen ist eher, dass ich sie nicht sonderlich unterhaltsam finde. Zum anderen: Im Hintergrund solcher Debatten schwirrt ja irgendwie immer die Entgegensetzung von Realismus und Phantastik umher, also die Annahme: Kunst, die sich mit der Wirklichkeit befasst ist gut; Kunst, die in irgendwelchen Erfindungen schwelgt, ist böse (auch und gerade dann, wenn sie nicht ›nur‹ unterhaltsam sein will).

Diese Entgegensetzung beruht auf der Verwechslung zweier unterschiedlicher Realismusbegriffe: einmal Realismus als formalästhetisches Prinzip, einmal Realismus als normatives Prinzip. Der eine will die Kunst auf eine bestimmte Darstellungsweise verpflichten, der andere fordert von der Kunst nur, dass sie die Realität darstellt (und sie kritisiert) und lässt dabei offen, in welcher Weise dies erfolgen kann. Hält man sich an Vorgaben, die im formalästhetischen Sinne realistisch sind, dann kann dabei ein Roman herauskommen, in dem zwar nichts Übernatürliches passiert, der aber von vorne bis hinten weltfremd und engstirnig ist. Realismus als normatives Prinzip halte ich dagegen für unverzichtbar, sofern Kunst emanzipatorisch sein soll. Weil es aber ziemlich missverständlich ist, von realistischer Fantasy (oder Phantastik, wem dieser Ausdruck lieber ist) zu sprechen, möchte ich auf einen glücklichen Ausdruck Michail Bachtins hinweisen, der von emblematischer Phantastik sprach. Emblem bedeutet in diesem Fall Sinnbild – und ja, ich wünsche mir eine Phantastik, die, gerade weil sie sich nicht an die formalästhetischen Vorgaben des Realismus hält, die komplexe und widersprüchliche Realität zu versinnbildlichen vermag.

P.S.: Wirklich witzig ist die Freudsche Fehlleistung, die Herrn Frank im letzten Satz unterläuft: Die Macht des Marktes ist »ist bekanntlich keiner Magie gewachsen, weder in dieser noch in irgendeiner anderen Welt«, sagt er da ganz unversehens. Schön wär’s. Aber die Magie des Marktes ist leider ziemlich stark in dieser Welt (wie Herr Frank ja wahrscheinlich sagen wollte), wenn auch hoffentlich nicht in anderen Welten.

Kommentare:

simifilm hat gesagt…

Mir scheint hier – wie bei anderen Reaktionen auf diesen Artikel – eine ziemliche Fehllektüre eines Textes vorzuliegen, der primär als launige Polemik gedacht ist. Zumal Frank mit der Formulierung der "grauer und ernsthafter erscheinenden Realität" offensichtlich nicht seine Sicht, sondern die gewisser Fantasy-Fans wiedergibt.

molosovsky hat gesagt…

Arno ›Klick Bait‹ Frank bringt selbst seinen Stuss in folgenden Worten wunderbar auf den Punkt: »Je akribischer Nicht-Orte wie Gondor oder Westeros kartografiert werden, umso mehr schwächen diese experimentellen Topografien unser Interesse für echte Orte und das, was dort geschieht.«

Nicht nur ist das eine vollkommen aus der Nase gezogene Annahme, sie stellt einen wesentlichen Attraktor und Wert der Phantastik auf den Kopf. Gerade weil man in Fantasy-Welten spielerisch alle möglichen Parameter ungefährlich verhandeln kann, hat sie einen Wert als Trainingsgerät für die Möglichkeitssinn-Muskeln (ich erinnere an dieser Stelle gerne wiederum an die Worte Umberto Ecos zur Funktion von Fiktionen allgemein: »Indem wir Romane lesen, entrinnen wir der Angst, die uns überfällt, wenn wir etwas Wahres über die Welt sagen wollen«).

Was mich ärgert: oberflächliche, kenntnislose und ungeschickte ›Eskapismusschelte‹ vom Schlage Arno Franks diskreditiert ernsthafte und nötige Kritik an der in der Tat mächtig um sich greifende Phantasie-Gentrifizierung durch multimedial ausschwärmende Franchise-Flotten der Kulturindustrie.

