Mittwoch, 6. August 2014

Rumpelstilzchen oder ...?

Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich Listen mag? Hier ist jedenfalls eine Liste mit regionalen Namensvarianten der bekannten Märchenfigur, die bei den Grimms Rumpelstilzchen heißt. Darunter sind weibliche und männliche, afroamerikanische und weiße Rumpelstilzchen:
  • Rumpenstünzchen
  • Purzinigele
  • Kruzimugeli
  • Springhunderl
  • Ziliguckerl
  • Friemel Friemel Frumpenstiel
  • Stragagerl
  • Furzkacherl
  • Tilletanzerl
  • Hans Öfeli-Chächeli
  • Zistel im Körbel
  • Kugerl
  • Waldkügele
  • Felix
  • Frau Wipp
  • Nägendümer
  • Hahnenkickerle
  • Spitzbartele
  • Winterkölbl
  • Hopfenhütl
  • Popelmann
  • Gebhart
  • Horle-Horle-Wip
  • Hoppetinchen
  • Rumpetrum
  • Holzrührlein Bonneführlein
  • Verlefränzchen
  • Zirkzirk
  • Hipche
  • Ekke Nekkepenn
  • Knirrficker
  • Swaart Hex
  • Vater Fink
  • Tarandandò
  • Zorobubu
  • Ligna di scupa
  • Vippentur
  • Pimpelicurius
  • Titteliture
  • Titiläs
  • Tuura
  • Tuttirituli
  • Gilitrutt
  • Bimpeltud
  • Trillevip
  • Pisk-i-Aske
  • Rion
  • Repelsteeltje
  • Kwispeltotje
  • Pier Wier Wetz
  • Tabutoe Tambutoe
  • Yantencanabemorimacacucentellaes
  • Tom Tit Tot
  • Terrytop
  • Trwytyn Tratyn
  • Gwarwynathrot
  • Sili go Dwt
  • Even Trot
  • Trit-a-Trot
  • Wallolty Trot
  • Whuppity Stoorie
  • Peerie Fool
  • Tyngl-Tangl
  • Łacia
  • Ciacia
  • Łup-cup-cup
  • Kinkach Martinko
  • Vargalusko
Doch damit nicht genug. Es folgt eine Liste von Rumpelstilzchen ausschließlich aus dem französisch-baskisch-bretonischen Raum:
  • Troguenolgotife
  • Mirkikerir
  • Mirlikovir
  • Mirloret
  • Cacholet
  • Brigolet
  • Vircocolire
  • Ricdin Ricdon
  • Dick-et-Don
  • Rindon
  • Le Sotré
  • Fanfinion
  • Furti-Furton
  • Capucheret
  • Terlemtaine
  • Ricabert-Ricabon
  • Racabé-Racabon
  • Racavin-Racavon
  • Rigausounait
  • Rigabot
  • Virlouvet
  • Titi la houppe
  • Rodomont
  • Jébédick le Ribet
  • Rigaut Séné
  • Grignon
  • Frelon
  • Rigonville
  • Mimi Pinson
  • Ropiquet
  • Racapet
  • Ricouquet
  • Ricouquin
  • Ripopé
  • Marie Kirikitoun
 Wie gut, dass wir wissen, wie die alle heißen. Irgendwelche Favorit_innen?

Kommentare:

Frank Böhmert hat gesagt…

Mir gefällt der Popelmann. Das liegt sicher an meinem schlichten Gemüt.

Allerdings sehe ich die Verbindung zum Rumpelstilzchen nicht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Popelmann

Anubis hat gesagt…

Die Geschichte vom magischen Spinnhelfer (die manchmal auch eine Spinnhelferin ist) gibt es als Märchen und als Sage. Ich nehme an, dass die Sagenfigur Popelmann u.a. eben auch als Spinnhelfer auftritt. Das Motiv des Kinderstehlens, das anscheinend mit dem Popelmann verbunden ist, würde dazu passen, denn der Spinnhelfer verlangt ja stets ein Kind als Belohnung für seine Dienste. Überprüft habe ich es allerdings nicht, weil ich den Blogpost aus bereits existierenden Listen von Rumpelstilzchenfiguren zusammengestellt und nur stichprobenartig nach den hinter den Namen stehenden Versionen der Geschichte (AaTh 500 im Verzeichnis The Types of the Folktale) gesucht habe.

