Montag, 3. Juli 2017

Death to False Metal

Die Metal-Alben (und EPs), die ich Mitte/Ende der Neunziger wohl am regelmäßigsten gehört habe:

AC/DC

  • Ballbreaker (1995)

Ancient

  • Mad Grandiose Bloodfiends (1997)

Atrocity

  • Willenskraft (1996)
  • Werk 80 (1997)

Blind Guardian

  • The Forgotten Tales (1996)

Böhse Onkelz

  • Kneipenterroristen (1988)
  • Schwarz (1993)

Cradle of Filth

  • V Empire or Dark Faerytales in Phallustein (1996)
  • Dusk ... and Her Embrace (1996)
  • Cruelty and the Beast (1998)

Dio

  • The Last in Line (1984)

Grave Digger

  • Knights of the Cross (1998)

Grip Inc.

  • Nemesis (1997)

Helloween

  • The Time of the Oath  (1996)

In Extremo

  • Weckt die Toten! (1998)

Iron Maiden

  • Powerslave (1984)
  • Live After Death (1985)
  • Fear of the Dark (1992)
  • Best of the Beast (1996)

King Diamond

  • The Eye (1990)

Marilyn Manson

  • Antichrist Superstar (1996)

Moonspell

  • 2econd Skin (1997)

Satyricon

  • Megiddo: Mother North in the Dawn of a New Age (1996)

Sodom

  • Agent Orange (1989)

Soulfly

  • Soulfly (1998)
Als erstes fällt mir dabei auf, dass es sich größtenteils um Stile handelt, mit denen ich heute wenig oder sogar gar nichts anfangen kann: Hard Rock (AC/DC, Onkelz), Speed Metal (Helloween), Thrash Metal (Sodom, Grip Inc.), Dark/Black Metal (Ancient, CoF, Satyricon) und Gothic Metal (Atrocity, Moonspell). Insgesamt sehe ich aber ein recht konsistentes Bild, insofern es sich fast ausschließlich um traditionelle Metal-Genres handelt, die in der zweiten Hälfte der Neunziger bereits wohletabliert waren. Die einzigen Abweichler sind Marilyn Manson und Soulfly – da habe ich mich wohl vom Hype anstecken lassen und sollte mich vor allen True Metalheads in Acht nehmen. Es war die Zeit, in der der Metal Hammer sich für einige Jahre in Hammer umbenannte und mit dem etwas verschämt kleingedruckten Untertitle New Rock & Metal zu verstehen gab, dass man sich verstärkt dem neu aufkommenden Konglomerat von Bands und Stilen widmen wollte, die unter dem Namen Nu Metal bekannt wurden und den Soundtrack für die asozialen Neunziger lieferten. Das heißt jetzt nicht, dass ich experimentellen Metal ablehne, wie einige Menschen, die sich auch nach Jahren noch nicht über das Aufkommen des Grunge beruhigen konnten. Aber in vielerlei Hinsicht war Nu Metal (würde ich heute sagen) mehr Hype als Experiment.

Ohnehin war ich damals aber vor allem in Black, Dark und Gothic Metal verliebt. Das ist allerdings etwas, was ich heute kaum noch nachvollziehen kann, denn diese Bands nahmen sich allesamt fürchterlich ernst. Metal, würde ich mittlerweile sagen, muss vor allem Spaß machen. Aufgesetzte Misanthropie ist etwas, von dem man sich spätestens nach der Pubertät verabschieden sollte. Aber damals verehrte ich vor allem Cradle of Filth abgöttisch und war natürlich stolzer Besitzer der als Sarg bzw. als keltisches Kreuz gestalteten Limited Editions von Dusk und Cruelty.

Onkelz-Fan war ich übrigens nie. Die Mischung aus Sentimentalität und Prolligkeit, die die Onkelz auszeichnet, sagte mir überhaupt nicht zu. Sie waren aber damals omnipräsent, so dass ich gar nicht umhin kam, sie zu hören (wenn ich auf dem Dorf nicht noch mehr zum Außenseiter werden wollte, als ich es ohnehin schon war). Die beiden in der Liste genannten Alben sind einfach die, deren Tracks mir heute noch am präsentesten sind. Für eine Nazi-Band hielt ich die Onkelz der neunziger Jahre übrigens nicht. Aber es war schon unübersehbar so, dass die Musik der Onkelz auch lange Jahre nach dem Abschied der Band aus dem Fascho-Skin-Milieu immer noch jeden Dorfnazi zu Tränen rührte. Das erkläre ich mir aber nicht damit, dass der Imagewechsel der Onkelz nur ein Täuschungsmanöver war, sondern eher damit, dass ihr ganzer Stil halt so etwas wie den Sound der deutschen Provinz verkörpert.

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Foto-Disclaimer

Das Foto im Blog-Header wurde freundlicherweise von Sandra Rugina zur Verfügung gestellt. Es zeigt den Bâlea-See in den rumänischen Karpaten. Alle Rechte liegen bei der Autorin.