Raskolnik hat gesagt…

Arno Franks Artikel enthält nichts, was man nicht schon vor gut einem Jahrzehnt in Reaktion auf die "Herr der Ringe" - Filme in soch manchem Feuilleton lesen konnte. Für eine ernsthafte Auseinandersetzung über Eskapismus und Kultur erscheint er mir schlicht zu ideenarm. Dabei wäre eine solche in gewisser Weise dringend nötig, da bin ich ganz bei Molo.

Etwas eigentümlich finde ich, dass du Frank eine spießbürgerliche Sehnsucht nach "Ruhe" unterstellst. Worauf beruht diese Einschätzung? Ich selbst kann in dem Artikel keinerlei Belege dafür finden?

Und ist eine Kritik der "Kommerzialisierung der Kultur" tatsächlich nur vom Standpunkt des Glaubens an eine reine Sphäre des "Guten, Wahren, Schönen" möglich? Und damit von vornherein illegitim oder zumindest illusorisch? Natürlich wäre es bestenfalls naiv, zu glauben, Kunst könne von den gesellschaftlichen Bedingungen unberührt bleiben, unter denen sie entsteht. Aber das bedeutet doch noch lange nicht, dass man ihre krasse Kommerzialisierung, wie sie z.B. im amerikanischen Mainstream-Kino unserer Tage zu beobachten ist, unkritisiert hinnehmen müsste.

Murilegus rex hat gesagt…

Hey Simi,

ohne jetzt genau zu wissen, was für dich in diesem Fall eine angemessene Lektüre wäre – mir ist schon klar, dass ich Franks Artikel ernster genommen habe, als er gemeint ist. Aber ich hoffe, dass es es zumindest eine produktive Fehllektüre ist.

Ich finde es ziemlich nervig, wenn jemand (wie jetzt Frank) ein Kampfgeschrei anstimmt, ohne es wirklich ernst zu meinen. Wenn schon Polemik, dann bitte mit Substanz.

@molo:

»Was mich ärgert: oberflächliche, kenntnislose und ungeschickte ›Eskapismusschelte‹ [...] diskreditiert ernsthafte und nötige Kritik an der [...] Phantasie-Gentrifizierung durch multimedial ausschwärmende Franchise-Flotten der Kulturindustrie.«

Ich frage mich ja die ganze Zeit, was in der Hinsicht der Unterschied zwischen Fantasy und anderen Genres wie (sagen wir) Katastrophenfilm, Spionagethriller oder romantischer Komödie sein soll. Vielleicht ist phantasielose Fantasy ja doch der größere Skandal.

@Raskolnik:

»Etwas eigentümlich finde ich, dass du Frank eine spießbürgerliche Sehnsucht nach ›Ruhe‹ unterstellst. Worauf beruht diese Einschätzung?«

So habe ich einfach mal die Metapher des in Deckung Gehens gedeutet, die er wiederholt gebraucht.

Ich finde schon auch, dass das Blockbuster- und Franchise-System des US-Kinomainstreams ein besonders krasser Fall von Kommerzialisierung ist, insbesondere weil seine Produkte so durch und durch stromlinienförmig sind. Die Hobbit-Filme (d.h. die ersten beiden, den dritten habe ich noch nicht gesehen) sind in meinen Augen sogar ein besonders eindrückliches Beispiel dafür. Aber ich bin auch der Überzeugung, dass, wer Populärkultur ablehnt, um Hochkultur aufzuwerten, schlicht ignoriert, dass es im Kapitalismus noch nie ›Hochkultur‹ ohne Populärkultur gegeben hat. Die Kritik ist sehr notwendig, klar, aber sie kann halt nicht von einem illusionären Standpunkt aus erfolgen.

Raskolnik hat gesagt…

"So habe ich einfach mal die Metapher des in Deckung Gehens gedeutet, die er wiederholt gebraucht."

Ah ja, das kann man wohl so interpretieren.

Ich glaube, mein Problem ist vor allem, dass ich das Gefühl habe, du "überinterpretierst" Franks Artikel ein bisschen. Als Beispiel für die von dir kritisierte Sicht auf Kunst & Kultur scheint er mir einfach ungeeignet. Ich kann verstehen, dass dir Polemik ohne Substanz nicht behagt, doch für genau so etwas halte ich Franks Text.

Wie dem auch sei.
Da es nur noch 6 1/2 Stunden bis zum Jahreswechsel sind: Alles Gute zum Neuen Jahr!