In der ältesten überlieferten Rumpelstilzchengeschichte, einem Märchen, ist der magische Spinnhelfer übrigens der Teufel selbst.

Frank Böhmert hat gesagt…

Ah, der "magische Spinnhelfer" ist die Figur, die im Kern all dieser Ausgestaltungen steckt - danke für die Erläuterung!

Vom Spinnen wäre beim Popelmann allerdings nur ein Kämmen der eigenen Haare übriggeblieben. Interessante Verschiebung.

Matthias hat gesagt…

Weißt Du irgendetwas über den ungarischen Namen? Das Nagyszótár (das umfangreichste ungarische Wörterbuch) hilft mir nicht weiter, wenn ich die Bedeutung des Wortes erfassen will. Vielleicht erkenne ich auch die Morphemgrenzen nicht korrekt, aber ein in irgendeiner Form sprechender Name scheint es mir zu sein.

Eosphoros hat gesagt…

Meinst du Tűzmanócska? Mit etwas googeln lässt sich manócska als eigenständiges Morphem finden, und tűz soll laut Google Translate ›Feuer‹ bedeuten; aber das weißt du bestimmt besser.

Matthias hat gesagt…

Tűzmanócska ist in der Tat selbsterklärend, ich meinte allerdings Vargalusko aus der obigen Auflistung. Sowohl diese Variante als auch das gleiche Wort mit a- statt o-Auslaut scheint es auch im Ungarischen zu geben, wenn auch Tűzmanócska möglicherweise weiter verbreitet ist.

Eosphoros hat gesagt…

Hast du hier schon S. 55 bzw. 54f. gesehen? Da gibt es ein paar Quellenangaben.

Anubis hat gesagt…

In der Literatur, die ich für den Blogpost gelesen habe, habe ich lediglich Vargalusko als Namen einer ungarischen Spinnhelferfigur gefunden – nichts über die Bedeutung des Namens und nichts über die damit zusammenhängenden Sagen oder Märchen.

Übrigens war ich ziemlich baff, denn die verschiedenen Namensaufzählungen, die ich in der folkloristischen Literatur gefunden habe, machten oft den Eindruck, als seien sie nur nach dem Hörverständnis notiert und nie mit der Schreibweise in den Quellensammlungen abgeglichen worden.

Matthias hat gesagt…

@Eosphoros: Danke für den Link. Das bestätigt mich darin, dass die Zerlegung in varga + ? sinnvoller ist als die in var (›Schorf‹) und galuska (wenn ich hier etwas unter diesem Namen im Restaurant bestelle, bekomme ich normalerweise Nockerln). Das ko bzw. ka am Ende ist klar als Diminutiv-Suffix erkennbar, das lus dazwischen macht mir immer noch Probleme. Leider hat hier in Debrecen die Bibliothek über die Semesterferien geschlossen und die Buchhandlungen vor Ort haben keine gute Auswahl an Märchenbüchern (geschweige denn irgendwelche Sekundärliteratur dazu).

@Anubis: Ich gucke mal, ob ich ein paar ungarische ›Rumpelstilzchen‹-Märchen finden (und lesen) kann. Dass das o im Auslaut in manchen Quellen ein a ist, kann tatsächlich an einer Notation nach Hörverständnis liegen, da die Laute relativ nah beieinander liegen.

Eosphoros hat gesagt…

So, ich habe mal noch das Naheliegende getan und meinen ungarischen Nachbarn gefragt. Er kannte den Namen nicht, aber er segmentierte auch varga + lusko. Varga übersetzte er als ›Schuhmacher/Schuster‹, lusko war ihm nicht bekannt, aber er meinte es muss eine kleine Märchengestalt (Kobold o.ä.) sein. Also er sah es wohl auch als Diminutiv.

Foto-Disclaimer

Das Foto im Blog-Header wurde freundlicherweise von Sandra Rugina zur Verfügung gestellt. Es zeigt den Bâlea-See in den rumänischen Karpaten. Alle Rechte liegen bei der Autorin.