Murilegus rex hat gesagt…

Das stimmt, ich neige definitiv zu Überinterpretationen.

Alles Gute zum neuen Jahr!

simifilm hat gesagt…

@molo (in erster Linie, aber auch an den Rest)
So an den Haaren herbeigezogen finde ich das nun nicht. Vor allem: Frank betreibt keine Eskapismus-Schelte. Er wendet sich vielmehr gegen jene Stimmen, die den Eskapismus als positive Eigenschaft der Fantasy sehen. Es gibt ja genug Leute, welche die Ansicht vertreten, der Reiz von Fantasy liege gerade in der (Wieder-)Verzauberung der Welt, die also – wie Frank ja auch schreibt – den Eskapismus-Vorwurf umdrehen und gerade in der Flucht in Fantasie-Welten die Stärke von Fantasy et al. sehen. (Frank Weinreich etwa vertritt mehr oder weniger diese Position).

Nun gibt es aber eine nicht unbedingt kleine Menge von Fans, für die der Reiz von Middle-Earth und verwandten Welten darin liegt, dass da alles durchkonstruiert wurde und die in typischer Sammlermanier alles zusammentragen, was die jeweilige Welt komplettiert. Ich muss Frank insofern Recht geben, dass das auch für mich eigentlich das Gegenteil von Fantasie ist; das ist für mich mehr die Haltung eines kleinkrämerischen Buchhalters, mit Trainieren der Möglichkeits-Sinn-Muskeln hat das gar nichts zu tun.

Was ma Frank entgegen halten könnte, ist, dass das keine fantasy-spezifische Haltung ist, sondern ebenso in der SF anzutreffen ist. Man schaue nur die Reaktionen eingefleischter anlässlich des Reboots von Stark Trek und des Kanon-Restes von Star Wars. Ich habe da mehrfach Fans gelesen, die praktisch wortwörtlich geschrieben haben: "Nun kann ich all die Romane, Comics etc., die ich gesammelt habe, wegwerfen, die sind ja nun alle ungültig.»

Zumindest für mich hat das nichts mit Fantasie oder Möglichkeitssinn zu tun; aus einer angeblich entzauberten Realität zu fliehen, nur um dann in der Fantasiewelt zum Landvermesser zu werden, scheint mir ebenfalls absurd. Wobei hier der Vorwurf eher einer gewissen Rezeptionshaltung als eine Literaturform gilt.

Murilegus rex hat gesagt…

»Nun gibt es aber eine nicht unbedingt kleine Menge von Fans, für die der Reiz von Middle-Earth und verwandten Welten darin liegt, dass da alles durchkonstruiert wurde und die in typischer Sammlermanier alles zusammentragen, was die jeweilige Welt komplettiert. Ich muss Frank insofern Recht geben, dass das auch für mich eigentlich das Gegenteil von Fantasie ist; das ist für mich mehr die Haltung eines kleinkrämerischen Buchhalters, mit Trainieren der Möglichkeits-Sinn-Muskeln hat das gar nichts zu tun.«

Da sehe ich allerdings auch einen Punkt getroffen. Solche Fan-Schnitzeljagden nach ›kanonischen‹ factoids sind fast schon bedenklich autoritär: die Suche nach der ›gültigen‹ Version, an die man sich ›halten‹ kann.

Am Reißbrett entworfene Sekundärwelten wie die von Brandon Sanderson und anderen begegnen wohl diesem Bedürfnis. Tolkiens Legendarium kann man m.E. aber nur mit vielen Verbiegungen als eine solche restlos durchkonstruierte Schöpfung ansehen. Rätselhafte Figuren wie Bombadil und Goldbeere, chthonische Ungeheuer wie Ungoliant und der Wächter im Wasser, sprechende Tiere lassen sich nicht in ein linnäisches System pressen. Glücklicherweise, denn für mich machen sie zu einem großen Teil den Charme von Tolkiens Werk aus.

molosovsky hat gesagt…

Muss gestehen, dass Simi mich auf seine Seite zieht. Aber ich kann den Arno Frank seine Schreibe nicht ab, deshalb hab ich dagegenklotzen müssen.

Foto-Disclaimer

Das Foto im Blog-Header wurde freundlicherweise von Sandra Rugina zur Verfügung gestellt. Es zeigt den Bâlea-See in den rumänischen Karpaten. Alle Rechte liegen bei der Autorin.